Nicht nur der 4:1-Auswärtserfolg bei ​Fortuna Düsseldorf am letzten Spieltag der ​Bundesliga bestätigte die offensive Vielfältigkeit und Durchschlagskraft von ​Borussia Mönchengladbach in dieser Saison. Die Fohlen überzeugen mit hoher Variabilität in vorderster Front und Trainer Marco Rose hat die freie Auswahl an etlichen erfolgversprechenden Kombinationsmöglichkeiten seiner Stürmer - und er nutzt diese zum Wohlwollen seiner Schützlinge. 

Nicht nur im Mittelfeld von Borussia Mönchengladbach kommt es jeden Spieltag zu schwierigen Härtefall-Entscheidungen für Marco Rose, auch die Besetzung der Offensivreihe will ob der wegfallenden Mehrfachbelastung durch das Ausscheiden in der Europa League und dem DFB-Pokal gut durchdacht kommuniziert werden, um etwaigen Unmutsbekundungen der nicht nominierten Profis zuvorzukommen.

Bislang moderiert Rose diese Thematik exzellent, denn mediale Beschwerden der wenig spielenden Akteure sind kaum zu vernehmen - erstaunlich, wenn man sich die Vielzahl an möglichen Kandidaten für die Startelf vor Augen führt. 90min wirft einen Blick auf das Angebot in der Gladbacher Abteilung Attacke:


Das französische Duo

Alassane Plea,Marcus Thuram

Alassane Plea (l.) und Marcus Thuram


Der voll eingeschlagene Neuzugang Marcus Thuram und sein französischer Landsmann Alassane Plea bilden das Herzstück des Gladbacher Angriffs. Während Thuram (10 Pflichtspieltore, 8 Vorlagen) sich vor allem als Linksaußen mit enormem Tempo, trickreicher wie physischer Zweikampfführung und seinem starken Abschluss mit dem rechten Fuß optimal einbringen kann, fühlt sich Plea (8 Tore, 6 Vorlagen) in der offensiven Zentrale als zielstrebiger Verwerter im Strafraum am wohlsten. Interessanterweise haben beide jedoch die Fähigkeit, die Position des jeweils anderen adäquat zu bekleiden. Somit führt für Rose kein Weg an dem kongenialen Pärchen vorbei - Verletzungen oder​ absurde Gelb-Rot-Sperren ausgenommen.


Der Kapitän ist wieder an Bord

Lars Stindl

​Lars Stindl kommt wieder in Fahrt


Aufgrund seines Schienbeinbruchs verpasste Lars Stindl (5 Tore, 2 Vorlagen) die gesamte Vorbereitung und große Teile der Hinrunde. Bei seinen folgenden Kurzauftritten zeigte sich, dass der Kapitän noch weit von seinem Leistungsvermögen entfernt war. Mittlerweile hat sich Stindl wieder näher an die Mannschaft gekämpft und konnte mit seinem Doppelpack in Düsseldorf für alten Glanz sorgen. 


Zwar ließe sich für den 31-jährigen in jedem von Rose gewählten System eine Position finden, doch gibt sich Stindl im Bezug auf einen Stammplatz-Anspruch gewohnt bescheiden. "Ich genieße jetzt erst mal, dass ich getroffen habe. Alles andere werden wir sehen", sagte er dem kicker und wurde damit seiner Rolle als Vorbild gerecht.


Der Schweizer Dampfmacher

Breel Embolo,Ozan Kabak

Breel Embolo gegen seinen Ex-Klub Schalke 04 


Der Schweizer Nationalstürmer Breel Embolo (6 Tore, 3 Vorlagen) wurde bei seiner Verpflichtung im Sommer von ​Schalke 04 sehr kritisch beäugt, stand er doch aufgrund schwerer Verletzungen kurz vor seinem Karriereende. Doch die kolportierten zehn Millionen Euro an Ablösesumme waren sehr gut angelegt. 


Bei der Borussia hat der 23-jährige die Rolle des Startelfkandidaten bzw. ersten Einwechselspielers inne, man versucht den mit einer unglaublichen Physis gesegneten Embolo am Niederrhein nicht zu verheizen und auf seinen anfälligen Körper Rücksicht zu nehmen. Auch wenn der Stürmer gerne immer spielen würde, scheint er seine Rolle akzeptiert zu haben - er zeigt sich stets präsent und gibt der Mannschaft nach Einwechslungen regelmäßig einen Schub.


Das Urgestein und der Verkannte

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Die Freunde Jonas Hofmann (l.) und Patrick Herrmann gemeinsam auf dem Feld


Während das Gladbacher Urgestein Patrick Herrmann (6 Tore, 5 Vorlagen) lediglich auf der rechten offensiven Außenbahn zur vollen Geltung kommt, ist der unheimlich vielseitige Mittelfeldspieler Jonas Hofmann (2 Tore, 1 Vorlage) momentan auch im Angriff zu finden. In Leipzig und in Düsseldorf fungierte er als hängende Spitze und auf der eigentlichen Herrmann-Position als erfrischend effektives Element. Je nach gespieltem System wird man des Öfteren auch beide gleichzeitig auf dem Platz sehen - momentan hat Hofmann aber einen kleinen Vorsprung vor Herrmann.


Der Abgang des Maestro 

Raffael

​Raffael zeigt sich entspannt auf der Bank


Für den bald 35-jährigen Altmeister reichte es in dieser Saison bislang nur zu acht Kurzeinsätzen, zu stark und konstant präsentiert sich seine Konkurrenz im Angriff. Nachdem Rose dem sympathischen Edeltechniker in der Schlussphase der Partie in Düsseldorf den ebenfalls in der Versenkung verschwundenen Ibrahima Traore vorzog, tröstete der Trainer den sonst so gut gelaunten Raffael. Auch wenn Rose betont, dass der in die Jahre gekommene Brasilianer noch "jedem Gegner weh tun" kann und "das Trainingsniveau hebt", wird man den verdienten Ballzauberer in der Rückrunde selten bis gar nicht auf dem Platz erleben dürfen - zudem läuft sein Vertrag im Sommer aus.


Konkurrenz belebt das Geschäft

Die Fülle an Roses Auswahlmöglichkeiten für ein gegnerspezifisches Modell im Angriff der Borussia lässt den Kern um Thuram, Plea, Embolo, Herrmann und Stindl in jedem Training um einen Startplatz kämpfen - motivierte Spieler sind somit garantiert. ​Der oft gescholtene Hofmann stieg zu Beginn der Rückrunde mit in den fröhlichen Sechskampf um drei Positionen ein, während Spieler wie Raffael oder Traore wenige Einsatzzeiten bekommen werden.