Mit dem aktuell sechsten Tabellenplatz mitsamt vier Punkten Abstand auf die Champions League Plätze steht der ​FC Schalke 04 bislang deutlich besser da, als man es vor der Saison erwartet hätte. Dennoch machen sich kleine Zweifel an der Reife für Europa breit - weil die derzeit zwangsweise aufspielende "zweite Garde" noch nicht so weit ist?


Blickt man auf die bisher 21 gespielten Spiele der aktuellen Saison zurück, so dürfte man auf Schalke ein insgesamt sehr positives Fazit ziehen. Nach dem letzten Horrorjahr hat man es innerhalb kurzer Zeit geschafft, mit einer jungen Truppe wieder oben anzugreifen. 


Die letzten drei Ligaspiele waren für Königsblau jedoch nicht gut - auch, weil man ​mit Verletzungssorgen kämpft und der eine oder andere Spieler aus der zweiten Reihe noch nicht bereit zu sein scheint für "Mission Europa".

 

Auftritte gegen Paderborn und Hertha als Gegensatz zur starken Hinrunde

Abgesehen von der erschreckend deutlichen Niederlage gegen den ​FC Bayern bereiten vor allem die sieglosen Partien gegen ​Hertha BSC und den ​SC Paderborn ein paar Sorgen. Nicht nur, dass man in den beiden Spielen insgesamt nur ein Tor schießen und keins davon gewinnen konnte, sondern auch die ​Art und Weise des Spiels schien von den starken Spielen der Hinrunde losgelöst zu sein. 


Um es deutlich auszudrücken: Man merkt dem S04 derzeit an, dass ein paar wichtige Spieler ausfallen. Diejenigen, die in den letzten Wochen in die Startelf und in den Kader nachgerückt sind, konnten das Niveau der verletzten Spieler nicht halten. 

Suat Serdar

Der Ausfall von Suat Serdar macht sich im Spiel deutlich bemerkbar



Man muss so ehrlich sein und festhalten, dass ein Suat Serdar in seiner zuletzt enorm starken Form keineswegs durch Alessandro Schöpf ersetzt werden kann. Auch U23-Spieler Timo Becker, der als Rechtsverteidiger die verletzten Jonjoe Kenny und Daniel Caligiuri vergessen machen musste, erledigte zwar einen den Umständen entsprechend guten Job, aber eben nicht auf dem mittlerweile wieder erhofften internationalen Niveau. 


Nun ist es ja nicht ungewöhnlich, dass Ersatzspieler und Reservisten nicht ganz so stark auftreten wie die Stammspieler - das sagen schon die Begriffe aus. Trotzdem war der Leistungsabfall in den beiden Spielen auf den einzelnen Positionen bemerkbar. Sollte am Ende dieser Saison keine Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb stehen, ist das kein Beinbruch für die Knappen. Vor der Saison war das höchstwahrscheinlich ohnehin nicht eingeplant, auch wenn es durch den Verlauf der letzten Monate durchaus ein ernstzunehmendes Ziel sein kann. 


Dennoch muss man feststellen, dass Schalke noch nicht die qualitative Breite im Kader hat, um sich diesen Ansprüchen wieder hingeben zu können. So wichtig eine leistungsstarke erste Elf ist, mit Stammspielern, die sich in guter Form befinden, so wichtig ist es auch, dass die etwaigen Reservisten dieses Niveau gut auffangen können. Dieser Eindruck festigte sich zuletzt nicht.


Vereinsführung sieht Caligiuri-Zukunft kritisch


Diese Kritik darf man jedoch nicht falsch verstehen. Es ist weder ungewöhnlich, noch allzu besonders, dass Königsblau momentan Spieler wie Suat Serdar, Jonjoe Kenny oder nun auch Ozan Kabak nicht eins zu eins auf dem Platz ersetzen kann. Das ist nicht als Vorwurf an den Trainer, nicht an den Sportvorstand und nicht an die Mannschaft zu sehen. 


Aber man muss darauf hinweisen, dass es noch Aufgaben zu erfüllen und Lücken zu schließen gibt, bevor man sich wieder als Spitzenmannschaft der Bundesliga sehen und Europa als Ziel benennen kann. Wie Sportvorstand Jochen Schneider in der Sport Bild zusammenfassend sagte: "Das Ziel muss sein, dass wir uns in der Spitze verbessern, dass wir ​die Qualität des Kaders erhöhen."

Daniel Caligiuri

Dass Caligiuri über den Sommer hinaus auf Schalke bleibt, erscheint unwahrscheinlich



Dazu gehört, dass man sich mit jüngeren Spielern verbessern will. Dementsprechend kritisch steht man einem neuen Vertrag für Daniel Caligiuri gegenüber. Auch der 32-Jährige konnte in dieser Saison - trotz Stammplatz - nicht mehr wirklich überzeugen. Wie die Bild berichtet, würde man ihm nur eine Verlängerung anbieten, wenn er auf ein sattes Drittel seines bisherigen Gehalts verzichten würde (von 2,7 auf 1,8 Millionen Euro). 


Da man davon ausgehen soll, dass Caligiuri den "Zenit seiner Karriere" hinter sich hat, scheint man zukünftig nur noch als Ergänzungsspieler mit ihm zu planen. Derzeit fällt er noch rund sieben bis acht Wochen aufgrund eines Innenband-Teilrisses aus. Kritisch formuliert steht auch er sinnbildlich für die notwendige und frische Ausrichtung - mittel- und langfristige Planungen haben Priorität.