​Nachdem Jordan Torunarigha von ​Hertha BSC beim Pokalspiel auf ​Schalke von Anhängern der Königsblauen mit ​rassistischen Verunglimpfungen bedacht wurde, verhängte das DFB-Sportgericht nun eine ​Strafe in Höhe von 50.000 Euro für den Verein aus Gelsenkirchen - ein schlechter Scherz.


Als der in Chemnitz geborene Torunarigha in der zweiten Hälfte der Partie von Schalker Anhängern mit Affenlauten und weiteren Beschimpfungen angefeindet wurde, standen ihm sogar Spieler der gegnerischen Mannschaft bei. Der DFB und seine Angestellten hingegen scheinen die Sachlage eher als Belanglosigkeit abzutun. Während der Schiedsrichter der Partie Harm Osmers den vom DFB für diese Situationen vorgegeben Leitfaden aufgrund von "fehlendem Kontext" missachtete, zeigt auch die ausgesprochene Strafe des Sportgerichts, dass man sich beim DFB scheinbar dem Ernst der Lage nicht bewusst ist. 


Osmers fehlt der Kontext


Schiedsrichter Osmers wurde vor der Verlängerung der Partie unter anderem von Hertha-Manager Michael Preetz auf die Anfeindungen hingewiesen. Der Leitfaden des DFB sieht für diese Art der Beleidigung einen dreistufigen Ablauf vor: 

1. Der Schiedsrichter lässt den Stadionsprecher per Durchsage​ eine Unterlassung verkünden. 

2. Der Schiedsrichter kann bei anhaltenden Beschimpfungen das Spiel unterbrechen. 

3. Spielabbruch.

Harm Osmers,Jordan Torunarigha

Doch Osmers leitete nicht mal die erste Phase ein, da seiner Meinung nach "der Kontext nicht mehr herzustellen gewesen" sei, zwischen den einige Minuten zurückliegenden Affenlauten und einer folgenden Durchsage des Stadionsprechers. Das Ende vom Lied ist bekannt: Der vorher schon unter Tränen gestandene Torunarigha flog mit Gelb-Rot vom Platz und die Hertha schied aus. Kann man die Aussage Osmers' wohlwollend noch als situative Fehleinschätzung in einem hitzigen Spiel abtun, so ist die milde Strafe für Schalke 04 nicht nachvollziehbar. 


Keine Verhältnismäßigkeit

Abgesehen davon, dass 50.000 Euro dem millionenschweren​ Klub wenig weh tun, darf Schalke 16.000 Euro davon in selbst initiierte Workshops und Plakate investieren - Workshops, die von den Tätern nicht besucht werden, Plakate die belächelt werden. Jedes einzelne Vergehen der Fans im Bereich "Pyrotechnik" wird gleich oder höher bestraft. Ein Böller ist somit dem DFB mehr Strafe wert, als das rassistische Anfeinden von Spielern. Vor allem im Hinblick auf die Gelb-Rote Karte für den Gladbacher Alassane Plea im Spiel bei RB Leipzig und die daraufhin entbrannte Diskussion um "mehr Respekt" und "besseres Miteinander" wirkt die getroffene Maßnahme völlig unverhältnismäßig. 


Sicherlich kann kein Verein jeden einzelnen Stadiongänger vor dem Spiel auf seine Gesinnung oder seinen Pegel testen. Doch im Gegensatz zur Hinausstellung von Plea hätte eine drastische Strafe seitens des DFB in diesem Fall ein sinnvolles Exempel statuiert, da es zwar den Ausgang des Spiels nicht mehr beeinflusst hätte, doch Vereine wie Fans zum überfälligen Umdenken bewegt hätte. Es wäre die Möglichkeit gewesen, ein Urteil mit Signalwirkung zu fällen und dem primitiven Verunglimpfen von Spielern Einhalt zu gebieten. Stattdessen macht man Dienst nach Vorschrift und holt sich keine Probleme ins Haus, man versucht das Thema nicht hochzukochen und hofft auf Einsicht bei den Krawallmachern - ein weiteres Beispiel für das antiquierte Duckmäusertum beim DFB.