Mit seinem überraschenden Rücktritt stürzt Jürgen Klinsmann ​Hertha BSC ins Chaos. Vorerst wird Alexander Nouri die Mannschaft betreuen, einen Nachfolgekandidaten haben die Verantwortlichen noch nicht im Visier. Wer könnte das Klinsmann-Erbe antreten?


Er war gekommen, um die Hertha vor dem Abstieg zu bewahren und auf den rasanten Aufstieg in Richtung internationale Plätze vorzubereiten. Keine drei Monate später hinterlässt Jürgen Klinsmann nichts weiter als verbrannte Erde, nachdem die Hauptstädter wieder in den Tabellenkeller abgerutscht waren​, im Januar aber noch fleißig neues Spielermaterial für etwa 75 Millionen Euro eingekauft haben.


Ein Facebook-Post und die persönliche Verabschiedung von der Mannschaft genügten dem früheren Bundestrainer, der den Verantwortlichen mit seinem Rücktritt vor den Kopf stößt. Klinsmann beklagt mangelndes Vertrauen, nach Informationen von BILD und kicker wollte er so schnell wie möglich Klarheit darüber haben, ​wie der Klub über den Sommer hinaus mit ihm plant. Der Geduldsfaden riss, Klinsmann trat am Dienstagmorgen zurück. Wer wird sein Nachfolger?


Wird Nouri zur Dauerlösung?


Die bisherigen Co-Trainer Alexander Nouri und Markus Feldhoff treten vorübergehend in die Fußstapfen, spieltaktisch dürfte sich also nur wenig ändern. Ob das Duo bis zum Saisonende an der Speerspitze bleiben wird, ist offen und zunächst durchaus möglich. 

FBL-GER-BUNDESLIGA-HERTHA BERLIN-TRAINING

Dafür müssen Nouri und Feldhoff aber den Turnaround schaffen, nachdem der Rückrundenauftakt in die Hose ging. Das erscheint mehr als zweifelhaft, denn spielerisch liefert die Hertha einen Offenbarungseid.


Kommt ein Bundesliga-erfahrener Trainer?


Das Mauern und Umschalten wird dem Potenzial des Kaders nicht gerecht. Einen anderen Ansatz verfolgt Roger Schmidt. Der ehemalige Trainer von ​Bayer Leverkusen ist seit Sommer vereinslos, war zuvor zwei Jahre lang für den chinesischen Erstligisten Beijing Sinobo Guan verantwortlich. Schmidt denkt offensiv, ließ bei seinen vorherigen Stationen teils furiosen Fußball spielen. Mit dem 52-Jährigen könnte die Hertha begeistern; etwas, das sie in den vergangenen Jahren nur selten tat.

Roger Schmidt

   Seit über einem halben Jahr auf Vereinssuche: Roger Schmidt.



Denkbar wären auch die Namen Heiko Herrlich und Bruno Labbadia. Herrlich wurde nach der Hinrunde der vergangenen Saison in Leverkusen entlassen, zu schwankend waren die Ergebnisse, nachdem er die Werkself in seiner ersten Saison stabilisiert und in die Europa League geführt hatte. Die Hertha könnte er ebenfalls stabilisieren und nachhaltig aus der Abstiegszone befreien. Ob er der richtige Trainer für die Entwicklung einer Mannschaft ist, bleibt allerdings abzuwarten.


Labbadia hingegen hat schon mehrfach seine Qualitäten unter Beweis gestellt, zuletzt beim ​VfL Wolfsburg. Allerdings strebt der 54-Jährige nach Höherem, kündigte in der Vergangenheit mehrfach an, nicht mehr nur um den Klassenerhalt spielen zu wollen. Hertha könnte ihn aufgrund der langfristigen Ausrichtung reizen, ob er vorher aber noch einmal den Feuerwehrmann spielen will, darf angezweifelt werden.


Keine großen Namen denkbar - Kovac sagt ab


Doch in diesen Tagen scheint Vieles in Berlin möglich. Warum nicht also gleich einen international erfahrenen Trainer an Land ziehen? Klingt verlockend, aber unrealistisch. Große Namen wie Unai Emery oder Leonardo Jardim dürften ihre Zelte erst dann in der Hauptstadt aufschlagen, wenn Hertha der Big City Club ist, von dem seit Sommer geträumt wird. Die bedrohliche Lage verbietet jedoch wilde Experimente, zu groß ist die Gefahr, sich wieder zu verbrennen. 

Und während man sich womöglich die Frage stellt, ob nicht auch Pal Dardai zurückkehren könnte, wird ein Trainer übereinstimmenden Medienberichten zufolge nicht auf der Trainerbank des Olympiastadions Platz nehmen: Niko Kovac. Wie es heißt, wolle der im November beim ​FC Bayern entlassene Übungsleiter erst zur neuen Saison wieder ins Tagesgeschäft einsteigen.