Mit Ahmed Kutucu hat ​Schalke 04 ein Top-Talent in den Reihen, das als Paradebeispiel für die Nachwuchsarbeit der Königsblauen steht: In Gelsenkirchen geboren, ruhig und bescheiden und auf dem Platz der schnelle, kämpferische und torhungrige Offensivspieler. Unter Trainer David Wagner konnte der 19-Jährige bislang nicht an seinen Aufstieg anknüpfen. Ist der Youngster der enorm wichtige Edeljoker für den richtigen Moment, oder braucht man ihn häufiger in der Startelf?


Wenn man den Rückrundenauftakt gegen ​Borussia Mönchengladbach (2:0) außen vor lässt, sieht man im noch jungen Kalenderjahr eine S04-Mannschaft, der es in der Offensive an Kreativität, Tempo und​ der nötigen Durchschlagskraft mangelt. Am Samstag gegen den ​SC Paderborn sorgte die Einwechslung von Ahmed Kutucu zumindest zwischenzeitlich für frischen Wind - in dieser Zeit erzielte man auch die 1:0-Führung durch den 19-jährigen Youngster.


Kutucu als Instinktfußballer und "stärkster Einwechselspieler"


Dass es am Ende nicht zum Sieg gereicht hat, ärgerte Kutucu. "Die Mannschaft hat immer Vorrang", wird das Eigengewächs auf der Vereinshomepage zitiert. Worte, die klarmachen, dass er auf sein eigenes Tor gerne verzichtet hätte, wenn Schalke im Gegenzug drei Punkte bekommen hätte. Seine Einwechslung in der 57. Minute hatte mal wieder für mehr Aktivität und Frische auf dem Platz gesorgt. Ein Instinktfußballer, so wird er häufiger bezeichnet. Oft stellt sich (nicht nur unter S04-Anhängern) die Frage, ob man weiterhin auf Einwechslungen bauen sollte, oder ob sich der gebürtige Gelsenkirchener nicht schon längst seine Startelfeinsätze verdient hat.

Ahmed Kutucu

Bringt es auf drei Saisontore: Ahmed Kutucu


Darüber entscheidet David Wagner. "Er ist einer unserer stärksten Einwechselspieler, weil er direkt da ist und das Stadion mitnehmen kann", erklärte der Coach bereits Anfang November (via Westfälischer Anzeiger), zu einer Zeit, in welcher der gesetzte Guido Burgstaller seinen Torlos-Rekord ausbauen durfte. Die Rolle von Kutucu war vor allem in diesen Wochen ein zentrales Thema bei Königsblau - seitdem hat es sich etwas abgekühlt. Bislang spielt der 19-Jährige eindeutig die Rolle des Edeljokers. Wagner scheint auf diese Option nicht verzichten zu wollen - eine Option, die "man auch nicht unterschätzen sollte", wie der Fußballlehrer weiter ausführte. 


Steigerungspotenzial beim Pressing


Im gleichen Atemzug merkte Wagner auch an, dass Kutucu noch "extrem viel zu lernen" habe. Damit meinte er vor allem den taktischen Bereich des Verteidigens. Klingt erstmal komisch, doch Wagner will, dass auch die Offensivspieler defensiv arbeiten, gemäß dem Motto: Der Stürmer ist der erste Verteidiger. So scheint dem Übungsleiter zum damaligen Zeitpunkt das Anlaufverhalten im Pressing nicht gefallen zu haben. Burgstaller auf der anderen Seite lobte er damals als "besten Pressing-Stürmer". Dass Kutucu derartige Aspekte aufzuarbeiten habe, sei "aber auch völlig normal", wollte der 48-Jährige zudem betonen.

Ahmed Kutucu

Trägt seit 2011 das Schalke-Trikot: Ahmed Kutucu


In den letzten Wochen arbeitete sich Kutucu jedoch spürbar näher an die Startelf heran. Gegen den ​FC Bayern und den SC Paderborn erhielt er mit jeweils 33 bzw. 34 Spielminuten schon einmal deutlich mehr Einsatzzeiten als dies in der Hinrunde der Fall war. Im Pokalspiel gegen ​Hertha BSC durfte er sogar von Beginn an ran. Der Youngster "leidet" derzeit allerdings unter der guten Form von Benito Raman, der die Rolle des "spielenden Stürmers" übernimmt, während Wagner zuletzt auf einen zweiten, eher großen Partner setzte, der auch Bälle "festmachen" kann, wie es so schön heißt - diese Rolle war Neuzugang Michael Gregoritsch vorbehalten. Allerdings scheint der junge Kicker einer der ganz wenigen im S04-Kader zu sein, der nicht allzu viele Chancen für ein Tor benötigt. Das hat man am vergangenen Wochenende erneut sehen können. 


In der bisher kurzen Zeit auf Schalke hat Wagner jedoch nie den Eindruck gemacht, dass er seine Konzepte und Denkweisen schnell, abrupt oder gar gänzlich ändert. Daher wird sich Kutucu vorerst wohl weiterhin mit der Rolle des Jokers begnügen müssen, obwohl er sich zuletzt als ernstzunehmende Alternative für die Startelf angeboten hat. Seine Unbekümmertheit bezeichnete der Trainer als eine seiner "ganz, ganz vielen Qualitäten". Auch das Nachwuchstalent selbst scheint um die Vorteile seiner Einwechslung zu wissen: "Dadurch habe ich mehr Power."