​Das Viertelfinale im spanischen Pokal brachte am gestrigen Abend zwei weitere Überraschungen. Nachdem am Mittwoch der Zweitligist CD Mirandés auch den nächsten Favoriten (Villarreal) aus dem Rennen geworfen und der bescheidene FC Granada dasselbe gegen den Titelverteidiger aus Valencia bewerkstelligt hatte, flogen am Donnerstag auch noch die beiden Großklubs aus ​Madrid und Barcelona (jeweils gegen baskische Klubs) aus dem Wettbewerb. 


Vor allem das 3:4 der Königlichen im heimischen Bernabéu-Stadion gegen die Real Sociedad aus San Sebastián wirkte wie eine Bombe. Real war zuletzt 21 Pflichtspiele in Folge unbesiegt geblieben, schien unaufhaltsam seinen Weg in Richtung Meisterschaft, Pokal und vielleicht auch in der ​Champions League zu gehen - um dann vom aktuellen Tabellenachten der Primera División quasi abgeschossen zu werden. 0:3 und 1:4 stand es zwischenzeitlich für die Basken. 


Das gut gefüllte Stadion am Paseo de la Castellana wurde ruhig wie eine Besenkammer. Nur die mitgereisten Fans aus dem Norden Spaniens waren zu hören. Zwar wachte Real in den letzten zehn Minuten, und mit dem Mut der Verzweiflung, noch mal auf - doch die Aufholjagd blieb letztlich unvollendet.


"Zidane-Dummheit" kostet Real den Einzug ins Halbfinale


Die Presse ging dann natürlich mit ​Zinédine Zidane hart ins Gericht. Ohne ihm den Status des richtigen Coaches für diese Mannschaft abzusprechen, zeigten sie dennoch mit dem Finger auf den Franzosen. Der Vorwurf: die falsche Mannschaft aufs Feld geschickt zu haben. 


Und tatsächlich fanden sich gestern in der ersten Elf einige Namen wieder, die zuletzt eher außen vor geblieben waren (wie Torwart Areola, Linksverteidiger Marcelo oder der kolumbianische Mittelfeldspieler und Ex-Münchener James). 

James Rodriguez

Auch ihm gelang so gut wie nichts: James



Auch das Fehlen eines zuletzt bärenstarken Casemiro (litt in den Tagen vor dem Spiel an einer Grippe) wurde moniert. In der Summe wohl ein, zwei Wechsel zu viel: Zidane hat sich schlicht und einfach verzockt. Wie es auch die Marca mit einem Wortspiel benannte: "Zidanada!" (was man mit "Zidane-Dummheit!" übersetzen könnte). 


Marcelo mittlerweile weit von seiner Bestform entfernt


Wie sehr die genannten Spieler, vor allem Marcelo, mittlerweile von ihrer einstigen Bestform entfernt sind, zeigten die 98 Minuten (Schiri Mateu Lahoz ließ lange nachspielen) im Bernabéu-Stadion schonungslos auf. 


Zwar erzielte der Brasilianer ein Tor (zum 1:3), doch war seine Seite ein offenes Einfallstor für die Offensive der Basken. Das war eigentlich schon immer einer der Hauptkritikpunkte am Spiel von Marcelo - nach vorne hui, nach hinten pfui. Doch am gestrigen Donnerstagabend war es weder hui nach vorne (trotz seines Treffers) und umso mehr pfui nach hinten. 

Marcelo,Igor Zubeldia

In den sozialen Medien wird Marcelo mittlerweile mit einem der größten Fehleinkäufe der Vereinsgeschichte, Jonathan Woodgate, verglichen - was natürlich bodenlos übertrieben ist. Marcelo mit Woodgate zu vergleichen ist in etwa so bescheuert, wie Friedhelm Funkel mit José Mourinho zu vergleichen. Dennoch: auch in der Marca bekam der Brasilianer sein Fett weg: "Wo er früher noch einen Schalter hatte, um das Licht anzumachen, ist jetzt nur noch Dunkelheit." 


Doch schiebt das Blatt nicht nur ihm die Schuld an dem Pokal-Desaster in die Schuhe - sondern benennt die gesamte Defensive. Auch Nacho (trotz seines Tores zum 3:4-Anschlusstreffer) blieb von der Generalkritik nicht verschont. Und Torwart Alphonse Areola sah beim Führungstor der Gäste durch Odegaard mal ganz alt aus, ließ einen wahrlich nicht supergefährlichen Schuss von Isak (dem früheren Dortmunder) dilettantisch nach vorne abprallen und sich den ebenfalls nicht unhaltbaren Nachschuss des Norwegers durch die Beine schießen. 


Lichtblicke Odegaard und Vinicius Jr


Apropos ​Martin Odegaard: seinen Treffer feierte der Norweger gestern nicht - aus Respekt vor den heimischen Fans. Der Norweger, an die Basken ausgeliehen,  wird im Sommer zurück nach Madrid kehren - und stellte gestern für Marca einen der wenigen Lichtblicke aus Real-Sicht dar. In der Form, in dem sich das einstige Wunderkind des europäischen Fußballs momentan befindet, dürfte er tatsächlich eine echte Verstärkung für den spanischen Rekordmeister werden. 


So wie das brasilianische Juwel Vinicius Jr. sie bereits darstellt. Gestern war der 19-jährige Angreifer der beste Real-Spieler auf dem Platz - und blieb entsprechend von der medialen Schelte in der Hauptstadt verschont.