​Der sympathische Hansi hat dem FC Bayern seine Identität zurückgebracht: Ultra-aggressiv und dominant auf dem Platz, kann der Rekordmeister unter Flick jedem Gegner das Fürchten lehren! Das System Flick hat seine Tücken - setzen es die Spieler aber konsequent um, ist für den Rekordmeister 2020 alles möglich!


Mit einem ​4:3-Sieg gegen Hoffenheim zitterte sich der ​FC Bayern am Mittwochabend ins Viertelfinale des DFB-Pokals. Und das, obwohl die Mannschaft von Trainer Hans-Dieter Flick bereits mit 4:1 geführt hatte und die TSG in Halbzeit eins in allen Belangen dominierte.


Spätestens im zweiten Teil des zweiten Durchgangs aber schaltete das Flick-Team merklich einige Gänge zurück und hatte am Ende durchaus Dusel, dass die Hoffenheimer ihre Chancen nicht konsequent nutzten.


Flick und Kimmich warnen vor Nachlässigkeiten


"Dass wir nochmal so ins Schwimmen kommen, darüber müssen wir reden, das müssen wir analysieren. Das ist ein Weckruf für uns", war Flick im Anschluss nicht einverstanden mit der Leistung seiner Mannschaft zum Ende des Spiels. Joshua Kimmich stimmte seinem Coach zu und wagte bereits einen Ausblick auf das Bundesliga-Spitzenspiel am Sonntagabend: "Vielleicht ist es ganz gut vor dem Leipzig-Spiel, dass wir merken, dass es nicht von alleine geht, sondern dass wir harte Arbeit auf den Platz bringen müssen."


Kimmich trifft dabei den Nagel auf den Kopf: Das Spiel des FC Bayern unter Flick steht und fällt mit der "harten Arbeit auf dem Platz". So war es schon am vergangenen Wochenende in Mainz, als man den Vorsprung nur noch verwaltete und so die Rheinhessen zumindest wieder ins Spiel kommen ließ.

Joshua Kimmich ,


Renaissance der Bestia Negra


Nichtsdestotrotz muss man dem Rekordmeister ein großes Lob aussprechen: Klar, die Schlussphase gegen die TSG war alles andere als souverän. Aber dennoch beschleicht den neutralen Zuschauer das Gefühl, dass die im Ausland so gefürchtete Bestia Negra eine Renaissance erlebt. Denn die Spieler wissen, in den ganz wichtigen und entscheidenden Partien müssen sie ihr Spiel 90 Minuten durchziehen. Dass das möglich ist, zeigte nicht zuletzt der beeindruckende Heimsieg gegen Schalke 04.


Für die Konkurrenz bedeutet das - national wie international -, dass mit dem FCB in diesem Jahr durchaus zu rechnen ist. In der Meisterschaft sind die Bayern schon jetzt wieder auf Kurs und der klare Favorit. Am Sonntag (18 Uhr) kann Flicks Truppe dies gegen RBL untermauern. Und auch in der Champions League könnte einiges möglich sein, sollten die Voraussetzungen in der entscheidenden Phase perfekt sein. Sprich: Die Leistungsträger in guter Form und das Personal fit.


Das System Flick greift: dominante Bayern sind zurück


Zu verdanken hat der FC Bayern das in großen Teilen Hans-Dieter Flick. Nach seinem Aufstieg zum Chef hat es der FCB-Coach innerhalb von kürzester Zeit geschafft, dem Team ein neues Gesicht und auch eine andere Spielidee zu vermitteln - sowohl offensiv wie defensiv.


Kamen die Bayern unter Kovac noch häufig eher passiv daher, ist das Spiel unter Flick das genaue Gegenteil: Mit hohem und aggressiven Pressing und kreativem Offensivspiel erinnern die Bayern an beste Guardiola-Tage - oder wie die meisten Fans wohl noch lieber hören, wie in den besten Jupp-Zeiten!


Im Spiel nach vorne ist der Rekordmeister weggekommen vom starren Spiel, das einzig über die Flügel vorgetragen wurde und nach dem immer gleichen Muster abgelaufen ist. Blickt man allein auf die Anzahl der Treffer in der Bundesliga, ist die Statistik beeindruckend: 58 Treffer hat der FCB erzielt - in 20 Spielen macht das einen Schnitt von 2,9 Tore pro Partie. Eine solche Fülle an Treffern zu diesem Zeitpunkt gelang zuletzt in den 1970er Jahren!


Nun kann man dagegenhalten, dass Flick erst seit dem elften Spieltag im Amt ist. Zur Verdeutlichung: 33 Treffer wurden seither erzielt (3,3 pro Spiel), sieben Tore kassiert (0,7 pro Spiel). Das Torverhältnis unter Niko Kovac: 25 zu 16, also 2,5 Treffer pro Spiel und 1,6 Gegentore pro Partie. Man bedenke dabei auch, wieviele Chancen man unter Flick gerade bei den Niederlagen gegen Leverkusen und Gladbach verballert hatte - die Statistik wäre noch beeindruckender!


Flick leiten Post-Robbery-Ära ein


Und mal ehrlich: Wer denkt derzeit eigentlich noch über die ​Flügelzange Ribery und Robben, die das FCB-Spiel eine Dekade geprägt hat? Was Kovac nicht gelang, hat Flick geschafft: Den Umbruch einzuleiten im Offensivspiel. Dabei hilft ihm natürlich Tormaschine Lewandowski - aber auch in großem Maße Thomas Müller, der wieder Lücken reißt wie in besten Zeiten. Flick hat ihm das Vertrauen geschenkt, Müller zahlt es zurück.


Der wichtigste Aspekt in Flicks Arbeit ist aber nicht das Spiel mit dem Ball, sondern das ohne. Für Bayern-Verhältnisse war das Defensivspiel unter Kovac löchrig, das Team wirkte dabei nicht homogen und häufig sehr nachlässig. Flick legte den Fokus deshalb von Tag eins auf ein ultra-aggressives Pressing, bei dem die gesamte Mannschaft gefragt ist und immer aktiv bleiben muss.


Stabilere Defensive dank Aggressivität


Und siehe da, man bekam sofort den Eindruck, als sei diese Bayern-Elf wieder ein eingeschworener Haufen, der zusammenarbeitet. Das liegt auch an Flicks zwischenmenschlichen Fähigkeiten, seine taktische Arbeit darf aber hier nicht zu kurz kommen. Wenn der FCB will (so wie gegen S04 über 90 Minuten und gegen Hoffenheim im ersten Durchgang), ist es für den Gegner nur sehr schwer, sich aus der bayerischen Umklammerung zu befreien.


Weitere Härtetest werden aber folgen und zeigen, ob das auch gegen noch bessere Gegner funktioniert. Das Topspiel gegen RB könnte weitere Aufschlüsse liefern (Leipzig hat Probleme, wenn der Gegner früh attackiert, siehe erste Halbzeit gegen Gladbach), die wirklichen Härtetests kommen aber in der ​Königsklasse


Chelsea als perfekter Prüfstein für Ambitionen in der Champions League


Und selbst da, ist der ​FC Chelsea im Achtelfinale der perfekte Prüfstein. Die Blues sind eine nicht zu unterschätzende Truppe, haben aber gerade defensiv einige Probleme und sind im Spielaufbau nur selten souverän, wenn der Gegner sie früh anläuft. Flick wird gegen Chelsea beobachten können, wie gut sein Pressing funktioniert und den Spielern damit helfen können, es noch weiter zu verfeinern.

Frank Lampard

Im Achtelfinale muss der FCB gegen das Team von Blues-Coach Frank Lampard ran


Denn eins ist klar, sollte man tatsächlich auch in der Champions League weit kommen und gegen die ganz großen wie Barça, Real Madrid, Juventus und Co. antreten müssen, darf man sich keine Verschnaufspausen und erst recht keine Fehler erlauben. Die werden dann nämlich sofort bestraft (frag nach bei Pep). Schon gegen Hoffenheim in Durchgang eins hat man gesehen, wie gefährlich es wird, wenn die Pressinglinie überspielt ist. In einer bezeichnenden Szene konnte Boateng mit einer riskanten Grätsche noch bereinigen. Insgesamt ist es die Kehrseite der Medaille des ultra-aggressiven Spiels.


Für Flick und sein Team heißt das: Aktuell scheint man national kaum zu stoppen zu sein, international wird die Reifeprüfung erst noch folgen. Sollten die Voraussetzungen stimmen (siehe oben), dann ist für den FCB mit Flick 2020 alles möglich!


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