Nach dem müden 0:0-Remis, das am Freitag zwischen ​Schalke 04 und ​Hertha BSC in der Bundesliga vorausging, brachte die Pokal-Partie sehr viel Redebedarf und eine große Menge an Spannung. Lediglich dem Kampf der Schalker ist die Aufholjagd und der anschließend verdiente Sieg zu verdanken. Ein Kommentar.


Dass die Schalke-Spieler nach sehr langen und äußerst intensiven 120 Minuten Pokalfight noch die Kraft hatten, mit den Fans den Sieg zu besingen und zu betanzen, war schlussendlich überraschend. Immerhin war es nicht nur für die Fans eine nervenaufreibende Partie, sondern auch ein hartes und lange umkämpftes Spiel. 


Eine Partie mit viel Redebedarf: Schalke erneut über weite Teile zu zäh und ungefährlich


Wo soll man anfangen, wenn man über die Begegnung spricht? Ein Spiel, was zahlreiche Facetten, Vorkommnisse und Highlights hatte, sodass man Gefahr läuft, etwas zu vergessen - auch noch am Morgen danach. Zunächst muss man festhalten, dass man den Verlauf der Partie keineswegs mit der am Freitag vergleichen konnte. Berlin mischte aktiv mit, war in der ersten Hälfte auch die klar bessere und effektivere Mannschaft. S04 zeigte erneut Probleme beim Kreieren von Torchancen: Zu wenig tiefe Läufe, zu wenig Kreativität, zu wenig Tempo. Aspekte, die man bereits im ersten Duell vergangene Woche vermissen ließ. Das 0:1 in der 12. Minute, sowie das 0:2 in der 39. waren schlicht verdient. 

Krzysztof Piatek


David Wagner sagte nach dem Spiel auf der Pressekonferenz überraschend, er sei mit der ersten Halbzeit "sehr zufrieden" gewesen, weshalb man das Spiel so fortsetzen und auf den Anschlusstreffer hoffen wollte. In Halbzeit zwei zeigte sich die Alte Dame zwar deutlich weniger aktiv, doch wusste Schalke weiterhin wenig mit dem Ball anzufangen. Ozan Kabak, der in der Pause für den anscheinend angeschlagenen Jean-Clair Todibo kam, stabilisierte die Innenverteidigung ungemein. Er gewann nicht nur 100 Prozent seiner Boden- und auch 60 Prozent seiner Luftzweikämpfe, sondern konnte auch mit 95 Prozent Passgenauigkeit, und sieben von sieben angekommenden langen Bällen für einen guten Spielaufbau sorgen. Auch wenn er in der Summe nur 75 Minuten gespielt hat, war er doch einer der wichtigsten Akteure auf dem Platz. 


Dass ausgerechnet Daniel Caligiuri am Anschluss- und Ausgleichs-Treffer direkt beteiligt war (Tor und Vorlage), war vorher ebenfalls nicht abzusehen. Nach einer schlechten ersten Hälfte besserte er sich zwar in den zweiten 45 Minuten, doch auch dort konnte er bis zu seinem Tor in der 76. Minute nicht wirklich überzeugen. Wie der Rest der Mannschaft kämpfte er jedoch für den Ausgleich, den man sich dann auch verdiente.


Dazu muss man auch großen Respekt an Weston McKennie zollen. In der 60. Minute (zusammen mit Benito Raman) eingewechselt, schien er sich wenig später verletzt zu haben. Aufgrund der fehlenden Wechselmöglichkeit biss er jedoch bis zum Schluss die Zähne zusammen und half, wo es nur ging. Auch Juan Miranda, Wagners vierter Wechsel (in der Verlängerung) brachte neue Energie ins Spiel. Mit seinem schnellen und offensiven Spiel konnte er nicht nur für Spielkontrolle und Tempo sorgen, sondern in der 115. Minute auch die 3:2-Führung auf Raman einleiten. Die Wechsel von Wagner waren in der Nachbetrachtung allesamt richtig, sowohl vom Timing, als auch personell.


Rassismus-Vorfälle gehören konsequent bestraft - Schalker Kraftakt wird belohnt


Dass man nach der 0:5-Klatsche gegen ​Bayern München und dem ernüchternden 0:0 so eine Willensleistung zeigt, ist der Mannschaft hoch anzurechnen. Nichtsdestotrotz muss man auch einen kritischen Umgang mit dem Spiel pflegen. An erster Stelle gilt es, die Rassismus-Vorfälle zu verurteilen. ​Berlins Jordan Torunarigha soll mit Affenlauten beschimpft worden sein. Auch die Rote Karte für David Wagner birgt Gesprächspotenzial. 

FBL-GER-CUP-SCHALKE-HERTHA BERLIN


Auf das Spiel an sich bezogen muss man jedoch festhalten, dass Schalke spielerisch erneut weit unter den Möglichkeiten und mittlerweile gewachsenen Ansprüchen zurückgeblieben ist. Es gab abermals zu wenig klare Torchancen, ein zu fehlerhaftes Aufbauspiel mit zu wenig Bewegung. Angesichts des Weiterkommens und der darauf zurecht folgenden Euphorie darf das nicht unter den Tisch fallen - wenn man in der Rückrunde nicht langsam aber sicher abrutschen, sondern sich oben halten möchte, muss dort ein Umschwung her. Dass man das forcierte und erlernte Umschaltspiel nicht jedes Mal nutzen kann, vor allem gegen sehr defensive und kaum aktive Mannschaften, muss jedem klar sein.

Alles in allem wird der Sieg auf der einen Seite neue Kräfte freisetzen und das Vertrauen etwas zurückgebracht haben. Auf der anderen Seite hat man viele Körner gelassen. Daniel Caligiuri scheint schwerer verletzt zu sein. Bei McKennie sah es ebenfalls nicht gut aus, und auch Todibo musste vorzeitig ausgewechselt werden. Suat Serdar sieht einem Einsatz am Samstag gegen den ​SC Paderborn zwar positiv entgegen (via Andreas Ernst - Twitter), doch auch das scheint noch nicht sicher zu sein. Man wird das Positive aus dem Spiel nehmen müssen, und zusammen mit erneut negativen Aspekten aufarbeiten müssen. Die Leichtigkeit fehlte zuletzt - dafür stimmte am Dienstagabend der Kampf und der Spirit.


Die Highlights der Partie im Video:



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