​Jogi Löw wird heute 60 Jahre alt. Der immer ein wenig kauzig daherkommende Schwarzwälder hat mit der deutschen Nationalmannschaft große Erfolge gefeiert und sie - mit Ausnahme von Russland 2018 - bei jedem Turnier mindestens bis ins Halbfinale gehievt. 


Somit steht Löw in allererster Linie für Erfolg. Und das schon seit seinem ersten wichtigen Turnier, dem Sommermärchen von 2006. Teamchef Jürgen Klinsmann war damals zwar der Mann für das Öffentliche und offiziell der Hauptverantwortliche für das (unerwartet) gute Abschneiden der "Mannschaft" bei der Heim-WM, doch schon damals erledigte die taktische Feinarbeit dessen Asisstent, Joachim "Jogi" Löw. 


Sein Debüt als Alleinverantwortlicher (obwohl natürlich auch er auf einen großen Mitarbeiter-Stab zurückgreifen kann) gab Löw dann im August 2006, mit einem 3:0 gegen Schweden. 


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Schweden spielte zweimal Schicksal


Überhaupt spielte Schweden irgendwie immer ein wenig Schicksal in der Bundestrainer-Karriere des Joachim Löw. Die Skandinavier waren es nämlich, die vielleicht erst dafür sorgten, dass eine hochtalentierte Generation deutscher Fußballer auch den notwendigen Lernprozess durchmachte, an dessen Ende sie den Weltpokal in den Abendhimmel von Rio de Janeiro stemmen konnte. Das 4:4 von Berlin im Herbst 2012 (nach 4:0-Führung!!!) sorgte dafür, dass gut eineinhalb Jahre vor der WM in Brasilien nochmal alles auf den Prüfstand geriet - und wurde somit (im Nachhinein) vielleicht zum entscheidenden Weckruf zur rechten Zeit.  


Schweden war allerdings auch das Symbol für den absoluten Tiefpunkt der Bundestrainer-Karriere des Jogi Löw. Obwohl gegen diesen Gegner ein Sieg gelang. Doch am fatalen Gesamteindruck des verkorksten Turniers von Russland 2018 konnte freilich auch der glücklich zustandegekommene 2:1-Last-Minute-Sieg gegen die Nordeuropäer nichts mehr ändern.


Dennoch wird Löw als einer der erfolgreichsten Bundestrainer der DFB-Geschichte in die Annalen dieses Sports eingehen. Einen WM-Titel hat er schon, den EM-Titel, der dieses Jahr vergeben wird, hat er im Blick. Und selbst wenn der kontinentale Triumph nicht gelingen sollte, was angesichts der starken Konkurrenz durchaus im Bereich des Möglichen liegt - mit einer Siegquote von 64,6 Prozent (bei 181 Länderspielen insgesamt) liegt "Jogi", wie er von allen (außer seinen Spielern) nur genannt wird, dicht hinter Jupp Derwall (65,7 Prozent) und Berti Vogts (64,7 Prozent). Und bei den noch zu erwartenden Spielen, die er mit Deutschland bis mindestens 2022 noch absolvieren wird, dürfte wohl noch der eine oder andere Sieg hinzu kommen. 


Natürlich war in nunmehr vierzehn Jahren nicht alles Gold, was glänzte. Krisenmanagement musste Löw vor allem 2012 (nach dem dilettantisch verlorenen EM-Halbfinale gegen Italien), 2016 (als man eigentlich die beste Mannschaft des Turniers war und an einer nicht überragenden Gastgebermannschaft von Frankreich unnötig scheiterte) und natürlich 2018 betreiben. 


Nach Russland zeigte Löw ein neues Gesicht


Vor allem nach der WM in Russland wurde ihm mangelnde Konsequenz und fehlende Autorität bescheinigt. Zu lange habe er an den Alteingesessenen festgehalten und sich selbst auch irgendwie in einer Konfortzone eingerichtet. 


Die verließ Löw jedoch schnell, als die Kritik auf ihn einprasselte - und sorgte mit der "Entlassung" des Bayern-Trios Boateng, Hummels und Müller für wochenlange Schlagzeilen. 

​Mittlerweile ist die Endgültigkeit dieser Entscheidung auch schon wieder etwas relativiert, was Löw aber keineswegs als Schwäche ausgelegt werden sollte. Vielmehr beweist sie, dass er in den letzten Jahren wohl auch an Flexibiliät gewonnen hat. Was der Mannschaft am Ende nur zugute kommen kann.


Wenn alles normal läuft, steht Löw vor den letzten beiden Jahren seiner Karriere als Bundestrainer. Das EM Turnier 2020 wird er mit Sicherheit betreuen, die Winter-WM 2022 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Doch unabhängig vom Abschneiden der deutschen Mannschaft bei diesen anstehenden Großereignissen, ist Löw bereits in die Ahnengalerie der erfolgreichsten deutschen Nationaltrainer aufgenommen worden. 


Löws Erfolge mit der DFB-Elf


JahrTurnier​Platzierung​
​2008​EM​Vize-Europameister
​2010​WM​3. Platz
​2014​WM​Weltmeister
​2017​Confed-Cup​Sieger