Nach der klaren 0:5-Niederlage des ​FC Schalke 04 beim ​FC Bayern muss man am nächsten Wochenende wieder überzeugen, einige Aspekte müssen verändert werden. Auch die Innenverteidigung könnte ein Teil dieser Anpassung sein, Neuzugang Jean-Clair Todibo wartet auf sein Pflichtspiel-Debüt. Könnte es gegen ​Hertha BSC soweit sein?


Bevor man auf das nächste Auswärtsspiel der Schalker am kommenden Freitagabend blickt, muss man sich nochmal der ​eindeutigen und verdienten Niederlage in München widmen. Dort trat die gesamte Mannschaft schon fast verängstigt auf, durch alle Teile des Teams war zu wenig Gier, zu wenig Mut und zu wenig Leidenschaft zu spüren - also fehlte all das, was die Knappen in der bisherigen Saison so stark machte. 


Einem einzelnen Mannschaftsteil also eine größere Schuld für die Niederlage zuzusprechen als anderen, würde keinen Sinn ergeben. Und trotzdem ist etwas Rotation zum nächsten Freitag natürlich nicht ausgeschlossen. 


Todibo-Debüt für Schalke geht wohl nur über Nastasic


Ozan Kabak, schon seit ein paar Monaten auf sehr gutem sowie souveränem Niveau unterwegs, lief zusammen mit dem wieder genesenen Matija Nastasic in der Innenverteidigung auf. Jean-Clair Todibo, der sich bereits ​Hoffnungen auf sein Debüt gegen den Rekordmeister machte, musste bei der Demontage von der Bank aus zusehen. 


Wenn es am 20. Spieltag auswärts gegen die Hertha geht, wird er sicherlich erneut auf seinen ersten Pflichtspieleinsatz für seinen neuen Verein brennen - doch wie wahrscheinlich ist das eigentlich?

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Gemäß dem Fall, dass der 20-Jährige tatsächlich in die Startelf rücken sollte, wird dies wohl nur im Austausch mit Nastasic passieren. Kabak ist seit Wochen schlicht zu wichtig und beständig, als dass man ihn - wenn auch nur vorübergehend - auf die Bank setzt. Nastasic ist zwar ebenfalls ein guter und auch souveräner Innenverteidiger, doch kommt er eher für einen Wechsel infrage als Kollege Kabak. 


Nun muss man sich zunächst fragen: Wieso sollte S04-Coach David Wagner die Abwehr umstellen? Anlass würde zunächst nur die Niederlage gegen die Bayern geben. Gegen ​Borussia Mönchengladbach lieferte sein Team schließlich durch die Bank weg einen sehr guten Job ab. 


Wie bereits thematisiert kann man bei keinem einzelnen Spieler die Schuld für die Deutlichkeit des Spiels suchen, also auch nicht in der Abwehrzentrale. Das etwaige Todibo-Debüt in Berlin wäre also höchstens als Zeichen der symbolischen Veränderung im Gegensatz zum vergangenen Wochenende, im Einklang mit einer herausragenden Trainingswoche seitens des jungen Franzosen. In einem geheimen Testspiel gegen Preußen Münster hat er sein Können bereits unter Beweis stellen dürfen.


Wagner bei Startelf-Personalien bislang eher zurückhaltend


Bislang schien Wagner solche Entscheidungen jedoch nicht zu treffen. Leihspieler Juan Miranda wartete Monate, bis er (gezwungenermaßen) zu seinem ersten Einsatz kam, wobei es mehrmals vorher möglich gewesen wäre, ihn ins Spiel zu werfen. Dazu hielt er eine gefühlte Ewigkeit an Guido Burgstaller als Startelf-Kandidat fest und neigte auch nicht zu Schnellschüssen, als Ozan Kabak einsatzbereit war, während Benjamin Stambouli und Salif Sané einen tollen Job erledigten. 


Einen Spieler in die Startelf zu stellen, "nur" weil er fit, einsatzbereit und gierig auf die ersten Minuten im Schalke-Trikot ist, wäre wohl gegen den Stil des Trainers. Es müsste intern bestimmte und beachtliche Gründe geben, die für diesen Wechsel sprechen würden, damit er auch vorgenommen wird - die Leistung im Training oder der Fitnesszustand der Konkurrenten sind derartige Aspekte.

Jean-Clair Todibo

Zusammenfassend kann man also sagen, dass sich Todibo wohl weiter gedulden muss. Aktionismus gehörte bisher nicht zum Wortschatz Wagners, sodass es beträchtliche Gründe für diesen Tausch geben müsste. Früher oder später wird auch er seine Einsätze bekommen, so viel ist sicher. 


Das Innenverteidiger-Talent wird bei der Suche nach einem Leih-Klub darauf geachtet haben, dass er Spielpraxis sammeln, oder gar über den Sommer hinaus bleiben kann. Wäre ihm so etwas auf Schalke nicht in Aussicht gestellt worden, würde er nun eher nicht das königsblaue Shirt tragen. Blickt man auf die Kader-Entscheidungen der letzten Monate, wird allerdings vermutlich noch etwas Geduld gefragt sein - sowohl bei den Fans, als auch bei Todibo selbst. 


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