Zum Rückrundenstart präsentiert sich der FC Bayern München wieder in starker Verfassung. Auf sehr gute 45 Minuten bei Hertha​ BSC folgte ein dominantes Spiel gegen den FC Schalke, das die zurückgewonnene Angriffslust unter Hans-Dieter Flick noch einmal verdeutlicht hat. Der Rückstand auf RB Leipzig beträgt nur noch einen Punkt, im direkten Duell am 21. Spieltag könnte der Rekordmeister vorbeiziehen. 


Mit Blick auf alle drei Wettbewerbe ist für die Münchner alles drin, wenn...


...die Leistungsträger gesund bleiben

Thiago,Coutinho

In der Vorweihnachtszeit hatte der FC Bayern mit einem extremen Verletzungspech zu kämpfen, was Flick dazu veranlasste, öffentlich Druck auf die Klubführung auszuüben und die Verpflichtung von mindestens einem Neuzugang voranzutreiben. 


Vor dem Rückrundenstart kehrten Robert Lewandowski und Serge Gnabry zurück, auch Corentin Tolisso ist wieder mit an Bord. Lucas Hernández befindet sich im Mannschaftstraining, ​Kingsley Coman und Javi Martinez haben indes das Lauftraining wieder aufgenommen. Mit Niklas Süle hat Flick weiterhin einen langfristigen Ausfall in der Defensive zu beklagen, die ​Verpflichtung von Álvaro Odriozola lässt den 54-Jährigen aber mit Sicherheit wieder ruhiger schlafen.


Wichtig wird sein, Verletzungen in der entscheidenden Phase der Saison vorzubeugen. Wenn alle Leistungsträger fit bleiben und eine erneute Verletztenmisere vermieden wird, kann der FC Bayern auch in den kommenden Monaten auf allen drei Hochzeiten mittanzen.


...man effizient vor dem Tor bleibt

Robert Lewandowski

Die plötzliche Abschlussschwäche war einer der vielen Punkte, die vor der Winterpause beim FC Bayern diskutiert wurden. Zahlreiche Chancen wurden plötzlich liegen gelassen, das rächte sich unter anderem bei der 1:2-Niederlage gegen ​Borussia Mönchengladbach


Gegen Hertha und Schalke haben sich Robert Lewandowski & Co. aber eindrucksvoll zurückgemeldet. Neun Tore hat der Rekordmeister in den ersten beiden Rückrundenpartien erzielt, liegt damit knapp hinter Borussia Dortmund (zehn Tore). Mit insgesamt 55 Treffern stellt Bayern aber die gefährlichste Offensive der Liga, in der Gruppenphase der Champions League erzielte die Mannschaft 24 Tore. Flick wird weiter daran arbeiten müssen, dass die Effizienz vor dem Tor hoch bleibt; in den entscheidenden Spielen war dies mitunter das größte Manko.


...die Stimmung im Team hochgehalten wird

Benjamin Pavard,Jann-Fiete Arp,Dr. Holger Broich,Philippe Coutinho

Noch heute schwärmt Jupp Heynckes vom Mannschaftsgeist, den er in der Triple-Saison 2012/13 spürte. Jeder einzelne Spieler wurde von den drei Vize-Plätzen in der Vorsaison angetrieben, arbeitete ehrgeizig daraufhin, diesmal sämtliche Pokale abzuräumen. Selbst Franck Ribéry und Arjen Robben lernten plötzlich das Verteidigen und machten viele Meter nach hinten, ohne ihre Aufgaben im Angriffsspiel zu vernachlässigen.


Viel wichtiger aber war, dass sich jeder in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Selbst die Ersatzspieler wählten kaum kritische Töne, stattdessen half sich jeder gegenseitig und arbeitete unter der Woche daran, am Spieltag aufgestellt zu werden. Unter Niko Kovac gab es dagegen immer wieder rege Kritik. Sei es James Rodriguez oder Thomas Müller, die aufgrund mangelnder Einsatzzeiten unzufrieden waren oder Joshua Kimmich, Manuel Neuer und Robert Lewandowski, die die Saisonziele in Gefahr sahen. 


Flick wiederum pflegt ein gutes Verhältnis zur Mannschaft, bringt nicht nur eine klare Vorstellung vom Fußball mit, sondern auch den nötigen Sachverstand im Umgang mit den Stars. Wie eine Mannschaft erfolgreich geführt werden kann, hat er während seiner Zeit als Assistenztrainer bei der deutschen Nationalmannschaft gelernt. Das hilft ihm enorm dabei, die Stimmung hochzuhalten. 


Die Spieler schwärmen regelmäßig von ihm, auch der Vorstand registriert die zwischenmenschlichen und sportlichen Entwicklungen. Noch wichtiger als die Leistungen individueller Spieler ist das Mannschaftsgefüge; und unter Flick wirkt der FC Bayern wieder wie eine Einheit.


...Flick sich selbst treu bleibt

FBL-GER-BUNDESLIGA-HERTHA BERLIN-BAYERN MUNICH

Als Not am Mann war und der FC Bayern nach einem neuen Trainer suchte, sprang Flick in die Bresche. Erst bekam der im Sommer verpflichtete Co-Trainer zwei Spiele, danach wurde ihm die Mannschaft bis zum Ende der Hinrunde anvertraut - mittlerweile sogar bis Saisonende und unter Umständen auch darüber hinaus.


Flick hat die Mannschaft nicht nur fußballerisch weiterentwickelt und wieder zu einer Einheit geformt, sondern auch sein eigenes Profil geschärft. Er ist herausgetreten aus dem Schatten des Co-Trainers, steht nun selbst in der ersten Riege und will künftig nicht mehr ins zweite Glied rücken. Er weiß um seine Chance und ist sich ebenso bewusst, dass er liefern muss.


Deshalb​ sprach er in Katar vor der Mannschaft von den hohen Zielen, die er verfolgt. Flick ist extrem ehrgeizig, spricht Dinge, die ihn stören - wie die zögerliche Kaderplanung - auch öffentlich an, wenn es sein muss. Das mag nicht immer die feine englische Art sein, aber er steht damit für seine Ziele ein. Auf diese Weise ist ihm die Cheftrainer-Rolle auch langfristig zuzutrauen, bisher hat er seine Aufgaben mit Bravour erledigt. Macht er so weiter, wird der Rückstand auf die europäischen Spitzenklubs wieder geringer.