In aller Deutlichkeit forderte Bayern Münchens Trainer Hans-Dieter Flick zwei Neuzugänge in der laufenden Transferperiode. Den gewünschten Rechtsverteidiger hat der 54-Jährige erhalten, nach der Verpflichtung von Álvaro Odriozola sieht es allerdings nicht danach aus, als würde sich ein weiterer Transfer anbahnen.


"Wir brauchen auf jeden Fall noch Verstärkung", wurde Flick vor fast drei Wochen, als die Münchner noch zur Vorbereitung auf die Rückrunde in Katar weilten, gegenüber der Süddeutschen Zeitung deutlich.​ "Ich denke da an mindestens zwei Spieler - auf jeden Fall einen für die Defensive und vielleicht auch für die offensive Außenbahn."


Der neue Defensivmann heißt Álvaro Odriozola, mit Real Madrid einigten sich die Münchner auf ein Leihgeschäft bis Saisonende. Im Sommer wird das Thema vermutlich wieder aufkommen; unabhängig davon, ob Odriozola einschlägt oder sich lediglich als gute Ergänzung für die Breite erweist. Denn Flick, der immer mehr Pluspunkte für einen Verbleib über die Saison hinaus sammelt, machte beim 5:0 gegen den FC Schalke einmal mehr deutlich, wie er mit dem Personal plant.


Einen weiteren Flügelspieler hat er allerdings noch nicht erhalten. Immerhin kehrte Serge Gnabry pünktlich zum Auftakt gegen Hertha BSC in den Kader zurück und wird, wenn alles nach Plan läuft, schon bald wieder von Anfang an spielen können. Sorgen bereitet einzig der Gesundheitszustand von Kingsley Coman, der in der vergangenen Woche ins Lauftraining einsteigen konnte. 


Wieso Flick noch einen Neuzugang forderte


Gnabry und Coman stehen für Tempo und Dynamik, sind am Ball technisch versiert und scheuen kein Eins-gegen-eins. Die Stellvertreter Ivan Perisic und Thomas Müller wirken vergleichsweise hüftsteif, bestechen eher mit Spielintelligenz (Müller) und Körperlichkeit (Perisic). Flick hat offenbar einen Weg gefunden, um Müller auf dem Flügel zu entlasten und ihn während des Spiels in einer zentraleren Rolle aufblühen zu lassen, aber der Wunsch nach einem weiteren Flügelspieler resultiert unter anderem aus den oben genannten Defiziten; und womöglich auch daraus, dass Philippe Coutinho, der ebenfalls die Außenbahn bekleiden kann, noch immer nicht in München angekommen ist.


Keine Transfers in Sicht


​Die Mannschaft soll sich für Ex-Spieler Douglas Costa stark gemacht haben, wie Sport Bild berichtete. Laut Sky Sport denke der Brasilianer aber nicht an eine Rückkehr nach München, zudem wolle Juventus Turin den 29-Jährigen nicht ziehen lassen. Und wie bei den Transfers von Perisic, Coutinho und Odriozola wäre lediglich ein Leihgeschäft in Frage gekommen, um die Planungen für den kommenden Sommer nicht in Gefahr zu bringen. 

Wie Sport Bild erst vor wenigen Tagen meldete, ist ohnehin davon auszugehen, dass bis zum Transferschluss am 31. Januar nichts mehr passiert. Das betrifft sowohl Zu- als auch mögliche Abgänge. In den vergangenen Wochen wurde wieder einmal über einen Abschied von Jerome Boateng spekuliert, Flick machte sich allerdings für den Innenverteidiger stark - die Leistungen gegen Hertha und Schalke gaben dem 54-Jährigen recht. 


Sobald Odriozola ein Kandidat für die Startformation und auch Lucas Hernández wieder einsatzfähig ist, dürfte es wieder eng für den Weltmeister von 2014 werden. Aufgrund der Verletzungsanfälligkeit von Hernández, der sich erst einmal mit guten Trainingsleistungen herankämpfen muss, wäre es jedoch fahrlässig, Boateng ersatzlos ziehen zu lassen.


Die Personalsituation bessert sich


Ohnehin lichtet sich das Lazarett in diesen Tagen. Corentin Tolisso etwa stand gegen Schalke erstmals seit dem 14. Spieltag wieder auf dem Platz, der Mittelfeldspieler erweitert die Möglichkeiten für Flick im Mittelfeld und auf der Bank. Mit Ersatztorhüter Sven Ulreich, Neuzugang Odriozola, Coutinho, Gnabry, Tolisso sowie Mickael Cuisance und Joshua Zirkzee hatte der Cheftrainer mehr Spielraum als noch vor dem Ende der Hinrunde. Am 17. Spieltag etwa saßen mit Zirkzee, Leon Dajako, Lars Lukas Mai, Sarpreet Singh und Oliver Batista Meier gleich fünf Nachwuchsakteure auf der Bank. 


Salihamdizic muss im Sommer liefern


Spätestens mit der Rückkehr von Coman wäre ein vierter Flügelspieler überflüssig, zumal die Verantwortlichen noch immer mit einem Sommertransfer von Leroy Sané liebäugeln. Auch Kai Havertz steht noch immer auf dem Wunschzettel der Münchner, die mit prall gefülltem Geldbeutel auf dem Transfermarkt angreifen wollen. 

Auch, um die Möglichkeiten nicht zu schmälern, hat man sich nach Sanés Kreuzbandverletzung für einen Sparkurs und die damit verbundenen Leihgeschäfte entschieden. Und selbst, wenn sich die beiden anvisierten Transfers zerschlagen sollten, hätte der Klub noch immer genügend Geld, um sich kräftig zu verstärken. Gleichzeitig ist Hasan Salihamidzic, der im Juli zum neuen Sportvorstand aufsteigt, gefordert; denn schon vor seiner Zeit hat der Klub den Umbruch verschlafen. Der erste Schritt wurde bereits getan, der nächste muss allerdings im Sommer folgen.