Im ersten Heimspiel des neuen Jahres offenbarte der BVB ein völlig anderes Gesicht als vor einer Woche. Die Schwarz-Gelben lieferten gegen den 1. FC Köln eine souveräne Vorstellung, stoppten die Siegesserie der Domstädter mit einem ​5:1-Erfolg und stachen über 90 Minuten sowohl mannschaftlich als auch individuell heraus.


So macht Fußball in Dortmund wieder Spaß​. Mit einer dominanten Vorstellung behielt der BVB die drei Punkte am Freitagabend im eigenen Stadion, Trainer Lucien Favre war mehr als zufrieden (zitiert via ​kicker): "Wir hätten noch mehr Tore schießen können, hatten viele gute Gelegenheiten. Es war hochverdient."


14 Torschüsse hatte seine Mannschaft an der Zahl, schon nach 52 Sekunden wurden die Weichen auf Sieg gestellt. Raphael Guerreiro ließ sich die Chance nach Vorlage von Jadon Sancho nicht nehmen, bestätigte mit dem 1:0 seine aufsteigende Form. Der Portugiese hat Nico Schulz auf der linken Außenbahn verdrängt, bestätigt allen voran seine offensiven Qualitäten, die im derzeitigen 3-4-3 eher gefragt sind als noch im 4-2-3-1. Der spätere Assist zum 4:1 war die dritte Torbeteiligung in den letzten drei Spielen für Guerreiro, der immer unverzichtbarer wird.

Marco Reus

   Nach einigen mageren Vorstellungen gehörte Marco Reus wieder zu den besten Akteuren auf dem Platz



Doch auch Marco Reus erwischte endlich wieder einen Sahnetag. Der Kapitän, der nach den zahlreich vergebenen Chancen beim 5:3 gegen den FC Augsburg in die Kritik geraten war, erhöhte nach 29 Minuten auf 2:0. Vorausgegangen war ein traumhafter Pass von Mats Hummels, der seine Qualitäten im Aufbauspiel eindrucksvoll unter Beweis stellte und die geballte Offensiv-Power aus 30, 40 Metern Entfernung regelmäßig ankurbelte. 


Nicht nur individuell, auch als Mannschaft überzeugte der BVB. Sichtlich beflügelt vom frühen Führungstor ließ Schwarz-Gelb selten etwas anbrennen, bestätigte allen voran die akribische Arbeit an der Defensive. Viel bekam Roman Bürki am Freitagabend wahrlich nicht zu tun, doch wenn der Schweizer gefordert war, war er - wie so häufig in dieser Saison - zur Stelle. Zweimal glänzte er gegen Mark Uth, dessen Treffer zum 3:1 er in der 64. Minute nicht verhindern konnte, einmal gegen Jhon Cordoba. Solch ein Rückhalt lässt den ein oder anderen Fehler in der Entstehung einer Torchance verzeihen. 


Haalands Traum


Und dann wäre da noch Erling Haaland. "Wenn er gerade seinen Traum lebt, wollen wir ihn nicht aufwecken", so Sportdirektor Michael Zorc über den Neuzugang, der in gerade einmal 57 Einsatzminuten sagenhafte fünf Tore erzielen konnte (zitiert via kicker).  "Er ist unheimlich ehrgeizig und will im Training jedes Tor machen, das möglich ist. Er ärgert sich unheimlich, wenn er eine Chance nicht nutzt."

Erling Braut Haaland

Geglückte Heimpremiere und neuer Rekord - Erling Haaland ist wieder einmal in aller Munde



Von allen Seiten erhält der 19-jährige Norweger ein großes Lob nach dem anderen, auch Lucien Favre konnte nicht anders, als seine Leistung zu würdigen: "Erling Haaland hat heute sehr wichtige Tore gemacht. Das 4:1 hat quasi den Sieg für uns bedeutet. Er macht das sehr gut. Merci beaucoup." Haaland selbst schweigt öffentlich, konzentriert sich lieber auf die Arbeit auf dem Platz - und hilft der gesamten Mannschaft dabei, wieder in die Spur zu finden.


BVB in der Spur - spielerisch wie mental


Nach turbulenten Partien gegen Leipzig, Hoffenheim und Augsburg wehte wieder ein Hauch aus der Hinrunde der vergangenen Saison durch den Signal-Iduna-Park. Mit dieser stabilen Defensive, Ballkontrolle, einer hohen Passgenauigkeit und dem kurz gebundenen Kombinationsspiel über die Außen und durchs Zentrum ist Dortmund längst nicht aus dem Titelrennen ausgeschieden. 


Nichtsdestotrotz erwiesen sich die Kölner als dankbarer Gegner. Wie schon vor einer Woche mussten sich die Verantwortlichen über den verschlafenen Anfang ärgern, auch in der Folge war wenig von der erwarteten Aggressivität und Kompaktheit zu sehen. Stattdessen ließ Dortmund Ball und Gegner durch die verhältnismäßig großen Räume locker laufen.

Ungeachtet der Abwehrprobleme gegen Augsburg startet der BVB mit sechs Punkten und zehn erzielten Toren in die zweite Saisonhälfte. Das gibt mächtig Selbstvertrauen für die kommenden Spiele, in denen Union Berlin, Werder Bremen im DFB-Pokal und Bayer Leverkusen warten. 


Die mangelnde Konstanz ist allerdings das größte Manko, an dem Favre und sein Trainerteam arbeiten müssen. Mit Hilfe der gesammelten Erkenntnisse wird der 62-Jährige auch in den kommenden Trainingseinheiten daran arbeiten, die Abwehr zu stabilisieren und seinen Spielern das Kontrollieren eines Fußballspiels beizubringen. Gepaart mit der extremen Torgefahr, die mit Haaland, der bald auch von Anfang an spielen darf, noch größer wird, klingt das nach einem äußerst gefährlichen Gegner für nahezu jede Mannschaft.