Beim ​FC Bayern ist derzeit fast alles auf den kommenden Sommer ausgerichtet. Dann will man an der Säbener Straße am liebsten mehr als nur einen richtigen Hochkaräter präsentieren. Doch die derzeitige Ausrichtung von Sportdirektor Hasan Salihamidzic erweckt den Eindruck, dass bei den Münchenern derzeit nicht alles einem genauen Plan zu folgen scheint. 


In München war man stolz auf sich. Jedenfalls war man am Ende des letztjährigen Sommers nach außen hin bemüht, eben diesen Eindruck zu erwecken. Nicht nur hatte man den Kroaten Ivan Perisic per Leihe von Inter Mailand losgeeist, darüberhinaus vollendete man die Transfer-Periode auch noch mit einem scheinbaren "Kracher." Und dieser hörte auf den Namen Philippe Coutinho! Beim FC Liverpool endgültig zum Superstar aufgestiegen, war er beim FC Barcelona dann zuletzt nur noch zweite Wahl und wurde schließlich zu den Bayern transferiert. Ebenfalls per Leihe. Und genau da liegt derzeit der Hund begraben. 


Der FC Bayern muss Verluste kompensieren


Nachdem Arjen Roben und Frank Ribery ihren Abschied gefeiert hatten, war das Ende der Ära "Robbery" endgültig Realität. Nun galt es für die Verantwortlichen in München den Verlust der beiden langjährigen Zugpferde des ​Rekordmeisters zu kompensieren, am liebsten sofort und noch lieber ohne sichtbaren Qualitätsverlust. Man stand unter Druck, was den damaligen Präsidenten Uli Hoeneß zu einem erneuten öffentlichen Rundumschlag veranlasste und der Medienwelt seine jetzt schon zu Kult gewordene "Wenn-Sie-wüssten-wen-wir schon-alles-haben"-Wut-Rede hinterließ. Doch ohne es zu wollen, erwies er seinem neuen Schützling und Sportdirektor Hasan Salihamidzic damit einen Bärendienst.

Denn dieser musste jetzt liefern und war alleine wohl nicht dazu in der Lage. So war es an Herbergsvater und Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge​, sein Kontakte-Buch rauszukramen, um den entstandenen Zweikampf mit der Presse nicht zu verlieren. 


Ergebnis: Gefühlt zwei Telefonate und den jeweiligen Reisen nach Mailand und Barcelona später, mit Salihamidzic auf der Rückbank des Bayern-München-Familien-Vans, konnte man endlich zwei namhafte Neuzugänge präsentieren. Die schon genannten Ivan Perisic und Philippe Coutinho. Beide ausgeliehen bis Sommer 2020. Beide mit Leihgebühr. Beide bei ihren bisherigen Vereinen nicht mehr gebraucht oder vorerst aussortiert. 

FBL-GER-BUNDESLIGA-BAYERN MUNICH-ODRIOZOLA

Kam erst kürzlich von den Königlichen: Alvaro Odriozola



Im aktuellen Transferfenster stieß dann noch der 24-jährige Rechtsverteidiger Alvaro Odriozola von Real Madrid, ebenfalls per Leihe, zum Kader der Münchener hinzu. Hasan Salihamidzic gestand öffentlich, dass der Spanier vepflichtet wurde, um dem Wunsch des Trainers zu entsprechen. Hansi Flick hatte für diese Position intensiv um Verstärkung gebeten. Es stellt sich die Frage: Wo will der Rekordmeister mit diesen Verpflichtungen hin?

FC Bayern will Anschluss nicht verlieren


Denn die drei Neuen, mit Abstrichen bei Odriozola, sind bei all ihrem fußballerischen Talent am Ende doch nur das Obst, das bei anderen Champions-League-Bäumen von den Ästen gefallen ist. Weder werden sie derzeit dem Anspruch der Bayern gerecht, jedes Jahr um den Champions-League-Titel mitzuspielen, noch gelingt es ihnen, die schon fast selbstverständliche Meisterschaft in der Bundesliga souverän nach München zu holen. Auch zur traditionellen "Mia san Mia"-Philosophie passen sie eigentlich nicht. Denn alle trainieren nicht an der Säbener Straße, weil sie langfristig Teil der Bayern-Familie sein wollen, sondern aus der Sorge heraus, mittelfristig in der internationalen Versenkung zu verschwinden.


Ein Ivan Perisic will sich mit Blick auf sein Alter (30) vor allem präsentieren, ist dies doch vielleicht die letzte Chance nach Vertragsende, nochmal in einer der großen Arenen Europas zu spielen. Ein Verbleib in München scheint für ihn ohnehin nicht realistisch. Auch Coutinho will seine Aktien steigern, um in der Zukunft wieder für andere europäische Schwergewichte interessant zu sein und seinen einstmals erworbenen Ruf als Unterschieds-Spieler wiederherzustellen. Bei Odriozola gibt es nicht einmal eine Kaufoption. Und so erinnert vor allem das Spiel der beiden Mittelfeld-Stars derzeit eher an Römische Gladiatoren-Kämpfe, mit dem Ziel, in der Gunst der Caesaren der europäischen Top-Klubs nach oben zu klettern.

Was passiert beim FC Bayern im Sommer?


Es scheint, als hätten auch die Bayern bei ihren Verpflichtungen weniger Wert auf die tatsächliche Harmonie und Ausgewogenheit der Mannschaft gelegt, als darauf, namhafte Neuzugänge präsentieren zu können, um auf dem internationalen Transfermarkt von Belang zu bleiben und seiner Rolle als Schwergewicht im europäischen Fußball, das in einer Liga mit Paris, Barcelona, Madrid oder den englischen Top-Klubs ​spielt, gerecht zu werden. 


Vor allem im Hinblick auf das Vorhaben, im Sommer erneut voll angreifen zu wollen. Dann sollen Spieler wie Leroy Sane, Kai Havertz und besten noch ein großer Name auf der Außenverteidiger-Position verpflichtet werden, die den Status von Glanz und Gloria aufrechterhalten können. Auch eine Rückhol-Aktion von Douglas Costa soll diskutiert worden sein. 


Es scheint, als würde Hasan Salihamidzic seine Rolle in diesem Theater falsch verstehen. Denn auch er ist am Ende nur ein Gladiator, der sich im Licht der Öffentlichkeit sonnt und noch dazu an zwei Fronten kämpfen muss, im Grunde einmal für den Respekt innerhalb seines eigenen Vereins die Schwerter kreuzt, und auch um die Gunst der Spieler kämpft, damit diese hoffentlich weiterhin in seiner Arena ihre Duelle austragen.