​Eine Woche vor dem Auftakt in das Pflichtspiel-Jahr 2020 sieht es beim ​Hamburger SV recht ordentlich aus. Im Test gegen den FC Basel am vergangenen Sonntag (2:0) konnte man einen Prestige-Erfolg feiern, der vor allem für die Psyche der Mannschaft noch sehr wertvoll werden kann. Zudem kündigte Trainer Dieter Hecking eine Systemumstellung an.


"Wir werden den Gegnern viel mehr den Ball lassen, weil es nur wenige Mannschaften in der Zweiten Liga gibt, die mit dem Ball etwas anfangen können", sagte Hecking gegenüber der Rautenperle. "Und warum sollen wir immer die Wilden spielen, die vorne draufgehen und dann selbst unter Druck geraten, weil ein Konter reicht? Ich denke schon, dass unser Plan für die Rückrunde ein anderer wird als der für die Hinrunde." 

Danach spezifierte der Coach noch, was genau anders werden soll. 


"Im gegnerischen Ballbesitz kann man es anders angehen“, so Heckings Schlussfolgerung seiner Analyse der vergangenen Hinrunde. "Ich glaube, dass wir uns Räume erarbeiten müssen. Nicht, indem wir uns komplett zurückziehen. Im Gegenteil: Wir wollen den Ball immer haben. Aber es kann schon mal von Vorteil sein, wenn wir nicht immer gleich ganz vorn draufgehen, uns bei einem Flachabstoß mal tiefer stellen."


Vor allem im letzten Drittel der Vorrunde ließ sich der HSV doch allzu häufig von tiefstehenden Mannschaften zu einfach auskontern. Dem Gegner reichte es meistens, stabil in der Defensive zu stehen, um dann - womöglich mit nur einem oder zwei Kontern in neunzig Minuten - mehr als nur Nadelstiche in der Offensive zu setzen. Damit soll in der Rückrunde Schluss sein.


HSV: Weniger Dominanz - und doch mehr Kontrolle!


Man will jetzt auch mal abwarten, was denn der Gegner so drauf hat, mit dem Ball in seinem Besitz. Und nicht auf Teufel komm heraus vorne pressen - um sich mit einem langen Ball über das entsprechend weit vorgerückte Mittelfeld übertölpeln zu lassen. "Dadurch", so Hecking, "gewinnst Du bei Ballgewinn mehr Raum hinter der Viererkette. Es ist alles möglich."


Zugeständnisse an die Wünsche vieler Fans, die am liebsten in jedem Spiel einen über neunzig Minuten dominierenden HSV sehen wollen, will Hecking dabei nicht machen. Vielmehr ist er von diesem neuen Weg überzeugt und verweist darauf, mit dieser neuen Ausrichtung - zumindest phasenweise - schon die letzten Spiele des vergangenen Jahres bestritten zu haben.


"Wenn es erfolgreich ist", weiß auch Hecking, "wird keiner mosern. Es wird immer gefordert, dass wir unser Spiel mal ein bisschen anpassen müssen. Dann stößt man so einen Gedanken an, und es heißt, das geht ja gar nicht. Wir müssen uns immer mit dem beschäftigen, was wir vorfinden. Gegen Darmstadt und Sandhausen haben wir es schon zum Teil gespielt und es war zum Teil schon deutlich besser. Wer uns genau beobachtet hat, der hat das mitbekommen."


Ein neuer HSV - sowohl taktisch als auch personell. Denn zusätzlich zu den bereits verpflichteten Neuzugängen Louis Schaub und Jordan Beyer, und vorbehaltlich der Finalisierung des Pohjanpalo-Transfers am heutigen oder morgigen Tag, hebt Hecking auch die stark ansteigende Formkurve eines vormaligen Sorgenkindes hervor. 


Kinsombi nähert sich seiner Kieler Form


​David Kinsombi, im Sommer als Königstransfer (3,5 Millionen Euro) von Holstein Kiel geholt, konnte aufgrund von Verletzungsmiseren während der gesamten Hinrunde nie so recht an die vorher in Kiel gezeigten Leistungen anknüpfen. Das könnte im gerade angebrochenen neuen Jahr anders werden. Denn: "Er wirkt sehr viel frischer in seinen Aktionen", lobt Hecking Kinsombis Entwicklung der letzten Wochen. 

David Kinsombi

Zuletzt mit stark ansteigender Form: David Kinsombi



"Natürlich tobt auf seiner Position sehr hoher Konkurrenzdruck, aber da ist er nicht weit weg. Im Moment fehlt ihm gar nichts, er macht das richtig gut. Er ist wie vor der Winterpause besprochen sehr motiviert angekommen, bringt sich gut ein. Ich finde das im Moment alles sehr okay." 

Sollte sich dies auch in den kommenden Wochen und Monaten auf dem grünen Rasen erweisen, hätte der HSV quasi einen vierten Winter-"Neuzugang" aus den eigenen Reihen rekrutiert. Dem Ziel, im Mai in die Bundesliga zurückzukehren, käme man mit einem fitten Kinsombi sicherlich um einiges näher.