Mit der am frühen Samstagmorgen bekannt gegebenen Vertragsverlängerung (bis 2023) von Bastian Oczipka hat der ​FC Schalke 04 einen weiteren Spieler langfristig binden können. In der aktuellen Saison hat er jede einzelne Pflichtspiel-Minute auf dem Platz gestanden, trotz mancher Fan-Kritik - das lässt die komplexe Frage zu: Wird Oczipka unterschätzt?


Bereits seit dem Sommer 2017 spielt Bastian Oczipka für Schalke. Rund 4,5 Millionen Euro zahlte man an ​Eintracht Frankfurt, um sich die Dienste des Linksverteidigers zu sichern. Blickt man nun auf die letzten zweieinhalb Jahre zurück, war dies eine Ablösesumme, die sich definitiv rentiert hat. Seit seinem Wechsel ist er Stammspieler der Knappen, unter David Wagner hat sich das keineswegs verändert. 


Oczipka als S04-Dauerbrenner - Spielerprofil teilweise in der Kritik


Obwohl er der absolute Dauerbrenner der Gelsenkirchener ist, und von den Vereins-Verantwortlichen immer wieder ​als "verlässliche Größe" und "Eckpfeiler der Mannschaft" (Sportvorstand Jochen Schneider zur Verlängerung) betitelt wird, ist er kein Spieler, der seitens der Fans von Kritik ausgenommen ist. Das fußt allerdings viel mehr auf dem Spielertypen bzw. auf dem Spielerprofil Oczipkas, als auf ihm selbst. 


In der aktuellen Saison spielt Schalke einen mutigen und offensiven Fußball, mit schnellem Umschaltspiel und hohem Druck. Besonders die Außenverteidiger (Oczipka und Jonjoe Kenny) müssen dabei ebenso offensiv, wie defensiv agieren - sie müssen sich ins Spiel einbinden, die Außenbahnen bearbeiten, Laufwege initiieren und als Vorbereiter auftreten können. 

Stefan Lainer,Bastian Oczipka


Der 31-Jährige verkörpert dieses Anforderungsprofil nicht sehr, wie es sich so mancher vielleicht wünscht. Dass Kenny schnell zum Fan-Liebling wurde, und auf der rechten Seite regelmäßig (aber sicherlich auch nicht fehlerfrei) mit seinen Vorderleuten zu harmonieren weiß, rückt die Offensiv-Leistung Oczipkas etwas in den Hintergrund. Auch wenn er womöglich nicht die gewünschte Geschwindigkeit an den Tag legen kann, so ist er doch regelmäßig im Aufbauspiel und an den finalen Spielzügen beteiligt - dabei liegt der Fokus lediglich auf der Offensive.


Klare Stärken in der Defensive - Vertragsverlängerung als richtiger Entschluss


In der Defensive spult er zumeist grundsolide und souveräne Leistungen ab. Im Schnitt gewinnt er in der aktuellen Saison (pro Spiel) 61 Prozent seiner Boden-Zweikämpfe (via Sofascore), musste dabei erst eine gelbe Karte ziehen. Seine starke Passgenauigkeit von 78 Prozent kommt zwar vor allem in der eigenen Hälfte (mit 86 Prozent) zum Tragen, aber auch über 63 Prozent seiner Pässe kommen in der gegnerischen Hälfte an den Mann - für einen Außenspieler, der seine klaren Stärken in der Defensive hat, sicherlich kein schlechter Wert. Am Freitagabend zeigte er beim 2:0-Erfolg gegen ​Borussia Mönchengladbach mal wieder, wieso David Wagner auf ihn setzt. Erneut lieferte er eine zuverlässige Leistung ab, hielt Rechtsaußen Patrick Herrmann so sehr in Schach, dass dieser bis zu seiner Auswechslung in der 59. Minute lediglich 21 Ballberührungen hatte und eigentlich gar nicht stattfand - Oczipka selbst mehr als doppelt so viele (58).

Bastian Oczipka,Alassane Plea


Dadurch, dass er vor allem in der Defensive vergleichsweise so sicher agiert, hat auch Juan Miranda bislang nur gespielt, als der 31-Jährige in die Innenverteidigung rücken musste. Der junge Spanier zeigte zwar im Spiel nach vorne seine Stärken, die auf schnellen Entscheidungen und mutigen Laufwegen beruhten, doch in der Defensiv-Arbeit hat er augenscheinlich noch Verbesserungsbedarf.


So kann man schon jetzt urteilen, dass Bastian Oczipka in der aktuellen Saison ein wichtiger und oftmals unterschätzter Akteur für Königsblau ist. Auch wenn er meist unter dem Radar spielt und nicht so sehr durch seine Ausflüge in die Offensive auffällt, sondern eher durch die Ballgewinne und die Zweikampfstärke, sollte man seine Leistungen nicht unterschätzen. Obwohl man über die Länge der Vertragsverlängerung diskutieren kann, kann man guten Gewissens ebenfalls schlussfolgern, dass die Verlängerung an sich definitiv der richtige Schritt war.