Quique Setien soll den FC Barcelona vor allem fußballerisch auf ein neues Level heben. Dem 61-jährigen Nachfolger von Ernesto Valverde steht eine große Aufgabe bevor, deren gegenwärtigen Umstände sie zusätzlich erschweren. Es gilt, zahlreiche Baustellen zu schließen, wie ​Marca berichtet.


Die Fußstapfen waren Ernesto Valverde, dem ruhigen Pragmatiker, ​doch eine Nummer zu groß. Der nun Ex-Trainer führte den FC Barcelona zu zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg, in der Champions League aber schied das Starensemble 2017/18 im Viertelfinale gegen die AS Rom und 2018/19 im Halbfinale gegen den FC Liverpool auf traumatische Art und Weise aus. Darüber hinaus hatte Barça in dieser Saison mit Schwankungen und einem spielerischen Zerfall zu kämpfen. Die Halbfinal-Niederlage im spanischen Superpokal gegen Atlético Madrid brachte das Fass zum Überlaufen, erstmals seit 2003 wurde der Trainer - damals traf es Louis van Gaal - während der Saison entlassen.


Nach der Absage von Xavi präsentierten die Verantwortlichen Quique Setien. Fans des spanischen Fußballs können erahnen, wie im Camp Nou bald wieder gespielt wird. Der ehemalige Trainer von Betis Sevilla setzt auf gepflegten Ballbesitz, scheut im Spiel nach vorne kein Risiko. Tiki Taka, so ähnlich filigran und dominant soll Barça bald wieder auftreten. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, denn Setien hat viele Baustellen vor sich.


Reagiert Barça auf den Suarez-Schock?


Die größte findet sich derzeit in der Sturmspitze wieder. Luis Suarez sollte ursprünglich bis zu sechs Wochen ausfallen, nun wird der Torjäger nach seiner Knie-Operation vier Monate fehlen. ​Die Saison ist gelaufen - und Setien verliert kurzerhand den wichtigsten Torschützen der letzten Wochen. Ob der Klub im Januar nachlegen wird? Stand jetzt eine offene Entscheidung, denn schließlich können sowohl Lionel Messi als auch Antoine Griezmann diese Rolle einnehmen. Auf dem linken Flügel hat der 120-Millionen-Neuzugang von Atlético Madrid in seinem ersten Halbjahr mit Problemen zu kämpfen, gab diese auch offen zu. In der Sturmspitze aber kennt er sich bestens aus. 

Antoine Griezmann

Nach dem Ausfall von Luis Suarez könnte Antoine Griezmann in die Sturmspitze rücken


Mittelfristig würden Ousmane Dembélé, Ansu Fati und Carles Perez um den freien Platz auf der Außenbahn kämpfen; noch aber fehlt der am Oberschenkel verletzte Dembélé. Früher oder später soll nichtsdestotrotz ein zweiter Stürmer verpflichtet werden, ​als mögliche Lösung für die aktuelle Personalnot wird Cristhian Stuani gehandelt


Mit Blick auf die neue Saison fällt immer wieder der Name Lautaro Martinez. Der Argentinier ist bis 2023 an Inter Mailand gebunden, im Sommer darf er den Klub dem Vernehmen nach dank einer Ausstiegsklausel verlassen - ​die wiederum kann angeblich nu​r innerhalb eines Zeitrau​mes v​on zwei Wochen gezogen werden. Die sportliche Leitung befindet sich in einer Zwickmühle, die sich unmittelbar auf die ambitionierten Saisonziele auswirkt.


Setien braucht Zeit, die er nicht hat


Doch da wäre auch der Spielstil, der wieder an alte Zeiten erinnern soll. Sportdirektor Eric Abidal gewann unter Pep Guardiola 2009 und 2011 die Champions League, der Franzose kennt das Tiki Taka in- und auswendig. Setien pflegt einen ähnlichen Stil, setzt auf extremen Ballbesitz sowie ein schon fast zu hohes Positionsspiel und Pressing. Während seiner Amtszeit erzielte Betis 139 Tore, kassierte aber auch 143 Gegentore. Den Spielern seine Idee zu vermitteln, wird Zeit benötigen - die es im eng gestrickten Terminkalender aber nicht gibt. An der Barça-typischen Grundausrichtung dürfte sich daher wenig ändern, aber das träge gewordene Spiel könnte wieder attraktiver werden.


Das Mittelfeld hat seinen Glanz verloren


Dafür benötigt es auch ein Mittelfeld, das die Fäden wieder nach Belieben zieht. Insbesondere der Abschied von Andres Iniesta wog schwer, ein würdiger Nachfolger wurde noch nicht gefunden. Langfristig soll Frenkie de Jong das Gesicht des neuen FC Barcelona werden, noch darf der 22 Jahre junge Niederländer an der Seite von Sergio Busquets reifen. Der Routinier wird wieder zu alter Stärke finden müssen, auch müssen die Rollen von Spielern wie Ivan Rakitic oder Arturo Vidal geklärt werden. Es braucht eine klare Besetzung, Struktur und Hierarchie, der sich alle unterordnen müssen.


Was passiert mit den Außenverteidigern?


Setien wird sein favorisiertes 3-4-2-1 aufgrund der mangelnden Innenverteidiger - durch den ​so gut wie perfekten Transfer von Jean-Clair Todibo zum FC Schalke 04 stehen nur noch drei zur Verfügung - nicht einführen können. Eine weitere Baustelle wird demzufolge die Besetzung des Rechtsverteidiger-Postens. Weder Sergi Roberto, noch der ​mit dem FC Bayern in Verbindung gebrachte Nelson Semedo wusste in dieser Saison zu überzeugen. Beide liefern sich ab sofort einen offenen Konkurrenzkampf unter dem neuen Trainer.

Junior Firpo

Wiedersehen mit Setien: Darf Junior Firpo in der Rückrunde häufiger ran?


Auch auf der linken Abwehrseite könnte Bewegung reinkommen, mit Junior Firpo darf Setien einen ehemaligen Schützling wieder unter seine Fittiche nehmen. Der 23-Jährige kam im Sommer für 18 Millionen Euro von Betis, ist hinter Jordi Alba jedoch die klare Nummer zwei und darf zumeist nur ran, wenn der deutlich erfahrenere Linksverteidiger ausfällt. Das war aufgrund muskulärer Verletzungen schon zweimal der Fall, zufriedenstellend ist die Situation für Firpo nicht. Und obwohl Setien ihn bestens kennt, darf angezweifelt werden, ob Alba seinen Stammplatz verlieren wird.