Am kommenden Freitag eröffnet der ​FC Schalke 04 mit dem Heimspiel gegen ​Borussia Mönchengladbach die Rückrunde. Für die Mannschaft von David Wagner werden es entscheidende Wochen und Monate, in denen man entweder auf der Hinrunde aufbauen und weitere Fortschritte machen kann, oder in denen man die ersten, größeren Form- und Punktkrisen überwinden muss.


Wie es schon bei den 17 Spielen der Hinrunde der Fall war, wird auch die nun anstehende Rückrunde eine Art Wundertüte für Schalke. Auch zu Beginn der aktuellen Saison wusste man nicht, wo genau man steht, wie weit man schon mit der Arbeit unter David Wagner und an der neuen Spielphilosophie war, ob der Kader für einen ordentlichen Aufschwung genügen würde. 


Zur zweiten Saisonhälfte sind diese Fragen erneut schwer einzuordnen - immerhin baut man bislang nur auf einem halben Jahr gemeinsamer Arbeit auf. Deshalb gibt es für die kommenden Monate ein Best-Case-, wie auch Worst-Case-Szenario beim S04.


Das Best-Case-Szenario: Weitere Fortschritte, die man festigen kann - Mit Zuversicht und guter Stimmung

David Wagner


Eine der Stärken in der Hinrunde war es, dass man sich nach der grausamen letzten Saison wieder als geschlossene Einheit präsentieren konnte. Man gab keinen Ball verloren, unterstützte seine Mitspieler und es gab keine Querelen im Kader. Optimale Voraussetzungen, die natürlich auch auf euphorischen Erlebnissen ruhen, wie etwa der guten Serie von Spieltag drei bis inklusive sechs, als man vier Spiele in Serie gewinnen konnte, darunter der spektakuläre 3:1-Erfolg gegen ​RB Leipzig


Gute Arbeitsbedingungen werden weiterhin gewahrt: Fortschritte noch immer das Wichtigste

Mit den beiden Spielen gegen Gladbach und den ​FC Bayern wird es alles andere als ein ruhiger Start in die Rückrunde. Wenn man diese Spiele, wie schon im August, einigermaßen gut überstehen und gestalten kann, könnte es für die darauffolgenden Spiele erneut einen Boost geben, mit dem man viele Punkte holen kann. ​Eine selbstbewusste Truppe, die auf (kleinen) Erfolgen aufbauen kann, ist die optimale Bedingung für gute und erfolgreiche Arbeit. Dass man in der spielerischen Entwicklung weiterhin viel zu erlernen und zu erarbeiten hat, ist ebenso offensichtlich wie wichtig. Deshalb steht die weitere Entwicklung und die darin enthaltenen Fortschritte noch immer auf Platz eins der Prioritäten-Liste.

Schafft man es über die Rückrunde also - aller Erfolge und Rückschläge zum Trotz - sich weiterhin zu verbessern (und da gibt es noch eine Menge an Arbeit), kann man mit einer sehr guten und auch schon sicheren Grundlage in den Sommer-Urlaub und später in die Vorbereitung starten. Um mittel- und langfristig erfolgreich und vor allem konstant zu sein, benötigt man solche Grundlagen und eine solche Arbeitsweise.

Der Kader wird punktuell verbessert: Vertragsverlängerungen und Planungen für den Sommer


Neben den so enorm wichtigen Fortschritten in der Entwicklung ist es natürlich ebenso wichtig, dass man einen qualitativ wie quantitativ gut besetzten Kader zur Verfügung hat. Trotz der schlechten Vorsaison verfügt der S04-Kader noch immer über große Qualität, die schon für diese Spielzeit u.a. durch Ozan Kabak, Benito Raman und Jonjoe Kenny verbessert wurde. Das wird aber, wie es im Fußball üblich ist, nicht auf ewig halten. 


Schon während der Rückrunde müssen wichtige Spieler langfristig und vorzeitig an den Verein gebunden werden. Amine Harit hat es vorgemacht, Spieler wie Suat Serdar ("Ich würde nicht nein sagen"), Benjamin Stambouli, Ahmed Kutucu, oder Omar Mascarell könnten und sollten folgen. Vor allem Spieler wie Serdar und Mascarell können in der Rückrunde, wie über die kommenden Jahre, wichtige Stützen des "neuen Schalke" werden - umso wichtiger und besser wäre es, wenn man sie frühzeitig an den Klub binden kann. 


Europa: Zu früh, oder genau richtig?

Am Ende der Rückrunde wird sich Schalke im Optimalfall auf einem internationalen Platz befinden. Dass man Angst hat, durch die Dreifachbelastung in der zweiten Wagner-Saison wieder abzustürzen, ist unbegründet. Macht man grundsouveräne, wichtige und gute Arbeit, ist das eher Chance denn Risiko. Die Mehreinnahmen wären für das finanziell angeschlagene Schalke ebenso wichtig, wie die Aussicht auf Europa, wenn man neue Spieler holen möchte. 


Das Worst-Case-Szenario: Krisen, Probleme und der alltägliche Wahnsinn

David Wagner


Rückschritte in der Entwicklung: Defensiv- und Offensiv-Probleme

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass man durch Spiel- oder Verletzungs-Pech, durch Unvermögen,​ und weitere Aspekte in die ein oder andere zwischenzeitliche, oder in eine große Krise schlittert. Auch wenn diese Möglichkeit natürlich nicht per se ein riesiges Problem für Mannschaft und Trainer werden muss - schon gar nicht auf der bisher geschaffenen Basis - würde es jedoch bedeuten, dass man nicht nur keine weiteren, so wichtigen Fortschritte im eigenen Spiel machen kann, sondern dass man Rückschritte hinnehmen muss. 


Das wäre nicht nur für die dann ganz aktuelle, sondern auch für die langfristige Entwicklung schädlich. Kleine Formkrisen, ab und zu schwächere Spiele wird es ohnehin geben - doch gilt es zu vermeiden, dass man (zwischenzeitlich) so stark abstürzt, dass man ab dem Sommer vor allem wieder reparieren, anstatt weiter ausbauen muss. 


Verletzungspech setzt sich fort - Verstärkungen schlagen nicht ein

Die Verletzungssorgen in der Defensive haben Schalke vor allem zum Ende der Hinrunde hin Probleme bereitet. Mit Weston McKennie fiel schon der Innenverteidiger-Ersatz aus, sodass Bastian Oczipka in die Zentrale rücken musste. Schlimm wäre es auch, wenn Benjamin Stambouli und Salif Sané noch länger fehlen, als aktuell angenommen. Ozan Kabak macht zwar einen sehr guten Job, aber auch er ist theoretisch nicht unverwundbar. Auch im Sturm gab es bereits einige Ausfälle, während weitere Spieler unter Wagner (verständlicherweise) keine Rolle spielten.

Sollte dies also erneut eintreten, und die Leihspieler Michael Gregoritsch und, ​so wie es aussieht auch Jean-Clair Todibo, nicht die Verstärkung sein - aus welchen Gründen auch immer - die man sich erhofft, kann es schnell zu personellen Engpässen kommen. Auch wenn da viel Pech zugehören würde, ist es dennoch eine Möglichkeit, die sich schon in der Hinrunde zum Teil abgezeichnet hat.


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