Die Testspiel-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg hat den Verantwortlichen des ​FC Bayern München wieder einmal aufgezeigt, wo der Schuh drückt. Im Interview mit BILD bemühte sich Sportdirektor Hasan Salihamidzic erneut darum, die Situation zu beschwichtigen. 


Nach Trainer Hans-Dieter Flick und Thomas Müller hatte am Samstag auch Joshua Kimmich das Gefühl, ​ein paar Worte über den Kader verlieren zu müssen. "Wir sind schon auf mehr fitte Spieler angewiesen, wenn wir bis zum Ende auf drei Hochzeiten tanzen wollen. Fakt ist, dass wir momentan schon dünn besetzt sind", sagte der Mittelfeldspieler nach der 2:5-Klatsche beim 1. FC Nürnberg.


Das Ergebnis des gestrigen Tests ist nicht von großer Bedeutung, da die Maschine des Rekordmeisters nur wenige Stunden zuvor wieder auf deutschem Boden landete. Gerade angereist aus dem Trainingslager in Doha ging es mit zwei Mannschaften auf das Spielfeld, in der ersten Halbzeit boten elf Profis Paroli, in Durchgang zwei erhielten die Nachwuchsakteure eine Bewährungschance gegen den abstiegsbedrohten Zweitligisten.


Mit Blick auf die gestrige Startelf dürfte Flick die geplante Rückkehr von Robert Lewandowski gegen Hertha BSC begrüßen, Kimmich wiederum wird genau wie Javi Martinez, Niklas Süle, Lucas Hernandez, Kingsley Coman und Serge Gnabry fehlen - nicht verletzt, sondern gesperrt. Der Januar ist beinahe zur Hälfte rum, allzu viel Zeit bleibt der Klubführung nicht mehr, um mindestens einen Neuzugang zu finden. Flick, der mehrfach neues Spielermaterial forderte, muss weiter geduldig bleiben, wie Salihamidzic im BILD-Interview erklärt.


Salihamidzic spielt auf Zeit - interne Lösungen als Trumpf?


Generell genieße der Trainer "die volle Unterstützung des Vereins", betont der Sportdirektor. Der kurze Disput über die öffentlichen Forderungen Flicks spiele keine Rolle mehr, und doch betonte Salihamidzic angesprochen auf Neuzugänge zum wiederholten Male: "Transfers sind immer an zwei Faktoren gebunden. Der finanzielle Rahmen muss passen und – noch wichtiger – die Qualität des Spielers muss stimmen. Unsere Mannschaft sinnvoll zu verstärken ist nicht leicht. Außerdem ist der Transfermarkt im Winter dünn."

Hasan Salihamidzic

Hasan Salihamidzic spielt auf Zeit. Gebetsmühlenartig wiederholt der Sportdirektor, wie schwierig sich die Fahndung nach neuem Spielermaterial gestalte.


Salihamidzic weiß, dass kein Trainer der Welt mit dieser ungewöhnlichen Vielzahl an Ausfällen zufrieden wäre. Paniktransfers will der FC Bayern jedoch vermeiden, sich lieber alle Optionen - also auch interne Lösungen - offenhalten: "Oft ergeben sich dann Lösungen, die man nicht auf dem Zettel hatte: zum Beispiel junge Spieler, die ins kalte Wasser geworfen werden und überraschen, oder auch Positionswechsel, die so nicht vorgesehen waren, aber funktionieren. Oder Transfers. Wir müssen sehen."


Der FC Bayern soll ein Big Player bleiben - Trainersuche eingestellt


Trotz der großen Personalsorgen und einigen geplatzten Transfers im vergangenen Jahr bleibt die Zielsetzung hoch. "Wir versuchen, unsere Mannschaft immer so auszustatten und zu optimieren, dass wir die Chance haben, auch die Champions League zu gewinnen", so der 43-Jährige. Der Blick in die Zukunft bleibt optimistisch, die Vision klar: Wirtschaftlich soll der FC Bayern stabil bleiben, der eigens gesteckte finanzielle Rahmen nicht gesprengt werden; viel wichtiger ist aber die fußballerische Ausrichtung: "Wir wollen den Zuschauern nicht nur Fußball zeigen, sondern spektakulären Sport."

Hansi Flick

   Im Blickpunkt: Solange die Trainersuche nicht läuft, hat Hansi Flick seine Zukunft beim FC Bayern selbst in der Hand. 


"Ich glaube, wir sind auf einem sehr guten Weg", sagt Salihamidzic, der sich mit der Suche nach einem neuen Trainer für den Sommer erst einmal nicht mehr beschäftigt. Schließlich habe man sich erst vor kurzem darauf geeinigt, die Saison mit Flick zu Ende zu spielen. "Es ist ganz klar", so Salihamidzic, "dass wir unsere ganze Kraft verwenden, um ihn zu unterstützen." Inwieweit diese Unterstützung in Form von Transfers ausgedrückt wird, lässt sich spätestens nach dem 31. Januar sagen.