Man kann es nicht oft genug wiederholen: Sagenhafte 126 Millionen Euro, und somit soviel wie nie zuvor in der Vereinsgeschichte, zahlte Atlético Madrid im letzten Sommer an Benfica, um das Mega-Talent João Félix vom Tejo an den Manzanares zu locken. Doch diese Wahnsinns-Summe scheint wie eine Bleidecke auf dem schmächtigen 20-jährigen Portugiesen zu lasten. Sein Trainer jedoch will von voreiligen Urteilen nichts hören.


Dabei fing es gar nicht so schlecht an. Bereits am zweiten Spieltag der Primera División gab der Mittelfeld-Akteur seinen ersten Assist. Der durch das 1:0 beim Lokalrivalen Leganés dann auch gleich drei Punkte wert war. Eine Woche später, beim 3:2-Sieg über Eibar im heimischen Wanda Metropolitano, steuerte João Félix dann sogar seinen ersten selbsterzielten Treffer bei. Fast ohne Anpassungsschwierigkeiten schien der Ex-Adler in seiner neuen sportlichen Heimat anzukommen.

Doch so was passiert meistens nur in Filmen.


Dem Treffer gegen die Basken folgte dann nur noch ein weiteres persönliches Erfolgserlebnis (beim 2:0-Sieg in Mallorca traf das Ausnahmetalent zum Endstand).Seitdem bewegten sich die Leistungen des Spielers auf überschaubarem Niveau. Beim Derby gegen Real Madrid war er praktisch nicht zu sehen - was aber an jenem Abend für fast alle der auf dem Rasen versammelten Spieler galt. Doch gerade für diese Art Spiele hatte man bei Atlético gehofft, dass ein Ausnahmespieler wie João Félix den Unterschied machen könne. Zumal er in der Vorbereitung gegen denselben Gegner noch einen Treffer beim spektakulären 7:3-Kantersieg beisteuern konnte. 

Doch Vorbereitung und Wettkampf sind halt zwei Paar Stiefel.


Die Dominanz jedenfalls, mit der sich der sechsfache Nationalspieler in den vergangenen zwei Jahren bei Benfica in die Notizblöcke wirklich aller Scouts dieser Welt spielen konnte, ist ihm mittlerweile etwas abhanden gekommen.Das scheint auch der Spieler selbst zu registrieren.


João Félix: Heimweh nach Lissabon?


In der vergangenen Woche ließ er mit seinen von Heimweh gefärbten Aussagen aufhorchen: "Jetzt merke ich, wie glücklich ich bei Benfica war." (Quelle: benficaplay via sportbild.de)
​Und legte noch einen drauf: "Mein Plan ist es, eines Tages wieder zurückzukommen und meine Spuren zu hinterlassen." Aussagen, die nicht unbedingt dafür geeignet sind, die Liebe der Atlético-Fans auf sich zu vereinen. Doch damit wären wir wieder beim Alter. Einem knapp dem Teenie-Alter entsprungenen jungen Spieler seien solche Bemerkungen gestattet. Wenn sie sich denn nicht über Gebühr wiederholen.

Und das scheint sein Trainer genauso zu sehen.


Diego Simeone jedenfalls lässt sich von dem ersten kleinen Karriere-Knick seines Schützlings nicht beirren: "Jeder Spieler hat eine andere Persönlichkeit, jeder benötigt unterschiedlich viel Zeit", wird der Argentinier von SportBild zitiert. Man versuche bei Atlético, "jedem neuen Spieler die Atlético-Erfahrung mit Enthusiasmus und Emotionen näherzubringen. Weil sie neben ihrem Talent auch Engagement brauchen. Wenn dieses Atlético-Gefühl auftaucht, kommt der Rest wie von selbst. Wie bei (Stefan) Savic und Koke, als sie ankamen."

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Warum Simeone ausgerechnet den Vergleich mit einem Atlético-Eigengewächs wie Koke oder einem vor viereinhalb Jahren vom AC Florenz für 25 Millionen Euro verpflichteten montenegrinischen Innenverteidiger bemüht, wird wohl nur er erklären können. Aber was Simeone, losgelöst von konkreten Namen, wohl sagen wollte, ist, dass man Neu-Verpflichtungen auch eine bestimmte Zeit einräumen muss, um sich im neuen Klub zurecht zu finden. Zumal wenn der Neuzugang die Vereinsrekordsumme von 126 Millionen Euro gekostet hat. Wenn sie es denn auch bei João Félix tun, werden sie im Südosten Madrids noch eine Menge Spaß an diesem außergewöhnlichen Fußballer haben.