​Die Winterpause geht in ihre letzte Phase. Trainingslager und jede Menge Kondition bolzen stehen in den kommenden Tagen auf dem Programm der meisten Klubs in Liga 1 und 2. Es beginnt quasi ein neues Auswahlverfahren um die begehrten Stammplätze. Beim ​Hamburger SV wird es - vorbehaltlich der eventuellen Neuzugänge - vor allem von diesen sieben Spieler abhängen, ob das große Ziel Wiederaufstieg in die Bundesliga gelingt. 


Rick van Drongelen - wird er wieder zum Anführer?

Rick van Drongelen

Bis zum 11. Spieltag war "Big Rick" der unangefochtene Anführer in der Hintermannschaft des Hamburger SV. Danach erlebte der Holländer, und mit ihm die ganze Mannschaft, einen ziemlichen Leistungsabfall. Zuletzt (beim Spiel in Sandhausen) fand er sich sogar zum ersten Mal während der Zweitliga-Zugehörigkeit des HSV auf der Bank wieder. Auch beim letzten Punktspiel des Jahres in Darmstadt saß er zunächst nur auf der Bank, wurde dann aber in der 29. Minute für den verletzten Ewerton eingewechselt. Leider wurde seinem Treffer in der 78. Minute die Anerkennung verwehrt. Van Drongelen wird sich in der Rückrunde an seinem Landsmann Timo Letschert und an Ewerton vorbeikämpfen müssen, die momentan die Nase vorn haben. 


Heuer Fernandes - Kann er seine Schwächen abstellen?

Daniel Heuer Fernandes

Salopp gesagt: Auf der Linie teils Weltklasse, in der Strafraumbeherrschung mitunter nur Kreisklasse. Auch das Spiel mit dem Ball am Fuß gehört nicht zu Heuer Fernandes' Stärken, hat im modernen Fußball aber nun mal eine zentrale Rolle eingenommen. In diesen Bereichen wird sich der Deutsch-Portugiese steigern müssen. Zumal ihm mit Julian Pollersbeck ein Kontrahent im Nacken sitzen wird, der in den vergangenen Wochen eine bemerkenswerte Wandlung vollzogen hat. 


Lukas Hinterseer - Wird er zum erhofften "Knipser"?

Lukas Hinterseer

Sechs eigene Treffer und drei Assists (in 16 Spielen) lesen sich auf den ersten Blick gar nicht mal so schlecht. Doch schon im September monierte auch Dieter Hecking, dass der Stürmer noch mehr für die Mannschaft arbeiten müsse. Dazu haben einige Spiele nicht unbedingt das Vertrauen dahingehend gestärkt, dass man mit dem Österreicher tatsächlich einen eiskalten Killer verpflichtet hat. Sein unglücklicher Auftritt beim Stadtderby auf St.Pauli (wo ihm ein vermeintlich regulärer Treffer aberkannt worden war und er in der zweiten Halbzeit eine nahezu tausendprozentige Chance nicht verwerten konnte) steht dafür sinnbildlich. Nun kann man einen Stürmer nicht nur an einem Spiel messen, doch muss ingesamt noch etwas mehr vom Lasogga-Nachfolger kommen. 


Adrian Fein - Schwingt er sich wieder zum Chef auf dem Platz auf?

Adrian Fein

Auch für ihn gilt: Bis zum (einschließlich) 11. Spieltag (der mit einem 6:2-Kantersieg gegen den VfB Stuttgart zum Festtag für den HSV geriet), war Fein der absolute Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Hanseaten. Im besagten Spitzenspiel gelang ihm sogar, sozusagen als Sahnehäubchen, auch sein erster Treffer für den HSV und in seiner ganzen Profikarriere. Doch seitdem scheinen die Gegner Feins Stärken analysiert zu haben und schaffen es immer häufiger das "Hirn" des HSV-Mittelfeldes zu neutralisieren. 


Nicht zuletzt diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass sich der HSV seit jenem Torspektakel gegen die Schwaben extrem schwer damit tut, Chancen zu kreieren. Wenn Fein es schafft, an seine Leistungen der ersten zwei Drittel der Saison anzuknüpfen, ist die Wahrscheinlichkeit eines Aufstieges der Hamburger groß. Wenn nicht, könnte sich das Drama vom Vorjahr wiederholen.


Aaron Hunt - Endlich mal über eine Halbserie verletzungsfrei?

Pre-Season Friendly"Huddersfield Town FC v Hamburger SV"

Aaron Hunt und Verletzungsanfälligkeit - ein Begriffspaar, das irgendwie zusammengehört. Auch aktuell ist der Routinier schon wieder verletzt, soll das anstehende Trainingslager in Spanien dafür nutzen, wieder in Form zu kommen. Die Verletzungsmisere verfolgt Hunt eigentlich schon während seiner gesamten Karriere. Da macht seine Hamburger Station keine Ausnahme.


In fittem Zustand sicherlich in der Lage, den Unterschied auszumachen, war Hunt nur leider viel zu selten in diesem Zustand in den vergangenen Jahren. Zwei, drei oder auch vier Spielen am Stück folgte regelmäßig die nächste Unterbrechung wegen irgendeines körperlichen Leidens. 

In der Rückrunde der vergangenen Saison kosteten auch Hunts Dauerausfälle - neben anderen Faktoren - den Dino am Ende den Aufstieg. 


Martin Harnik - Mehr als nur Ergänzungsspieler?

Martin Harnik

Obwohl er nach eigenen Angaben - und sinngemäß - nicht als Lila-Laune-Bär verpflichtet wurde, oder weil er gebürtiger Hamburger ist, kommt man bei einer Analyse seiner Leistungen fast schon auf diesen Gedanken. In elf Spielen kommt Harnik zwar auf passable Werte (zwei Tore und zwei Vorlagen), die sich aber auch relativieren lassen.


Denn ein Tor und eine Vorlage machte er schon allein im Spiel gegen Erzgebirge Aue, die an jenem Nachmittag in Hamburg beinahe ängstlich wirkten und somit am Ende chancenlos waren. 

In den übrigen zehn Spielen gelangen Harnik dann nur noch ein selbsterzieltes Tor (beim 6:2 gegen den VfB) und eine Torvorlage (beim 1:1 in Sandhausen). Das sind keine Zahlen, die für einen außerordentlich gefährlichen Stürmer sprechen. Auch im Kombinationsspiel offenbart Harnik mitunter technische Schwächen. In der Rückrunde muss er sich erheblich steigern. 


Xavier Amaechi - Schafft das Talent den Sprung?

Xavier Amaechi

Denn ansonsten könnte der 20-jährige Amaechi öfter eine Chance bekommen, als noch in der Hinrunde. Für den Engländer war die abgelaufene Hinrunde eine Art Schnupperkurs, um sich in der zweiten Liga mal zu orientieren. 


Bei seinen nur zwei Auftritten mit den Profis (20 Minuten im Erstrunden-Match des DFB-Pokals beim Chemnitzer FC, 18 Minuten gegen Erzgebirge Aue) wirkte der schmächtige Flügelstürmer doch noch reichlich grün hinter den Ohren. Zumindest an körperlicher Robustheit hat Amaechi in den letzten Monaten zugelegt. Was auch sein Trainer goutiert. 


Zuletzt räumte er beim Training Routinier Aaron Hunt rustikal beiseite, was ihm von Hecking aber keinen Rüffel sondern ein Extra-Lob einbrachte. Für den HSV wäre es wünschenswert, wenn Amaechi den nächsten Schritt gehen würde. Nicht zuletzt um somit die Optionen für Hecking zu vergrößern. Mit seiner Schnelligkeit könnte Amaechi eine wichtige Waffe im Offensiv-Spiel der Hanseaten werden.