​​Oliver Kahn, designiertes neues Vorstandsmitglied (und planmäßig in zwei Jahren Vorstandsvorsitzender) des ​FC Bayern, hat seine erste Pressekonferenz in neuer Funktion gegeben. Zusammen mit dem aktuellen Klubpräsidenten Herbert Hainer stand der frühere Nationaltorhüter den Journalisten Rede und Antwort.


Gefragt, was ihn dazu bewogen habe, in neuer Funktion zum FC Bayern zurückzukehren, sagte Kahn, dass man als Bayern-Spieler nie so ganz den Verein verlasse. Er erinnerte an seine 14 Jahre währende Karriere beim Rekordmeister und darauf, die DNA des Klubs förmlich in sich eingesaugt zu haben. 


Kahn: Nie ganz von Bayern weg gewesen


Von außen habe er die Geschicke des Klubs, nicht zuletzt wegen seiner Funktion als Fernsehexperte beim ZDF, regelmäßig verfolgt, sei bei fast allen wichtigen Spielen des FC Bayern in den letzten zwölf Jahren dabei gewesen. Von daher sei es nicht so sehr eine Rückkehr, sondern die logische Weiterführung. 


Ob er jetzt schon in operative Dinge einbezogen wäre, beantwortete Kahn ausweichend. Natürlich sei er informiert, wolle es aber "auch nicht übertreiben". Wichtig sei, sich erstmal "einen Überblick auf allen Ebenen" zu verschaffen. Die emotionale Komponente bei seinem neuerlichen Engagement an der Säbener Straße wollte Kahn auch nicht verneinen. "Der Klub ist eine Herzensangelegenheit für mich", erklärte er.


Auf die wirtschaftliche Kompetenz angesprochen, die er in seiner neuen Funktion einbringen will und soll, verwies Kahn darauf, dass er sich schon während seiner aktiven Zeit immer gerne mit wirtschaftlichen und unternehmerischen Themen auseinandergesetzt habe. Nach seiner aktiven Karriere habe er auch Unternehmen gegründet und sich mit dem Studium (Master of Business Administration) das nötige theoretische Rüstzeug verschafft. Dieses Gesamtpaket aus eigener sportlicher Erfahrung und den Erfahrungen als Kommentator und Unternehmer gäben ihm das Selbstvertrauen für die anstehenden Aufgaben. 

Danach kamen dann schon die Fragen mit aktuell-sportlichem Bezug. 


Nübel-Verpflichtung "eine kluge strategische Entscheidung"


So wollte ein Journalist wissen, wie Kahn denn die zukünftige Konstellation mit den beiden Torhütern Manuel Neuer und Alexander Nübel sehe. Dabei lobte Kahn erstmal die kluge strategische Entscheidung seines Klubs, einen Torwart wie Nübel verpflichtet zu haben. 

Ohne auf den Kern der Frage einzugehen (nämlich ob ein Splitting oder Arbeitsteilungsmodell zwischen den Keepern denkbar wäre) verwies Kahn auf Nübels eigene Aussagen, sich erstmal hinten anzustellen und von Neuer lernen zu wollen. Darüberhinaus riet Kahn in dieser Personalie zur Entspannung. Man werde dann im gegebenen Moment sehen, wie man das Thema angehen werde. 


Der Fokus solle nunmehr hauptsächlich auf eine gute Rückrunde gelegt werden. 

Gefragt nach seinen Zielen und Visionen, wollte Kahn den zweiten Begriff gar nicht so gerne verwenden. Vielmehr gelte es, den Klub immer und überall, auf allen Ebenen, besser machen zu wollen. Der FC Bayern habe nun mal den Anspruch, in allen Bereichen die Nummer Eins zu sein. Diese Denkweise gelte auch nicht nur für ihn allein, sondern für alle im Klub Beschäftigten. 

Auch was er nun alles verändern wolle, ließ Kahn - logischerweise - im Ungewissen. 

Eine Sache sei es, von außen die Dinge zu sehen, eine andere aber, sich erstmal einen allumfänglichen Überblick zu verschaffen. ​Dies, so Kahn, habe in den kommenden Wochen und Monaten Priorität. Und deshalb warb der Vize-Weltmeister von 2002 um Verständnis dafür, sich erst einmal einen konkreten Einblick verschaffen zu wollen. 


Kahn sieht sich als Teamplayer


Entsprechend relativierte er auch die Tatsache, bei künftigen Transferverhandlungen mit von der Partie sein zu wollen. Hier benannte er ganz explizit auch die Rolle eines Hasan Salihamidzic' und hob hervor, dass er sich selbst als Teamplayer verstehe, und dass es auch nur so, in einem gut aufeinander abgestimmten Team, funktionieren könne. Auch die untergeordneten Abteilungen wie das Scouting oder die Spiel-Analytik bezog Kahn dabei ein. 


Bestätigen konnte Kahn, dass er zeitnah zum Trainingslager nach Doha reisen werde, um sich auch hier einen ersten Einblick darüber zu verschaffen, wie die Atmosphäre innerhalb des Teams ist und wie die einzelnen Spieler drauf sind. Das Ziel könne nach sieben Meisterschaften in Folge natürlich kein anderes sein, als es auch ein achtes Mal zu schaffen. Und natürlich wolle man auch in der Champions League so weit wie nur möglich kommen.


Danach informierte Kahn noch darüber, dass er in die konkreten Verhandlungen mit Alexander Nübel nicht involviert war. Ob er die Entscheidung des Noch-Schalkers nachvollziehen könne (immerhin habe er den Keeper vor etwa acht Monaten noch vor dem Schritt gewarnt), beantwortete Kahn ausweichend: "Jeder muss seinen Weg gehen. Nübel ist diesen mutigen Schritt gegangen und diesen Weg gilt es zu akzeptieren." Auf die Frage, welche Nähe er zu der Mannschaft aufbauen wolle und ob diese bei ihm auch immer ein offenes Ohr finden werde, antwortete Kahn deutlich: "Menschlichkeit ist ein wichtiger Aspekt in einem Verein. Dazu gehört natürlich auch, dass man für die Spieler zur Verfügung steht, dass man Zeit für sie hat. Das ist es ja gerade, was den FC Bayern in den letzten Jahren von allen anderen Klubs differenziert hat." 


Vulkan ist erloschen


Auf eine nicht ganz ernst gemeinte Frage von Sky Sport-Reporter Uli Köhler, ob man ihn in seiner neuen Funktion auch nochmal als Vulkan-Kahn erleben werde, antwortete Kahn mit einem Grinsen. "Emotionalität ist natürlich wichtig, gerade auf dem Platz. Oder auch auf der Tribüne. Aber ich habe ja nach meiner Karriere auch schon viele andere Dinge gemacht und dabei gemerkt, dass Emotionalität nicht immer ratsam ist. Man wird mich deshalb wohl kaum noch in der Kabine die Grätsche machen sehen."

Der Vulkan Kahn hat also erstmal ausgedient. 

Auf den Diplomaten Kahn sind wir schon alle gespannt.