Nach seinen rassistischen Verbalentgleisungen vom vergangenen August war es um den Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden ​Clemens Tönnies in den letzten Monaten sehr ruhig geworden. Wohl auch seiner selbstauferlegten mehrmonatigen Abwesenheit ​geschuldet. Doch anlässlich des seit drei Tagen bestätigten Weggangs von Torhüter Alexander Nübel hat Tönnies sich mal wieder zu Wort gemeldet. 


Der Wechsel von Alexander Nübel vom FC Schalke 04 zum Branchenprimus Bayern München hat die erwarteten Reaktionen auf königsblauer Seite provoziert. Kein Wunder: Abermals müssen sie ihre unangefochtene Nummer eins gen München ziehen lassen. Schon der Neuer-Abgang im Jahr 2011 war ein heftiger Schlag für die Seele der Schalke-Anhängerschaft. Neun Jahre danach wiederholt sich das Drama. 

Und nicht alle können die Entscheidung des Keepers nachvollziehen. 



Nachdem sich bereits Sportvorstand Jochen Schneider in diese Richtung geäußert hat, findet er nun Unterstützung von seinem Vorgesetzten Clemens Tönnies. Der sagte in einer Medienrunde:

"Das war auch meine Ausrichtung. Ich kapiere überhaupt nicht, dass er geht – und dann noch zu den Bayern. Aber nun gut, es ist seine Entscheidung. Ich muss sie akzeptieren." 

Ja, muss er wohl. Wie er auch Neuers Abgang hinnehmen musste. Oder den von Leon Goretzka vor anderthalb Jahren. 


Tönnies souveräner als nach dem Goretzka-Abgang


Damals jedoch ließ sich Tönnies ein wenig von seinen Emotionen leiten und sprach in einer Talkrunde den Gedanken laut aus, den Spieler nie wieder das Schalke-Trikot tragen zu lassen. 

Im Gegensatz dazu gibt sich der Fleischunternehmer in der Causa Nübel fast schon tiefenentspannt. "Damals war ich noch viel emotionaler. Ich glaube, Alex wird sich Mühe geben in den letzten sechs Monaten alles zu geben. Er fügt sich gut ein." Kein Boykott des Spielers also. Wäre ja auch fragwürdig, im letzten (und entscheidenden) halben Jahr auf die Fähigkeiten des Spielers zu verzichten. 


Konkret auf seine Einschätzung angesprochen, ob der Schritt für Nübel nicht vielleicht etwas zu früh komme (angesichts der scheinbar übermächtigen Konkurrenz durch den Platzhirschen Manuel Neuer) sagte Tönnies: "Wir haben das Problem nicht. Die Bayern werden das schon klären. Ich habe einen sehr engen Kontakt zu Manuel, und ich verstehe ihn. Er sagt, ich bin der Stammkeeper und will das auch bleiben. Er ist topfit und in der Form seines Lebens. Die Entscheidung liegt bei den Bayern." 


Dass Nübel nach seiner Ankunft in München Neuer auf die Bank verdrängen könnte, glaubt Tönnies nicht: "Ich glaube, dass würde uns alle wundern."