​Von einer ruhigen Weihnachtszeit bei ​Borussia Dortmund konnte dieses Mal keine Rede sein. Nach dem Transferhammer um Erling Haaland ging es drunter und drüber beim BVB, der Wechsel des Norwegers zu den Westfalen läutete die winterliche Transferperiode so richtig ein. Doch der Transfer bringt auch Verlierer hervor. Zentrum der Thematik: Paco Alcacer.


Für den spanischen Stürmer ist der ​Haaland-De​al die traurige Pointe einer eh schon schwierigen Hinrunde. Zu Beginn der Saison noch der absolute Stürmerstar beim BVB, rutschte Alcacer mit jeder Woche immer weiter nach unten im teaminternen Konkurrenzkampf. Sei es aufgrund der allgemein durchwachsenen Phase der Dortmunder, aufgrund hartnäckiger Verletzungen oder aufgrund des Heimwehs des Spaniers - vom einstigen "Super-Paco" ist in diesem Winter nur noch wenig übrig.

Paco Alcacer

Der Fall des Alcacer - er ist heftig. Innerhalb eines Jahres landete der Spanier vom siebten Himmel auf dem schmerzhaften Boden der Tatsachen. War er vergangene Saison noch der Heilsbringer für den BVB, der in Alcacer endlich wieder den lang ersehnten Instinktstürmer gefunden hatte, ist er inzwischen austauschbar geworden. Nachdem sich der 26-Jährige selbst wieder nach vorne schoss, zum Stammspieler avancierte und sogar wieder für die Furia Roja auflief, ereilt Alcacer inzwischen das selbe Schicksal wie zuvor beim ​FC Barcelona.


Alcacer und der BVB: keine einfache, allerdings eine umso erfolgreichere Beziehung - zumindest zu Beginn...


Irgendwie überrascht dieser traurige Verlauf den geneigten Fußballfan, gleichzeitig konnte es im Grunde nur so kommen. Alcacer und der BVB, das passte zu Beginn zu perfekt. Die anfängliche Leihe zwischen den Katalanen, bei denen Alcacer zwei Jahre lang spielte, und den Westfalen wurde schnell in einen fixen Kauf umgemünzt. Am Ende ließ sich Dortmund die Dienste des Stürmers 21 Millionen Euro kosten. Schon damals wurde moniert, dass man die Kaufoption zu schnell, zu übereilig zog. Waren das schon erste Vorahnungen der weiteren schwierigen Liebesgeschichte?


Dem Stürmer machten am Ende vor allem die vielen Verletzungen zu schaffen. Vergangene Saison konnte er aufgrund langwieriger Fitnessprobleme selten von Anfang an spielen und zeigte seine Qualitäten meist nur als Joker. 18 Tore in 26 Bundesligaeinsätzen waren dennoch eine starke Quote, so kompliziert die Situation auch war - sie funktionierte.

Paco Alcacer

Die Sommerpause 2019 sollte das Gute nun noch besser machen. Alcacers Fitness wurde explizit angehoben, schließlich sollte der Spanier von nun an auch über 90 Minuten qualitativ abliefern. Sechs Torbeteiligungen in den ersten vier Saisonspielen der ​Bundesliga machten Lust auf mehr, Alcacer schien endgültig beim BVB angekommen zu sein. 


Der von nun an folgende Einbruch, bestehend aus nur zwei (!) weiteren Startelfeinsätzen zwischen dem 5. und 17. Spieltag, mehrwöchigen Verletzungspausen und einem dauerhaften Bankplatz, kam da schon sehr überraschend.


Vor-Haaland-Situation ähnlich zu der Vor-Alcacer-Situation - mit einem Unterschied!


Ironischerweise befand sich der BVB vor dem Haaland-Transfer in genau der Situation, mit der man noch vor der Alcacer-Leihe konfrontiert war. Es fehlte ein treffsicherer Stürmer im Team der Borussen. Unterschied ist in der Gegenwart nur, dass man mit Alcacer nun mal genau diesen Sturmtyp auf der Bank sitzen hat, der allerdings nun mal eine schwierige Phase in seiner Karriere durchmacht.


Alcacer ist sicher kein einfacher Spieler, der Spanier ist ein sensibler Charakter, dem Vertrauen entgegengebracht werden muss, damit er funktioniert. Der BVB machte in dem vergangenen Jahr seine Sache gut im Umgang mit dem Stürmer - und Alcacer dankte mit Toren. Die eilige Haaland-Verpflichtung ist nun ein Wechsel entgegen des Kurses. Auf Alcacers fehlende Form antwortet Dortmund mit sofortigem Ersatz.

Zugegeben, nach Erling Haaland haben sich einige europäische Topklubs gestreckt und dass der 19-Jährige nun zum BVB geht, ist ein starkes Zeichen der Borussia. Doch daneben ist es vor allem eines: 


Heuchelei


Alcacer wird nach der ersten bitteren Krise in der Liga sofort gekündigt, ​ein Wechsel nach Spanien erscheint nach der Ankunft Haalands nur noch eine Frage der Zeit. Der einstige Heilsbringer, der Super-Paco und Fanliebling Alcacer ist nicht nur mehr zweite Wahl, ​er ist dem BVB egal geworden.


Stattdessen ruhen nun alle Hoffnungen auf einem 19-Jährigen, der aktuell seine erste Saison auf internationalem Niveau absolviert und auf dieser Ebene für Furore sorgt. Haaland hat seine Qualitäten, Haaland wird in der Zukunft für Tore sorgen, ​Haaland ist aber eben nun mal 19 Jahre jung. Dass junge Menschen auch mal Krisen haben und in deutlichen Formlöchern stecken, zeigt zur Zeit insbesondere Deutschlands Shootingstar Kai Havertz.


Dennoch, zukünftig wird Erling Haaland die offensive Nummer Eins des BVB werden. Das kann gut gehen und Haaland macht seine 20-30 Tore (mit diesen Zahlen wird sich ein Dortmunder Stürmer messen müssen) pro Saison, das kann allerdings auch gut und gern nach hinten losgehen. Das Risiko, dass Haaland nach einigen Monaten ein ähnliches Schicksal wie Alcacer teilt, besteht - zumal der Norweger den BVB wohl "nur" als Durchgangsstation für einen größeren Klub ansieht.


Es erscheint absurd, dem BVB den Haaland-Transfer schlecht zu sprechen und genau das möchte ich mit diesem Artikel auch keineswegs tun. Mich stört allerdings allen voran der Umgang mit Alcacer, der mehr als nur einmal gezeigt hat, dass er unumstrittene Torjägerqualitäten hat und genau der Spielertyp ist, den Dortmund braucht und der zu Dortmund passt. Anstatt ihm nun gleichgültig den Weg nach Spanien freizumachen, sollte man ihn definitiv halten, ihn für den Dortmunder Fußball begeistern und ihn wieder in das Team eingliedern.


Der BVB wird Argumente haben, Alcacer zu halten - wenn er es denn will!


Heimweh hin oder her, der Spanier dürfte grundsätzlich einem weiteren Verbleib in Deutschland nicht abgeneigt sein. Eine bessere Alternative, einen besseren Doppelsturm als Alcacer/Haaland könnte man sich in der ​Bundesliga doch gar nicht vorstellen! Unnötigerweise vergrault man nun aber einen der besten Stürmer Europas. Es fehlt das Vertrauen - inzwischen auf beiden Seiten.

Paco Alcacer

Paco Alcacer - allein und verlassen



Der moderne Fußball ist zu einem dreckigen Geschäft geworden. Gerade der BVB versucht noch, alte Tugenden hochzuhalten und der Tradition neues Feuer zu geben. Doch der eilige Haaland-Deal zeigt, dass auch in Dortmund das moderne Geschäft offene Türen einrennt. Wer gestern noch der Held war, ist morgen schon vergessen. Alcacer bekommt dies nun mehr denn je zu spüren. 


Aus Sicht von Borussia Dortmund kann man nur hoffen, dass sich dieser Stürmertausch lohnt. Ansonsten wird man sich fragen müssen, ob es das wirklich wert war. Sicher ist nur, dass Alcacer aktuell noch beim BVB unter Vertrag steht. Und der Klub sollte schleunigst alles tun, um den Spanier auch weiter im gelben Trikot spielen zu sehen. Denn diese Konstellation funktioniert!


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