Dass die Ziele bei ​Bayer 04 Leverkusen hoch gesteckt sind, zeigt der aktuelle Umgang mit dem Tabellenrang. Trotz des sechsten Platzes in der Liga und der damit aktuell verbundenen Qualifikation für die Europa League ist man unter dem Bayerkreuz nicht wirklich zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf. Zu oft blieb man unter den eigenen Möglichkeiten, zu groß waren die Chancen, um auf die Champions-League-Ränge der Bundesliga zu klettern.


Auch Sportchef Simon Rolfes ist nicht vollends glücklich mit der Leistung seines Teams. Den Ex-Profi der Werkself nerven einige Aspekte des Leverkusener Spiels, die seiner Meinung nach dringend ausgebessert werden müssen. Das Credo in Leverkusen ist klar: Die ​Champions-League-Qualifikation soll nach Ablauf der Bundesliga-Saison erreicht werden. "Wir sind in Schlagdistanz zu den vorderen Plätzen. Unsere Ausgangslage ist besser als 2019", so Rolfes gegenüber der Bild. Allerdings gebe es "einiges, was besser werden muss.“ Rolfes hebt insbesondere drei Punkte hervor:


Leverkusener Rot-Sucht

Aleksander Dragovic,Jhon Cordoba

Fünf rote Karten in der Liga, eine in der Champions League - Bayer 04 sticht in der Sünder-Statistik mehr als negativ heraus. Dabei spielt die Werkself unter Trainer Peter Bosz gar nicht mal unfair, mit nur 26 gelben Karten weist Leverkusen die viertwenigsten Verwarnungen in der Liga auf.


Dennoch entwickelt sich die rote Karte in Leverkusen zur Tradition, sei es aus Disziplinlosigkeit, welche insbesondere ​Leon Bailey zu zwei glattroten Karten hinreißen ließ oder etwa unglücklichem Zweikampfverhalten. "Wir müssen uns in Zweikämpfen disziplinierter und cleverer anstellen, aufmerksamer sein", so Rolfes über die rote Kartenflut. "Wir dürfen den Schiris nicht die Chance geben, Spieler von uns vom Platz zu schicken."


Effektivität vor dem Tor

Lucas Alario

Dass Leverkusen in der Liga bei nur 23 eigenen Treffern steht, lässt sich definitiv nicht aufgrund des Mangels an Torchancen begründen. Satte 261 Torschüsse in der Hinrunde - Platz vier im Bundesligavergleich - können sich sehen lassen. Am Ende verzweifelt die Werkself allerdings an ihrer eigenen Effektivität.


Dass Bayer 04 es auch anders kann, zeigte mitunter auch der ​2:1-Sieg beim FC Bayern München Ende November, als Leverkusen den Begriff Effektivität für sich neu definierte (23:11 Torschüsse und 75:25 Prozent Ballbesitz für Bayern). Doch dies war der einzige Ausrutscher nach oben, ansonsten blieb Leverkusen vor dem gegnerischen Tor ziemlich blass. Auch die Tatsache, dass die eigene, durchaus als extrem qualitätsvolle Offensive nur dreimal mindestens drei Tore in einem Spiel schoss, ist ernüchternd. Die Leverkusener Toptorschützen Lucas Alario und ​Kevin Volland stehen zudem bei je nur mageren fünf Treffern in der Liga.


Rolfes fordert daher mehr Power im Sturm: "Wir müssen uns im Spiel nach vorne weiterentwickeln, wir brauchen mehr Tore." Logischerweise seien es die Treffer, die über die sportlichen Erfolge der Mannschaft entscheiden: "Wenn wir das [besser] hinbekommen, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir noch lange in drei Wettbewerben unterwegs sind."


Die BayArena als Festung

Moussa Diaby

Während sich Leverkusen erfreulich auswärtsstark zeigt (15 von 28 Punkten in der Fremde geholt), lässt die Heimform zu wünschen übrig. In der Auswärtstabelle noch Zweiter, ist man im heimischen Vergleich lediglich Zehnter der Liga. Nur drei Siege konnte man in neun Heimspielen holen (vier Unentschieden, zwei Niederlagen). Von einer "Festung BayArena" kann da keine Rede sein.


Auch Rolfes ist die fehlende Heimstärke ein Dorn im Auge. "Es bringt nichts aufzurechnen, wie viele Punkte uns nach der Hinrunde fehlen. Aber drei gewonnene Heimspiele sind zu wenig", so der 37-Jährige. Leverkusen muss sich zuhause cleverer, selbstbewusster und schlicht erfolgreicher zeigen, will man nicht weitere wertvolle Punkte verschenken.