Die holländische Eredivisie entwickelt sich immer mehr zum Biotop für deutsche Fußballspieler. Kicker, die in ihren deutschen Vereinen nicht genügend Einsatzzeiten erhalten, nutzen die Liga des Nachbarlandes, um sich sportlich zu entwickeln und in den Fokus zu spielen. So wie Felix Passlack (21).


Seit seinem 14. Lebensjahr spielte Passlack für den ​BVBÜber die Jugendmannschaften der Borussia empfahl er sich schnell für höhere Aufgaben und gab im März 2016, als 17-Jähriger, sein Debüt im Profi-Bereich. Trainer der Schwarz-Gelben damals: Thomas Tuchel. Insgesamt kam er in jener Saison dreimal bei den Profis zum Zug.


In der folgenden Spielzeit kam er in den Genuss von noch mehr Spielzeit, auch bedingt durch die vielen Verletzungen, die die Tuchel-Elf damals zu beklagen hatte. Und er nutzte diese Minuten. So schwang er sich am 22. November 2016 zum bis dato jüngsten deutschen Torschützen in der Champions-League-Historie auf, als er beim verrückten 8:4 der Borussia gegen Legia Warschau treffen konnte. 

Felix Passlack

Doch der endgültige Durchbruch im Profibereich blieb ihm auch danach verwehrt. Und so suchte Passlack in der Fremde sein Glück, ließ sich erst nach Sinsheim zur ​TSG 1899 Hoffenheim, danach in Englands zweite Liga zu Norwich City verleihen. Mit den vom deutschen Trainer Daniel Farke betreuten Kanarienvögel stieg Passlack sogar in die Premier League auf. Und abermals wechselte Passlack die Vereinsfarben. 


In Holland endlich angekommen im Profi-Fußball


Seit der aktuellen Spielzeit 2019/20 spielt er nun auf Leihbasis beim holländischen Erstligisten Fortuna Sittard. Und das mit nachhaltigem Erfolg. Von den bisherigen 18 Spielen der Limburger absolvierte Passlack 17. Lediglich beim letzten Punktspiel des Jahres gegen Willem II wurde er nicht in den Kader berufen. 


Ein Tor und zwei Vorlagen sind ihm, als Rechtsverteidiger, dabei auch schon gelungen. Wie schon einige deutsche Nachwuchskicker vor ihm scheint Passlack in Holland das perfekte Umfeld gefunden zu haben, um im Profifußball die ersten Schritte zu machen. 


Eredivisie - das neue Sprungbrett für deutsche Talente


Und die Liga unserer holländischen Nachbarn scheint dafür geradezu prädestiniert zu sein. Zur Zeit spielen nicht weniger als 30 deutsche Profis in der Eredivisie. Zählt man die noch nicht professionellen Jugendspieler hinzu, kommt man schon auf 58. Für den Junioren-Cheftrainer des DFB, Meikel Schönweitz, sei der Sprung ins Nachbarland "zu vergleichen mit einem Schritt in die zweite oder dritte Liga bei uns." (Quelle: Süddeutsche Zeitung, via transfermarkt.de). 


Rein sprachlich sind die Hürden auch nicht so groß, wie bei Wechseln in andere Länder. Dazu kommt die geographische Nähe zu Deutschland. Doch warum wollen gerade jetzt so viele Deutsche in Holland spielen? Kevin Lux, Benelux-Spezialist bei transfermarkt.de, meint: "Zuvor waren es eher belgische Profis, die gerade wegen der Sprache in die Eredivisie wechselten. Aber ich glaube niederländische Klubs haben auf deutsche Spieler umgestellt, weil sie eine hervorragende Arbeitsmoral an den Tag legen und auch für kleine Vereine bezahlbar sind." 


Und der Trend geht über die Profispieler hinaus. Immer mehr deutsche Jugendspieler tummeln sich im Land der Tulpen. So spielen z.B. von dem aktuellen erweiterten Kader der deutschen U20- und U21-Nationalmannschaft alleine acht (!) Spieler in den diversen Jugendteams von Ajax Amsterdam, Almelo oder anderen Klubs. 


Ein zweischneidiges Schwert


Diese Entwicklung birgt natürlich auch Risiken. "Wenn man sich die A-Jugend-Bundesliga anschaut - die ist eine Europaliga geworden", analysiert Schönweitz.  "Es gibt internationale Transfers aus Frankreich, Spanien, England, Skandinavien bis hin zu den USA. Die Vereine holen sehr viele Ausländer sehr früh nach Deutschland."


In der Folge blockieren manche ausländischen Importe die Plätze für die deutschen Talente - denen dann oftmals nichts anderes übrig bleibt, als in der Fremde ihr Glück zu suchen. Die Gefahr, nach dem Gang ins Ausland vom Radar der DFB-Beobachter zu verschwinden, ist natürlich gegeben. Bestes Beispiel: ​Der von Eintracht Frankfurt umworbene Ragnar Ache


Der heute 21-Jährige spielt seit elf Jahren in Holland, durchlief dort, bei Sparta Rotterdam, sämtliche Jugendteams des Vereins. Doch aufmerksam wurde der DFB erst, als Ache in der laufenden Spielzeit in elf Spielen für die Erste Mannschaft fünf Tore erzielen konnte. Prompt gab es eine Einladung von Stefan Kuntz für die U21. Schönweitz gibt zu: "Den hatten wir vorher noch gar nicht auf dem Schirm."