Mit Erling Haaland hat sich ​Borussia Dortmund wie erwartet im Sturm verstärkt. Der von RB Salzburg verpflichtete Torjäger erweitert die Möglichkeiten für Lucien Favre, der zum Trainingsauftakt einen klassischen Mittelstürmer in seinen Reihen begrüßen darf. Ob Dreier- oder Viererkette, mit zwei Spitzen oder einer - 90min wirft einen Blick darauf, wie der BVB mit Haaland spielen könnte.


4-1-4-1 mit voller Wucht

Julian Brandt,Marco Reus

Im 3-4-3 setzt Lucien Favre auf geballte Offensivpower. Raphael Guerreiro - wahlweise auch Nico Schulz - und Achraf Hakimi bekleiden die Außenverteidiger-Positionen, Julian Brandt gesellt sich zu Axel Witsel ins zentrale Mittelfeld und in vorderster Reihe sorgen Thorgan Hazard, Jadon Sancho und Marco Reus für Torgefahr.


Mit Haaland könnte Favre auf ein 4-1-4-1 wechseln, ohne die Qualität im Angriff zu schmälern. Haaland in der Spitze, Sancho und Hazard auf den Flügeln, Reus und Brandt im offensiven Mittelfeld, Witsel auf der Sechs und Guerreiro und Hakimi in der Außenverteidigung klingt für jeden Gegner äußerst gefährlich.


Der größte Vorteil: Im Strafraum gäbe es wieder einen Zielspieler. Haaland besitzt die körperliche Robustheit, um sich gegen die Innenverteidiger zu behaupten und die Qualität im Abschluss, um die meist flachen Hereingaben von außen zu verwerten. 


Genau wie im 3-4-3 kommen somit auch im 4-1-4-1 die Offensivqualitäten zum Tragen. Für Favre wäre es umso wichtiger, die nötige Balance zu finden, um gegnerische Konter zu unterbinden. Das bedeutet in erster Linie, dass das Spiel gegen den Ball mit Haaland beginnt. 


Zurück zum 4-2-3-1

Mario Goetze,Axel Witsel,Jadon Sancho,Achraf Hakimi

Vor der Systemumstellung beharrte Favre auf ein 4-2-3-1. Der Kader besitzt die nötige Qualität, um die einzige nominelle Sturmspitze mit Zuspielen zu füttern, nicht umsonst erzielte Paco Alcácer in der abgelaufenen Saison 18 Bundesligatore.


Das 4-2-3-1 steht im Gegensatz zum 4-1-4-1 für mehr Kontrolle im zentralen Mittelfeld durch den zweiten Sechser. Dann würde allerdings Julian Brandt vermutlich wieder um regelmäßige Einsatzzeiten kämpfen müssen. Der Nationalspieler war einer der größten Profiteure der Systemumstellung, da Favre auf der Doppelsechs üblicherweise Thomas Delaney oder Julian Weigl neben Witsel aufstellt, dürfte es im 4-2-3-1 wieder eng werden.


4-4-1-1 wie zu Gladbacher Zeiten

Marco Reus

Bei Borussia Mönchengladbach etablierte Favre ein 4-4-1-1 respektive 4-4-2. Marco Reus agierte dabei als hängende Spitze hinter Mike Hanke, der in vorderster Front gesetzt war. Auch beim BVB könnte Favre dieses System wieder einführen, wodurch Reus in einer noch offensiveren Rolle agieren würde als bisher auf der Zehn. 


Als freies Element hinter Haaland könnte der 30-Jährige Unruhe in den gegnerischen Abwehrreihen stiften, ähnlich wie Thomas Müller vor einigen Jahren unter Pep Guardiola. So, wie Robert Lewandowski von den aufgerissenen Lücken profitierte, könnte auch Haaland dann häufiger den gefährlichen Raum besetzen. Offensiv würde der BVB weiterhin mit vier Spielern agieren und eine enorme Gefahr ausstrahlen.


3-4-3 mit Abstrichen

RB Salzburg v Liverpool FC: Group E - UEFA Champions League

Selbstverständlich kann Dortmund auch mit Haaland im 3-4-3 agieren; dann müsste sich einer der gesetzten Spieler aber aus der Startelf verabschieden. Eine mögliche Konstellation könnte aus Reus, Haaland und Sancho bestehen, somit wäre Hazard vorerst raus. Womöglich müsste auch Brandt zurück auf die Bank, dann wiederum würde Reus neben Witsel in die Zentrale rücken.


Wirklich vorstellbar ist diese Variante aufgrund der Abstriche, die Favre machen müsste, nicht. Der einzige Vorteil wäre, dass auf der Bank mindestens zwei Hochkaräter einen neuen Impuls liefern könnten. 


4-3-3 mit kreativen Achtern

Thorgan Hazard,Jadon Sancho

Eine leichte Abwandlung zum 4-2-3-1 könnte in einem 4-3-3 realisiert werden. In diesem System wäre - genau wie im 4-1-4-1 - noch immer Platz für Brandt. 


Der Unterschied: Brandt und Reus wären auf der Acht etwas tiefer positioniert. In puncto Ballsicherheit und Kreativität würde Favre zusätzlich mit Spielmacher Witsel im Zentrum aber keinerlei Abstriche machen. Problematisch würde es erst, wenn die Abstände im Mittelfeld so eklatant wären wie beim FC Bayern unter Niko Kovac. Dieses Ungleichgewicht sorgte für eine extrem hohe Kontergefahr, da die Innenverteidiger und der aufbauende Sechser meist auf sich allein gestellt waren, wenn die beiden vordersten Reihen erfolgreich überspielt wurden.