​Seitdem Hansi Flick beim​ FC Bayern München das Ruder von Niko Kovac übernommen hat, konnte er den wankenden Riesen wieder zurück in die Erfolgsspur bringen. Noch ist zwar weiterhin unklar, ​wie lange der 54-Jährige die Geschicke des Rekordmeisters leiten darf, in einem Interview mit dem kicker äußerte sich Flick nun aber zu der aktuellen Konstellation in der Defensive der Bayern. Dabei lobte er David Alaba und räumte ein, dass auf Jerome Boateng ungewisse Zeiten zukommen.


Eine der ersten Amtshandlungen von Flick war es, den eigentlich fest für die linke Defensivseite vorgesehenen David Alaba ins Abwehrzentrum zu ziehen. Bedingt durch personelle Engpässe war diese Umstellung zwar auch in der Vergangenheit das ein oder andere Mal erfolgt, als Dauerlösung wurde diese Konstellation aber in der Zeit vor Flick nie angesehen.


Flick begeistert von Alaba


Gegenüber der Fachzeitschrift redete Flick gar nicht erst lange um den heißen Brei herum und stellte fest, dass ​David Alaba "zurzeit der Abwehrchef" der Münchner sei. Dabei lobte der Übungsleiter die Entwicklung und Anpassungsfähigkeit des 27-jährigen Österreichers über den grünen Klee: "Ich bin mit ihm total zufrieden, weil er es im Zweikampf gut macht und in Ballbesitz gute Lösungen für die Spieleröffnung hat. Deswegen ist er zurzeit auf dieser Position sehr wichtig."

David Alaba,Alphonso Davies

Dass Alabas neue Rolle bei den Bayern kein Ungleichgewicht in der Hintermannschaft ausgelöst hat, liegt aber nicht nur an den starken Leistungen des österreichischen Nationalspielers. Zur veritablen Dauerlösung konnte diese Variante nur werden, da ​Senkrechtstarter Alphonso Davies den vakanten Posten auf der linken Außenbahn sofort mit Leben füllen konnte und sich von Spiel zu Spiel immer weiterentwickelte. 


Spannend wird dennoch zu sehen sein, wie sich die Gemengelage an der Säbener Straße verändert, wenn sich Sommerneuzugang Lucas Hernandez wieder zurückmeldet und ebenfalls Ansprüche auf einen Stammplatz formuliert.


Flick lässt Zukunft von Boateng offen


Im Gegensatz zu Alaba und Davies durchlebt ​Jerome Boateng nunmehr seit Monaten eine seiner schwersten Zeiten in seiner sehr erfolgreichen Karriere. Bereits in der Saison 2018/19 hatte sich der einstige Stammspieler mit einem Wechsel zu Paris Saint-Germain beschäftigt. Auf Geheiß von Niko Kovac kam ein Deal aber nicht zustande und auch im vergangenen Sommer verpuffte die Hoffnung auf einen Wechsel zu Juventus Turin.


Das Spielerprofil von Jerome Boateng:

​Position​IV
​Alter​31
​Marktwert​15 Mio. Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2021
​FCB-Spiele​301
​FCB-Scorerpunkte​30

(Marktwert laut transfermarkt.de)


In der aktuellen Spielzeit konnte Boateng zwar phasenweise von der Verletztenmisere der Münchner profitieren und kam immerhin auf 15 Pflichtspieleinsätze, wirklich Schwung aufnehmen konnte der ehemalige Nationalspieler aber noch nicht. Dass er zuletzt nicht nur bei der Partie gegen den SV Werder Bremen keine Figur abgab, lag nicht nur an seinen offensichtlichen Tempodefiziten, sondern nach Ansicht von Flick vor allem an den generellen Umständen: "Problematisch für ihn waren außerdem: wenige Spiele, wo doch gerade für ihn der Rhythmus sehr wichtig ist, und genauso die hundertprozentige Fitness, die er auch deshalb nicht hatte."

Jerome Boateng

Flick hatte bereits beim DFB mit Boateng zusammengearbeitet und pflegt auch heutzutage ein gutes Verhältnis zu seinem Schützling. "Ich kam mit ihm immer gut klar, wir sprechen offen über die Defizite. Wenn er nicht spielt, ist er nicht begeistert, nimmt es aber hin. Gegen Wolfsburg hat er nach seiner Einwechslung nach kurzen Startproblemen gezeigt, dass er die Qualität hat, bei Bayern zu spielen." 


Ob Boateng seinen im Sommer 2021 auslaufenden Vertrag in München erfüllen wird, oder womöglich bereits in diesem Winter das Weite sucht, hänge in letzter Instanz vom Spieler selbst ab: "Die Entscheidung über seine Zukunft muss Jerome treffen, weil es seine Karriere ist."