​Übereinstimmenden Medienberichten zufolge ​steht Santiago Ascacibar unmittelbar vor einem Wechsel zu Hertha BSC. Dem Vernehmen nach lassen sich die Berliner den zentralen Mittelfeldspieler des ​VfB Stuttgart rund zehn Millionen Euro Ablöse kosten. Im Gegenzug erhalten die Herthaner einen Spieler, der immer vollen Einsatz zeigt, der aber auch an die Hand genommen werden muss, um sich vollends entfalten zu können.


Als Santiago Ascacibar im Sommer 2017 von seinem argentinischen Ausbildungsverein Estudiantes de la Plata ins Ländle transferiert wurde, war der nur 1,68 Meter große Mittelfeldspieler nur ausgewiesenen Experten des südamerikanischen Fußballs ein Begriff gewesen. Nicht wenige Anhänger der Stuttgarter rümpften daher ihre Nasen, als die stolze Ablösesumme von immerhin sechs Millionen Euro publik wurde. In den darauffolgenden Monaten konnte Ascacibar seine Kritiker aber rasch mundtot machen.


Alptraum für jeden Gegenspieler


Deutlich rascher als befürchtet, konnte sich Ascacibar in der höchsten deutschen Spielklasse akklimatisieren und kam gleich in seiner Debütsaison in Deutschland auf stolze 29 Ligaspiele. In seiner ersten Spielzeit wurde der Gaucho dabei ausnahmslos im defensiven Mittelfeld eingesetzt und hinterließ durch seinen unbändigen Einsatz mächtig Eindruck. Auch in der darauffolgenden Spielzeit war Ascacibar nicht aus der Mannschaft der Stuttgarter wegzudenken, konnte den Abstieg aber nicht verhindern.


Eine Statistik zeigte dabei stets klar auf, welchem Spielertyp Ascacibar angehört. So sammelte er in seinen beiden Erstliagsaison jeweils stolze zehn gelbe Karten und verdiente sich dabei jede einzelne Verwarnung durch knüppelhartes Defensivspiel. Dabei brillierte Ascacibar in seinen besten Momenten als kaum zu überwindendes Hindernis und machte sich als gewiefter Abfangjäger bei seinen Gegenspielern alles andere als beliebt.


Kaum zu bändigendes Temperament


Nicht verschweigen sollte man dabei aber, dass mit Ascacibar gelegentlich auch die Gäule durchgehen. Unsäglich war dabei vor allem eine Disziplinlosigkeit in der Vorsaison, als Ascacibar beim Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen von allen guten Geistern verlassen war und seinen ​Gegenspieler Kai Havertz anspuckte. Die darauffolgende Sperre war folgerichtig und war ein nicht wegzudiskutierender Nachteil im hitzigen Abstiegskampf der Schwaben.

Patrick Ittrich,Santiago Ascacibar

Das Temperament des 22-jährigen Argentiniers macht sich aber nicht nur bei augenscheinlichen Disziplinlosigkeiten bemerkbar. So mancher VfB-Trainer, insbesondere der vor kurzem entlassene Tim Walter, verzweifelte an dem zuweilen ausbaufähigen Spielverständnis des Youngsters. Cleveren Gegenspielern gelang es immer häufiger, den angriffslustigen Mittelfeldspieler aus seiner angedachten Rolle herauszulocken und so Lücken im VfB-Konstrukt zu offenbaren.


Offensiv noch ordentlich Luft nach oben


Zuletzt kristallisierte sich ob der Stärken des zweifachen argentinischen U23-Nationalspielers immer mehr heraus, dass Ascacibar auf der Acht besser aufgehoben ist, als auf der Sechs. Ein Stratege mit 360-Grad-Blick wird aus dem Argentinier in seinem Fußballerleben wohl nicht mehr, richtig eingesetzt ist das robuste Stehaufmännchen aber definitiv eine echte Waffe.


Das Spielerprofil von Santiago Ascacibar:

Position​ZMF​
​Alter​22
​Marktwert​10 Mio. Euro
​VfB-Spiele​74
​VfB-Torbeteiligungen​3


(Marktwert laut transfermarkt.de)


Dass Ascacibar bei richtiger Behandlung durchaus lernfähig ist, konnte er in den letzten Monaten zumindest phasenweise andeuten. Das Spielsystem unter Tim Walter verlangte von Ascacibar deutlich mehr Tiefenläufe und eine aktive Teilnahme am Offensivspiel der Stuttgarter ab. War ihm in seiner gesamten Zeit beim VfB zuvor nur eine Torvorlage vergönnt gewesen, konnte Ascacibar im Laufe der Hinrunde zumindest seinen ersten Pflichtspieltreffer und eine weitere Torbeteiligung bejubeln.


Das Ende der Fahnenstange dürfte jedoch auch hier noch lange nicht erreicht sein, schließlich sollte man sich immer wieder vor Augen führen, dass Ascacibar noch den größten Teil seiner Karriere vor sich hat.