Für Eintracht Frankfurt geht ein anstrengendes, aber auch äußerst erfolgreiches Jahr zu Ende. Im Interview mit der ​FAZ freute sich Klubpräsident Peter Fischer über den sportlichen Erfolg und ärgerte sich über die Fan-Ausschreitungen im Europapokal.


Der überraschende Pokalsieg im Mai 2018 war nur die erste Etappe der neuen Frankfurter Eintracht. In der Folgesaison sorgte die Mannschaft, angeführt von Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller, für Furore, hielt sich lange im oberen Tabellendrittel der ​Bundesliga auf und kämpfte in der Europa League sogar um den Titel. 


Die Hürden waren groß und namhaft, doch egal ob Lazio Rom, Inter Mailand oder Benfica - die Eintracht ging in jedem Spiel an ihre Leistungsgrenze. Erst im Halbfinale war der Gegner eine Nummer zu groß, in zwei packenden Spielen setzte sich der spätere Turniersieger ​FC Chelsea im Elfmeterschießen durch. 


In der aktuellen Spielzeit lief es zum Ende der Hinrunde nicht ganz so rund, davon will sich Peter Fischer die vergangenen zwölf Monate aber nicht schlechtreden lassen: "2019 war für uns alle ein Lichtjahr. In den 120 Jahren Geschichte von Eintracht Frankfurt gehört es zu den herausragendsten, die es je bei uns gegeben hat. Ein absolutes Leuchtjahr! Und das gilt für alle Bereiche", so der Klubpräsident gegenüber der FAZ.


Frankfurt hat "Blut geleckt"


"Wir haben uns in der Europa League gegen Champions-League-Klubs behaupten können. Wir haben Arsenal auswärts geschlagen", sagte Fischer - doch damit nicht genug: "Und 2020 wird es im Sechzehntelfinale mit Salzburg weitergehen. Wir haben Blut geleckt und wollen am liebsten dauerhaft international spielen."

Eintracht Frankfurt v Benfica - UEFA Europa League Quarter Final : Second Leg

  Nach dem Halbfinal-Einzug in der Europa League feierten die Spieler mit den Fans. Szenen wie diese sollen kein einmaliges Erlebnis bleiben.



Die Aussicht auf die erneute Qualifikation für den internationalen Wettbewerb ist allerdings gering, seit dem fulminanten 5:1-Sieg über den FC Bayern sammelte die Eintracht in der Bundesliga nur einen Punkt aus sieben Spielen. Die Mannschaft überwintert auf Platz 13, der Rückstand auf die Europapokalplätze beträgt neun Punkte.


Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die intensive Spielweise hat ihre Spuren hinterlassen, allein in diesem Kalenderjahr hat die Eintracht 56 Pflichtspiele absolviert. Aufgrund der Europa-League-Qualifikation ging der Spielbetrieb bereits Ende Juli wieder los, in drei Wochen beginnt die Rückrunde. Lange Verschnaufpausen ist man am Main längst nicht mehr gewöhnt. 


Fischer bleibt demütig - und sagt Chaoten den Kampf an


Hinzu kommen Neuzugänge, die bislang hinter den Erwartungen geblieben sind. Sportvorstand Fredi Bobic wird in Absprache mit Adi Hütter den Kader optimieren müssen, um auch im neuen Jahr angreifen zu können. Denn eines ist sicher: Mit den Abstiegsplätzen - die aktuell nur drei Punkte entfernt sind -  will die Eintracht nichts mehr zu tun haben.


"Die Sehnsucht nach Erfolgen" werde laut Fischer "immer stärker. Und irgendwann wollen wir alle auch gerne nach Madrid oder Barcelona." In Anbetracht der derzeitigen sportlichen Situation erklärte er jedoch umgehend: "Aber wir, die die Verantwortung tragen im Vorstand, Präsidium, Aufsichtsrat und Verwaltungsrat, werden nie den Blick für die Realität verlieren. Keinem von uns wird die Demut abhanden gehen. So weit sind wir nicht. Das wissen wir."


Mit Weitsicht und einem realistischen Blick auf den Status Quo soll die SGE Schritt für Schritt zu einer Spitzenmannschaft werden. Das ist zumindest der Wunsch von Präsident Fischer, der nach den Fan-Ausschlüssen in der Europa League bei künftigen Ausschreitungen härter durchgreifen will: "Wer Mitglied ist und von uns als Randalierer im Stadion identifiziert wird, der muss sich vor der Vereinsgerichtsbarkeit verantworten. Wir wollen uns den Fußball und die gute Entwicklung der Eintracht nicht kaputtmachen lassen."