Mit viel Medienrummel wurde am Sonntag ​der Wechsel von Schalke 04-Torwart Alexander Nübel zum ​FC Bayern München verkündet. Der FCB schnappt sich mit dem ablösefreien Transfer eine langfristige Perspektive für die Torhüterposition und hat im kommenden Sommer damit ein Luxusproblem. Gleich vier Torhüter gilt es zu beschäftigen, nachdem mit Nübel eine weitere Option in den Kader rückt. Gedanken um die Zukunft werden sich insbesondere Sven Ulreich und Christian Früchtl machen.


​Vom Transfer unbeeindruckt bleibt wohl Manuel Neuer. Mit Nübel kommt zwar ein ernstzunehmender Konkurrent und wohl auch sein kommender Nachfolger an die Isar, dennoch ist am Standing der derzeitigen Nummer Eins nicht zu rütteln. Anders sieht das da schon bei den Ersatzkeepern Ulreich und Früchtl aus. Während Ulreich als kommende dritte Torwartoption noch weniger Einsätze bekommen dürfte, sieht sich Früchtl seine Zukunft verbaut.


Die aktuelle Situation von Früchtl und Ulreich


Der 19-Jährige Früchtl gilt als eines der größten Torwarttalente Deutschlands und macht durch derzeit gute Leistungen in Münchens zweiter Mannschaft auf sich aufmerksam. Auch er galt als möglicher Perspektiversatz für Platzhirsch Neuer, allerdings ändert die Verpflichtung Nübels die bislang guten Aussichten auf seine Bayern-Zukunft.

Christian Fruechtl


Mit Ulreich wiederum hat der ​FCB bereits jetzt einen der besten Ersatzkeeper der Bundesliga, der während Neuers Verletzungen zuverlässig das Tor hütete. Sogar die Nationalelf klopfte zwischenzeitlich bei Ulreich an. Dass der 31-Jährige nach seinem Wechsel 2015 auf insgesamt 69 Pflichtspieleinsätze für den Rekordmeister kommen würde, hätte wohl kaum jemand erwartet. Der Routinier geht inzwischen auf den Herbst seiner Karriere zu.


Beide Keeper sind grundsätzlich zu gut für ihre aktuelle Situation. Ulreichs Qualitäten würden definitiv noch für die Bundesliga ausreichen, während Früchtls Sprung in ein Team aus den ersten beiden deutschen Ligen auch nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte. Ihre Einsatzchancen beim FCB haben sich jedenfalls nach der Transfermeldung Nübels nicht gebessert.


Früchtl und Ulreich sollten sich umschauen


Es erscheint derzeit unwahrscheinlich, dass der FC Bayern ab kommenden Sommer mit vier Torhütern in die Saison geht. Mindestens einem Keeper wird wohl die Freigabe für einen Wechsel erteilt werden, um die Auswahl auf der Position zu verdünnen und schlechte Stimmung zu vermeiden.


Als gut möglich erscheint dabei eine Leihe von Talent Früchtl. Der im Sommer dann 20-Jährige könnte den Sprung zu einem ambitionierten deutschen Klub wagen, der FCB wird seinen Schützling allerdings nicht allzu schnell verlieren wollen. Dass Früchtl noch längerfristig Torwart der Münchner U23 bleiben könnte, ist wohl keine Option. Zu groß ist das Talent des Jungen, zu groß ist sein Wunsch, höherklassig zu spielen und sich anzubieten.


Doch auch ein Transfer von Ulreich ist denkbar. Der ehemalige Stuttgarter hat sich durch seine vorbildliche Rolle als zweiter Torwart einen guten Ruf beim FCB erworben, wodurch ihm wohl keine Steine in den Weg gelegt werden würden, falls ein Wechsel im Raum stehe. Es ist fraglich, ob sich Ulreich mit der Rolle als dritten Torwart und dem damit verbundenen Tribünenplatz zufriedengeben würde. Er könnte einen womöglich letzten Karrierewechsel planen.


Es ist also im Endeffekt das übliche Problem von zu viel Qualität auf einer Position: Irgendwer muss zurückstecken, da andere den Vorzug erhalten. Da mit Neuer und Nübel die ersten beiden Plätze im Tor sicher vergeben sind, ist ein Umbruch auf den hinteren Positionen zu erwarten.