​Wenn von den großen Gewinnern des Trainerwechsel beim ​FC Bayern München die Rede ist, fiel in den vergangenen Wochen viel zu selten der Name ​Thomas Müller. Dabei legte der Ex-Nationalspieler heimlich still und leise unterm Strich eine überzeugende Hinrunde hin und konnte gegen den VfL Wolfsburg sogar eine neue Bestmarke in der Bundesliga setzen.


Ein Stürmer und als solcher wird Thomas Müller gemeinhin bezeichnet, wird seit jeher vor allem an einer Statistik gemessen: den Toren. Mit gerade einmal fünf Saisontreffern - zwei davon in der Bundesliga - konnte sich der 30-Jährige dabei nicht sonderlich gut in Szene setzen und könnte im Gegensatz zu Mittelstürmer Robert Lewandowski (30 Saisontore!) als ziemliche Graupe verunglimpft werden. Wäre da nicht eine andere Statistik, in der Müller dieser Tage auftrumpft, wie kein anderer vor ihm.


Glänzender Vorbereiter


Beim 2:0-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg konnte Müller bereits seine elfte Torvorlage in dieser Saison verbuchen und sorgte damit für ein Novum. Seit der Datenmessung war es noch keinem Spieler jemals gelungen, innerhalb einer Hinrunde derart viele Assists anzusammeln. BVB-Yougster ​Jadon Sancho ist mit zehn Vorlagen aktuell zwar nur knapp hinter Müller, stand dabei aber knapp 400 Minuten länger auf dem Rasen.

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Nicht vergessen sollte man bei der stolzen Statistik von Müller schließlich, dass der Ur-Bayer unter Ex-Coach Niko Kovac zu Saisonbeginn nur selten erste Wahl gewesen und häufig nur als Edeljoker zum Einsatz gekommen war. Seit der Amtsübernahme von ​Hansi Flick ist Müller aber wieder mehr als nur ein Teilzeitarbeiter und konnte sowohl auf dem Flügel, als auch als offensiver Mittelfeldspieler überzeugen. Mit Ausnahme der Partie gegen den SC Freiburg, war der ehemalige Nationalspieler innerhalb der letzten sieben Ligaspiele der Münchner stets mindestens an einem Treffer direkt beteiligt gewesen.


Müller wieder ein wichtiger Faktor


Während sich Müller zu Kovac-Zeiten immer intensiver mit einem möglichen Abgang von der ​Säbener Straße beschäftigt hatte, fühlt sich der Führungsspieler im System von Hansi Flick sichtlich wohl und strotzt wieder von dem Selbstvertrauen, dass ihn einst zu einem der gefürchtetsten Offensivspieler in Europa hatte werden lassen. Dieser Aufschwung schlägt sich auch in weiterem Zahlenwerk wieder. So ist Müller auch in Sachen kreierter Großchancen (1,14 pro Spiel) ligaweit das Maß aller Dinge und muss sich auch bei den Torschussvorlagen (2,99 pro Partie) nur hinter Leipzigs Christopher Nkunku einreihen.


Das Spielerprofil von Thomas Müller:

​Position​HS
​Alter​30
​Marktwert​32 Mio. Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2021
​Bayern-Spiele​510
​Bayern-Tore​190
​Bayern-Vorlagen​180

Doch nicht nur die nackten Zahlen unterstreichen, wie wichtig Müller wieder geworden ist. Einer der größten Profiteure der Leistungssteigerung des gebürtigen Weilheimers ist dabei mit Sicherheit auch Torjäger Robert Lewandowski, der bei seiner Toreflut häufig auch davon profitiert hat, dass der Raumschleicher Thomas Müller durch seine unkonventionellen Laufwege immer wieder Freiräume für seine Mitspieler schafft. 


Das aktuelle Arbeitspapier des Münchners läuft im Sommer 2021 aus. Gelingt es dem Angreifer seine starke Form der vergangenen Wochen auch zum Start des neuen Jahrzehnts zu bestätigen, dürfte die Müller-Ära in der bayerischen Landeshauptstadt noch lange nicht beendet sein. Ziele gibt es trotzt der vielen Titel in Müllers Trophäenschrank immer. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Titel des besten Vorbereiters innerhalb einer ganzen Saison? Die Marke des ehemaligen Wolfsburgers ​Kevin de Bruyne aus der Saison 2014/14 mit 22 Vorlagen scheint schließlich durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen.