Der Sonntagmorgen begann mit einem Paukenschlag für den FC Schalke 04. Nach entsprechenden Berichten der WAZ bestätigte der Klub, dass Alexander Nübel den auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde. BILD-Enthüllungen zufolge soll es den 23-jährigen Torhüter ​zum FC Bayern München ziehen, wo er langfristig in die Fußstapfen von Manuel Neuer treten soll. Trifft Nübel, sofern diese Behauptung stimmt, die richtige Entscheidung, oder hat er sich verzockt?


Der ​FC Bayern würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nübel gilt als größtes deutsches Torwart-Talent, das nach guten Leistungen bei der U21-Nationalmannschaft in der Rückrunde der abgelaufenen Saison Ralf Fährmann als Nummer eins auf Schalke abgelöst hat. Mit guten Leistungen war er entscheidend am Klassenerhalt beteiligt, zur neuen Saison stieg er unter David Wagner sogar zum neuen Mannschaftskapitän auf.


Dass Nübels Spiel noch längst nicht perfekt ist, wurde in dieser Hinrunde offensichtlich. Beinahe schon zu selbstbewusst zeigte er sich in einigen Aktionen auf und neben dem Feld, als Höhepunkt ist das grobe Foulspiel gegen Eintracht Frankfurts Mittelfeldspieler Mijat Gacinovic zu werten. Ohne triftigen Grund eilte Nübel weit aus seinem Tor heraus, verschätzte sich beim Versuch, den Ball zu klären und traf Gacinovic im Kung-Fu-Stil. Das Sportgericht entschied auf eine Sperre über vier Spiele, ab dem 20. Spieltag wäre Nübel wieder spielberechtigt.

Markus Schubert

Hat seine Chance genutzt: Ersatztorhüter Markus Schubert könnte Nübel womöglich ab der Rückrunde ablösen.


Ob er noch einmal für Schalke auflaufen wird, ist fraglich - einerseits, weil Vertreter Markus Schubert ​sowohl gegen die Eintracht als auch gegen den VfL Wolfsburg und den SC Freiburg gute Leistungen zeigte, andererseits weil die Trennung im Sommer ​die Gemütslage auf Schalke nach der harmonischen Hinrunde erhitzt.


Bayerns klarer Plan mit Nübel


Laut BILD soll er im Sommer zum FC Bayern wechseln und einen langfristigen Vertrag bis 2025 unterschreiben. Zusätzlich peilt der Rekordmeister jedoch eine Verlängerung mit Manuel Neuer an. Der 33-Jährige steht derzeit bis 2021 unter Vertrag, das neue Arbeitspapier soll bis 2023 laufen. Durch das tagtägliche Training mit Neuer und geregelten Einsätzen, die in Absprache mit dem Münchner Kapitän getroffen werden sollen, soll Nübel kontinuierlich an den Stammplatz herangeführt werden.

Manuel Neuer

  Will noch einige Jahre zwischen den Pfosten stehen: Manuel Neuer.


Aktuell wäre an Neuer aber kein Vorbeikommen. Seit über einem halben Jahr hütet der Routinier das Münchner Tor zuverlässig, auch in den kommenden Jahren wird er zwischen den Pfosten stehen wollen. Allerdings ist dies davon abhängig, wie gut seine Leistungen sein werden und ob er weiterhin von Verletzungen verschont bleibt. Denn auch an Neuer nagt der Zahn der Zeit. Im Februar dieses Jahres musste er kurzzeitig wegen einer Verletzung am Finger pausieren, nach kurzen Wadenproblemen wurde er im April von einem Muskelfaserriss außer Gefecht gesetzt und kehrte erst im DFB-Pokalfinale auf den Platz zurück.


Paradebeispiel Sven Ulreich


Dass man sich jedoch auch im Schatten von Neuer weiterentwickeln kann, bewies Sven Ulreich. Die Nummer zwei vertrat Neuer in der Saison 2017/18 in 47 Pflichtspielen, Angst und Bange musste Mitspielern und Fans aber nicht werden. Ulreich zeigte starke Leistungen, zählte durchaus zu den besten Torhütern der ​Bundesliga. Ähnliche Entwicklungsschritte könnte auch Nübel machen, der mit 23 Jahren noch am Anfang seiner Karriere - die bei Torhütern bekanntlich länger dauert als bei Feldspielern - steht. 


Ausschlaggebend ist nichtsdestotrotz Spielpraxis. Sollte Nübel tatsächlich geregelte Einsätze bekommen, könnte er auf diese Weise den Konkurrenzkampf ankurbeln und Neuer womöglich schon eher zwischen den Pfosten ablösen. Schon Alphonso Davies, der zu den Shootingstars der Hinrunde zählt, soll laut The Athletic mit einem klaren und langfristigen Plan von einem Wechsel an die Isar überzeugt worden sein; ähnlich würden die Bayern auch bei Nübel vorgehen, sollte die entsprechende Meldung der BILD stimmen.


Denn grundsätzlich haben junge Spieler beim Rekordmeister eine Chance. Niklas Süle ist seit seiner Verpflichtung von der TSG Hoffenheim im Sommer 2017 Stammspieler, auch Serge Gnabry und Kingsley Coman zählen längst zu Leistungsträgern. Neben Davies erhielt auch Nachwuchsspieler Joshua Zirkzee zuletzt drei Einsätze. Auf der Torwart-Position gestaltet sich die Situation anders, aber Nübel besitzt zweifelsfrei das Potenzial, um das Niveau zu erreichen, das beim FC Bayern gefordert wird. Ein Leihgeschäft könnte ihm ebenfalls zugute kommen, laut der SZ ist dies eine Option. 


Was wird aus Früchtl?


Gleichbedeutend würde Christian Früchtl wohl keine Planungen bei der Neuer-Nachfolge spielen. Das Eigengewächs wurde lange als Torhüter der Zukunft gehandelt, sammelt aktuell auch Spielpraxis in der dritten Liga. Ein Transfer von Nübel würde die bisherigen Pläne aber durchkreuzen und Früchtl würde wahrscheinlich nur zur Nummer zwei aufsteigen. Vielmehr sieht es danach aus, als würde sich der FC Bayern zum zweiten Mal ein Torwart-Talent vom FC Schalke sichern.