Im Interview mit dem Schweizer Blick sprach sich Roman Bürki für Lucien Favre aus. Der Stammtorhüter von Borussia Dortmund äußerte sich des Weiteren zur angepeilten Meisterschaft und die Mentalitätsdebatte, die die Mannschaft während der Hinrunde begleitete.


Hinter Borussia Dortmund liegt eine Halbserie mit Höhen und Tiefen. Angefangen hat die Bundesligasaison 2019/20 mit einem 5:1-Heimsieg über den FC Augsburg, ​kurz vor Weihnachten verlor Schwarz-Gelb mit 1:2 bei der TSG Hoffenheim. Von 26 Pflichtspielen wurden 14 gewonnen, neben sieben Remis gab es jedoch auch fünf Niederlagen - und damit nur drei weniger als in der gesamten vergangenen Saison. 


​In einer Mannschaft mit schwankenden Leistungen war Roman Bürki eine der wenigen Konstanten. Der Schlussmann hat sich in den vergangenen 18 Monaten kontinuierlich gesteigert, Fehler wie im Topspiel gegen RB Leipzig, als er Timo Werner den Ball mit einer missglückten Rettungstat auf dem Silbertablett servierte, sind eine Seltenheit. Vielmehr glänzte er in wichtigen Spielen mit zahlreichen Paraden und erwies sich als einer der besten Torhüter der Liga.

Roman Buerki

  Roman Bürki teilt die Zielvorgabe der Vereinsführung.


Der Schweizer ist ambitioniert und teilt das von den Vereinsbossen aufgerufene Ziel, das nicht weniger lautet, als die Meisterschale erstmals nach 2012 wieder nach Dortmund zu holen. "Ich finde es gut. Nach so einer Saison wie unserer vergangenen, als wir an 21 von 34 Spieltagen Erster waren, kannst du doch nicht hinstehen und sagen, wir wollen Vierter werden", so Bürki gegenüber dem Blick


Dass die Hinrunde nicht so verlief wie erhofft, habe jedoch unterschiedliche Gründe. Einerseits habe die Integration der Neuzugänge Thorgan Hazard, Julian Brandt und Nico Schulz in das Dortmunder Spiel Zeit benötigt, andererseits hätten "andere, die in der vergangenen Saison überragend waren, diese starken Leistungen ganz natürlich nicht permanent abrufen" können. "Aber der Wille und das Ziel bleiben unverändert", so Bürki, "wir wollen um den Meistertitel spielen."


Bürki stärkt Favre den Rücken


Diese Zielvorgabe teile auch Lucien Favre, der in seiner zweiten Saison beim BVB gehörig unter Druck steht. "Ich kann mich nicht genau in seine Lage versetzen. Aber für einen Trainer ist die Zielvorgabe Meister natürlich ein enormer Druck", stärkt Bürki seinem Landsmann den Rücken, und erinnerte angesichts des sieben Punkte großen Rückstands auf RB Leipzig an die vergangene Saison: "Es ist immer noch alles möglich, die Bayern holten letzte Saison neun Punkte auf uns auf."

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    Wieder im Blickpunkt: Lucien Favre. Von Roman Bürki erhält der BVB-Coach Rückendeckung.


In den Medien und auch bei Teilen der Fans stand Favre zwischenzeitlich massiv unter Beschuss, nach den letzten beiden Partien kochte die Kritik wieder hoch. Für den Umgang mit dem Trainer hat Bürki kein Verständnis: "Ich hatte noch nie einen Trainer, der so krass kritisiert wurde. Ich versteh's auch nicht, Lucien Favre war schon immer so, er geht in der Öffentlichkeit nun mal nicht so aus sich raus wie andere." Der 29-Jährige zog eine Parallele zu Niko Kovac, dessen Zukunft beim FC Bayern über Monate hinweg hinterfragt wurde, ehe Anfang November die Trennung folgte. "Von daher ist es ein sehr undankbarer Job", so Bürki, "vor allem, weil eigentlich die Spieler dafür verantwortlich sind, was dann auf dem Platz geschieht. Aber der Trainer ist nun mal das schwächste Glied."


Fehlende Mentalität? Bürki hört diesen Vorwurf nicht gerne


Doch auch die Mannschaft bekam einige Male ihr Fett weg. Im Herbst wurde hitzig über den Mentalitätsbegriff diskutiert, Auslöser war ein Interview von Marco Reus mit Sky-Reporter Ecki Heuser nach dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt (2:2). Für Bürki sei es "etwas vom Schlimmsten, wenn man dir fehlende Mentalität vorwirft", jedoch hänge es sehr wohl mit "Mentalität" zusammen, "wenn du auf dem Platz nicht das abrufst, was du kannst." 


Spätestens in der Rückrunde wird der BVB unter Beweis stellen müssen, dass die Mentalitätsdebatte fehl am Platz ist. Denn in den vergangenen beiden Spielen waren es allen voran die Spieler, die sicher geglaubte Punkte aus der Hand gaben. Sobald diese Fehler abgestellt werden, gehört Dortmund zum engsten Kreis der Titelfavoriten.