Der FC Bayern München hat eine turbulente Hinrunde 2019/20 hinter sich. Durch den Sieg gegen den VfL Wolfsburg wird der Rekordmeister auf dem dritten Tabellenplatz überwintern, dabei sah die Ausgangslage nach der Niederlage in Mönchengladbach anders aus. 90min benennt die Tops und Flops der Hinrunde. 


Top: Robert Lewandowski

Robert Lewandowski

In der Bundesliga sucht Robert Lewandowski seit Jahren seinesgleichen. Der Pole ist der konstanteste Mittelstürmer der ​Bundesliga, in dieser Saison hat er noch einmal ein neues Leistungsniveau erreicht. 


An den ersten elf Spieltagen erzielte Lewandowski sagenhafte 16 Tore, nach der Hinrunde stehen 19 zu Buche. Ärgster Konkurrent um die Torjägerkanone ist Timo Werner mit 18 Toren. Wettbewerbsübergreifend netzte Lewandowski den Ball im Übrigen schon 30 Mal in 24 Pflichtspielen ein.


Flop: 1:5 gegen Eintracht Frankfurt

FBL-GER-BUNDESLIGA-FRANKFURT-BAYERN-MUNICH

Unter Niko Kovac leistete sich der FC Bayern einige Ausrutscher. Zum Auftaktspiel reichte es gegen Hertha BSC nur zu einem 2:2, auch gegen RB Leipzig, 1899 Hoffenheim und dem FC Augsburg sprang kein Sieg heraus. Vor dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt stand Kovac unter großem Druck, statt des erhofften Befreiungsschlags erlebte der Kroate allerdings sein letztes Spiel als Bayern-Trainer.


Die Mannschaft geriet bereits nach wenigen Minuten in Unterzahl, wirkte phasenweise völlig von der Rolle und wurde von einer hungrigen Frankfurter Truppe überrumpelt. Nach 90 Minuten stand ein 1:5 auf der Anzeigetafel, so hoch verloren die Bayern letztmals im April 2009 gegen den VfL Wolfsburg. Einen Tag später gab der Klub die Trennung von Kovac bekannt, Interimstrainer Hans-Dieter Flick übernahm.


Top: Hansi Flick

Hansi Flick

Unter Flick, der nach dem Abgang von Peter Hermann als neuer Assistent verpflichtet worden war, fanden die Münchner wieder in die Erfolgsspur. Der 54-Jährige gewann seine ersten vier Pflichtspiele mit einem Torverhältnis von 16:0, nach zehn Spielen steht er bei einem Schnitt von 2,40 Punkten pro Spiel.


Flick lässt einen offensiv ausgerichteten und äußerst riskanten Fußball spielen, das von Niko Kovac aufgebaute Fundament war dafür praktisch nicht geeignet. Noch hat die Mannschaft innerhalb des Spiels mit einigen Problemen zu kämpfen, die Tendenz geht aber eindeutig in die richtige Richtung. Mittlerweile wurde bestätigt, dass Flick die Mannschaft mindestens bis Saisonende betreuen wird. 


Flop: Wackelige Defensive

Jerome Boateng,Heung-Min Son,Joshua Kimmich,Manuel Neuer

Mit Ausnahme von einigen Partien durfte sich Manuel Neuer nicht über zu wenig Arbeit beschweren. Über die gesamte Hinrunde hinweg zeigen sich die Bayern anfällig für Konter, besonders unter Kovac wurden schnelle Gegenstöße des Gegners zu einem echten Problem. 


Allein in der Bundesliga stehen 22 Gegentore zu Buche, lediglich Borussia Dortmund (24) und 1899 Hoffenheim (28) haben von allen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte noch mehr kassiert. In 26 Pflichtspielen blieb Neuer nur acht Mal ohne Gegentor, was auch an der von Verletzungen gebeutelten Innenverteidigung liegt.


Top: Alphonso Davies

Alphonso Davies

Mit vielen Vorschusslorbeeren wechselte Alphonso Davies im Januar von den Vancouver Whitecaps zum FC Bayern. Zehn Millionen Euro legten die Münchner für den kanadischen Teenager auf den Tisch, spätestens seit Oktober ist allen Beteiligten klar, dass sich diese Investition ausgezahlt hat.


Davies besticht durch sein hohes Tempo, körperliche Robustheit und seiner jugendlichen Unbekümmertheit. Über 90 Minuten sprintet er die linke Außenbahn rauf und runter, setzt sich dabei offensiv wie defensiv mitunter gegen mehrere Spieler durch und wagt mit jeder nächsten Aktion einen neuen Anlauf. Von Rückschlägen lässt er sich nicht unterkriegen. In der Rückrunde wird er vermutlich mit David Alaba konkurrieren, langfristig betrachtet ist Davies wohl der designierte Ersatz für den Österreicher.


Flop: Extreme Verletzungssorgen

Kingsley Coman

Das Aufgebot des FCB misst 21 Feldspieler, 17 davon dürfen sich zum Stammpersonal zählen. Gegen Wolfsburg am letzten Hinrundenspieltag standen davon allerdings nur elf zur Verfügung. An der Säbener Straße herrscht großes Verletzungspech: Bereits seit Monaten steht das Innenverteidiger-Duo Niklas Süle und Lucas Hernandez nicht zur Verfügung, hinzu kommen die Ausfälle von Corentin Tolisso, Leon Goretzka und Kingsley Coman. 


Zur Rückrunde dürften Tolisso, Goretzka und wohl auch Coman zurückkehren, Hernandez wird voraussichtlich etwas später sein Comeback feiern. Süle konzentriert sich nach seinem zweiten Kreuzbandriss auf die Europameisterschaft, beim FC Bayern ist er in dieser Saison kein Thema mehr. Das enorme Verletzungspech ist kaum zu erklären, auch andere Bundesligisten wie Werder Bremen oder Borussia Mönchengladbach mussten bzw. müssen auf zahlreiche Akteure verzichten. 


Top: Champions-League-Gruppenphase

Thomas Mueller

Nach dem Achtelfinal-Aus im Vorjahr wollen die Bayern in der Champions League mindestens das Viertelfinale erreichen. In der Gruppenphase lauteten die Gegner Tottenham Hotspur, Olympiakos Piräus und Roter Stern Belgrad, in allen sechs Spielen gab sich die Mannschaft keine Blöße.


Mit voller Punktzahl, 24 erzielten Toren und einem Torverhältnis von +19 erreichte Bayern die K.o.-Runde als bester Gruppensieger aller Zeiten. Im Achtelfinale wartet nun der FC Chelsea, beide Klubs dürften sich dabei an das Endspiel 2012 erinnern.


Flop: Fehlende Dominanz

Ivan Perisic,Robert Lewandowski

Ab der Saison 2012/13 wurden die Bayern zu einer Art Übermacht. Siebenmal in Folge feierte der Klub die Meisterschaft, gewann dazu viermal den DFB-Pokal, erreichte fünfmal das Halbfinale der Champions League und feierte 2013 als erste deutsche Fußballmannschaft das Triple.


Besonders unter Pep Guardiola waren die Bayern in der Bundesliga so dominant wie nie zuvor. Mit Carlo Ancelotti begann die Dominanz zu enden, unter Niko Kovac blieb davon kaum etwas übrig. Der Kroate verfolgte einen Ansatz, der nicht zur Klub-DNA passte. Kovac dachte aus der Defensive heraus und wollte den Gegner nicht über 90 Minuten unter höchsten Druck setzen. 


Hans-Dieter Flick ließ die Dominanz etwas zurückkehren, noch geht den Bayern diese aber verloren. Zu oft beginnen sie zu schwimmen, die Dynamik eines Fußballspiels bereitet ihnen Probleme. Flick wird der Mannschaft beibringen müssen, in Drangphasen des Gegners wieder Tempo aus dem Spiel zu nehmen und die Gefahr über eigene Ballkontrolle zu bannen.