Innerhalb einer Woche feierte Joshua Zirkzee eine doppelte Premiere beim ​FC Bayern. Der Nachwuchsstürmer durfte in Champions League und ​Bundesliga erstmals Profi-Luft schnuppern ​und erzielte gegen den SC Freiburg prompt sein erstes Tor. Doch wer ist Zirkzee überhaupt?


Eigentlich könnte Joshua Zirkzee noch in der U19​-Mannschaft des FC Bayern spielen. Am 22. Mai feierte er seinen 18. Geburtstag, ein paar Tage zuvor stand er jedoch schon über 90 Minuten bei der U23 auf dem Platz. Zirkzee pendelte in der abgelaufenen Saison zwischen beiden Mannschaften, erzielte für die U19 18 Tore in 22 Spielen und durfte sich zur Belohnung eine Stufe höher beweisen. In der Regionalliga Bayern sammelte er je vier Tore und vier Assists in zehn Spielen.


Torjäger mit kurzer Zündschnur


Zirkzee ist mit einem sehr guten Torriecher ausgestattet, besitzt einen guten Blick für die wichtigen Räume, gleicht mit einer Körperlänge von 1,93 Meter einem Hünen und ist für einen Spieler seiner Altersklasse physisch sehr weit. Dass es sich bei ihm um einen 18 Jahre jungen Teenager handelt, würde man auf dem ersten Blick kaum merken. Nur, wenn er wieder einmal hitzköpfig wird, dürfte sich der ein oder andere daran erinnern. Im Finale der B-Junioren-Bundesliga gegen Borussia Dortmund etwa flog Zirkzee in der 80. Minute mit glatt Rot vom Platz, in der Regionalliga fuhr er gleich gegen zwei Spieler der SV Viktoria Aschaffenburg den Ellbogen aus. Er wird lernen müssen, seine Emotionen besser unter Kontrolle zu halten.


Aus Rotterdam nach München


An und für sich ist der niederländische U19-Nationalspieler aber ein großes Talent. Geboren in Schiedam, spielte Zirkzee in seiner Kindheit und Jugend für VV Hekelingen, Spartaan'20, ADO Den Haag und Feyenoord Rotterdam. 2017 folgte der Schritt nach München, auch der FC Arsenal und Manchester United sollen sich um ihn bemüht haben. 


Beim FC Bayern durfte er sporadisch unter Niko Kovac mittrainieren, während der Sommervorbereitung erhielt er einige Spielminuten. Unter Hans-Dieter Flick ist er ein fester Bestandteil im Training der Profis, der 54-Jährige attestierte ihm am Mittwochabend bei Pay-TV Sender Sky eine "bemerkenswerte" Entwicklung. 


Zwei Premieren binnen einer Woche


Vor einer Woche feierte er im Champions-League-Spiel gegen Tottenham Hotspur sein Debüt für die Profis, am Mittwochabend durfte er sich erstmals der Bundesliga präsentieren. Tore hatte er in dieser Saison bislang nur für die U19 erzielt. Bei der zweiten Mannschaft sind ihm Schwierigkeiten auf der Zehn anzumerken, dort ist Kwasi Okyere Wriedt der Torjäger vom Dienst.


In Freiburg aber durfte Zirkzee ganz nach vorne und brachte die Münchner, die in der zweiten Halbzeit gegen mutige Gastgeber ins Schwimmen geraten waren, auf die Siegerstraße. In der Nachspielzeit stocherte er den Ball durch die Beine von Marc Flekken, mit seinem ersten Ballkontakt gingen die Bayern schmeichelhaft in Führung. Kurz darauf erhöhte Serge Gnabry auf 3:1, Freiburg musste sich geschlagen geben.

"Ich dachte: Wenn noch eine Flanke kommt, kann er sie rein machen", begründete Flick die Einwechslung Zirkzees, "er ist ein Stürmer, macht das sehr gut. Er ist seit drei Wochen im Training dabei, seine Entwicklung ist bemerkenswert." Zu viele Lobeshymnen will er auf seinen Schützling aber nicht singen: "Bleiben wir aber alle mal besser auf dem Boden. Es gibt noch viel zu tun für ihn." Zeit hat Zirkzee für seine Entwicklung allemal, ​im September wurde sein Vertrag bis 2023 verlängert


Hat Bayern bereits einen Nachfolger für Lewandowski gefunden?


Mittelfristig ist er als Back-up für Robert Lewandowski geplant, einige Fans haben in den sozialen Medien schon seit Wochen sein Profi-Debüt eingefordert. Das Warten hat sich gelohnt, das Bundesliga-Debüt ist geglückt. Sollte Flick über den Winter hinaus Cheftrainer bleiben, dürfte Joshua Zirkzee noch häufiger zum Einsatz kommen. Und wenn es nach den Fans geht, dann wird er eines Tages in Lewandowskis Fußstapfen treten. 

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