Am Mittwochmorgen lieferte Sport Bild eine neue Enthüllung in Sachen Leroy Sané. Angeblich habe sich der deutsche Nationalspieler endgültig für einen Wechsel zum FC Bayern entschieden, wolle am liebsten schon im Winter zum Rekordmeister stoßen und seine Zelte bei ​Manchester City abbrechen. Sollten die Münchner, sofern diese Behauptung stimmt, bereits im Winter oder doch erst im Sommer zuschlagen?


Es war das Transfer-Drama des Sommers. Monatelang warb der FC Bayern - auch öffentlich - um Leroy Sané, lange Zeit schienen die Bemühungen aber aussichtslos. Das frühere Eigengewächs von Schalke 04, das 2016 für 50,5 Millionen Euro zu Manchester City wechselte, zog sich zurück, auch die Cityzens gaben keine Wasserstandsmeldungen ab. Erst im August kochte das Thema hoch, ehe sich Sané im Spiel um den FA Community Shield gegen den FC Liverpool am Kreuzband verletzte.


Der 23-Jährige kehrte am Montag erstmals auf den Trainingsplatz zurück und soll noch in dieser Saison sein Comeback feiern. Ob das in Manchester oder doch in München geschehen wird, ist laut Sport Bild offen. Am bis 2021 datierten Vertrag hat sich nichts geändert, am liebsten wolle er schon im Winter einen Abgang nach München forcieren. Goal-Korrespondent Jonathan Smith zufolge sei ein Transfer zu den Münchner Bayern im kommenden Jahr praktisch unausweichlich, offen ist lediglich der Zeitpunkt.


Eine Frage des Geldes: Wie viel verlangt City?


Ein Transfer im Januar hängt von mehreren Faktoren ab. Einerseits stehen die Ablösemodalitäten im Vordergrund. Im Sommer sollen die Sky Blues nicht weniger als 150 Millionen Euro gefordert haben, eine vergleichbare Summe wäre ob der Verletzung sowie der kurzen Vertragslaufzeit von 18 Monaten nicht zu rechtfertigen. Wie es heißt, wollen die Münchner den Preis unter 100 Millionen Euro drücken. Diese Summe ist das intern gesetzte Limit bei Spielertransfers, Ende Oktober erklärte Ex-Präsident Uli Hoeneß im Vereinsmagazin 51​"Ich glaube nicht, dass es fallen wird, wenn man sich geschickt verhält."

Geschickt müssen sich die Verantwortlichen nach den zahlreichen öffentlichen Äußerungen im Sommer ohnehin verhalten. Mittlerweile herrscht in der Causa Sané Stillschweigen, einzig hinter den Kulissen dürfte weiter über den Wunschspieler diskutiert werden. Sollten sich beide Klubs bis zum Ende der Januar-Transferperiode nicht auf eine Summe, die alle Parteien zufriedenstellt, einigen, dürfte im Sommer 2020 ein neuer Angriff gewagt werden. Dann beträgt die Restlaufzeit des Vertrags zwölf Monate, und ab Januar 2021 dürfte Sané, sofern er nicht verlängern sollte, mit anderen Klubs verhandeln, ohne City darüber informieren zu müssen.


Damit würde ein ablösefreier Wechsel drohen, den der amtierende englische Meister in Anbetracht des hohen Marktwertes vermeiden will. City bemüht sich seit vielen Monaten um eine Vertragsverlängerung, laut eines Berichts des Online-Portals The Athletic soll Sané aufgrund des angespannten Verhältnisses zu Trainer Pep Guardiola jedoch davon absehen. 


Gerüchte um Oyarzabal und die Frage nach der Defensive


Ungeklärt ist im Zusammenhang mit einem Winter-Transfer aber ohnehin, ob Sané überhaupt die Freigabe erhielte. Medienberichten zufolge haben die Cityzens mit Mikel Oyarzabal von Real Sociedad bereits einen potentiellen Ersatz ins Visier genommen, der 22-Jährige könne die Basken demnach dank einer Ausstiegsklausel in Höhe von 75 Millionen Euro verlassen. Anders als Sané wäre Oyarzabal auf Anhieb einsatzbereit, die eigentliche Problemzone ist aber die Defensive.

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  Aymeric Laporte zog sich im August eine schwere Knieverletzung zu. Ohne den Abwehrchef wackelt die Defensive


Der langfristige Ausfall von Aymeric Laporte war ein herber Nackenschlag, in 17 Premier-League-Spielen hat Man City bereits 19 Gegentore kassiert; in der gesamten Saison 2018/19 waren es gerade einmal 23. Routinier Fernandinho, eigentlich im defensiven Mittelfeld angesiedelt, absolvierte aufgrund der Personalnot all seine bisherigen 18 Saisonspiele in der Innenverteidigung, wirklich sattelfest wirkt die Mannschaft allerdings nicht.


Zusätzlich stellt sich die Frage, ob Guardiola einen internationalen Konkurrenten stärken will. Als bester Gruppensieger aller Zeiten zogen die Münchner ins Achtelfinale der ​Champions League ein, auch Man City schloss die Gruppenphase auf Platz eins ab. Der Gegner im Achtelfinale lautet Real Madrid, die Münchner Bayern treffen erstmals seit dem Finale 2012 auf den FC Chelsea. 


Bayern hätte Klarheit


Aus Sicht des FC Bayern wäre Sané einerseits keine sofortige Verstärkung, andererseits hätte man die Kaderplanung auf den Außenbahnen auf lange Sicht abgeschlossen. Ein Flügel-Trio aus Sané, Serge Gnabry und Kingsley Coman würde nur vor Qualität strotzen und das Niveau in der Offensive noch einmal deutlich anheben. Mit einem Januar-Transfer könnte man den Fokus auf andere Fragen bei der Zusammenstellung des Kaders legen, wie beispielsweise das offensive Mittelfeld. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Bayern auf den Zuschlag bei Kai Havertz hoffen, der gleichbedeutend mit der Rückkehr von Philippe Coutinho zum FC Barcelona wäre.


Noch im Frühjahr könnte Sané sein Debüt feiern, richtig angreifen würde er aber erst zur neuen Saison. Der Transfer im Januar würde jedoch nur dann Sinn ergeben, wenn der Preis stimmt.