Vor einem Monat hat der FC Bayern München damit begonnen, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Nach dem Rückzug von Uli Hoeneß wurde Herbert Hainer zum neuen Vereinspräsidenten gewählt, in zwei Wochen wird Oliver Kahn seinen Platz im Vorstand einnehmen. Im Interview mit Sport Bild zog Karl-Heinz Rummenigge ein erstes und gleichzeitig positives Fazit. Der Vorstandsvorsitzende blickt optimistisch in die Zukunft, äußerte sich zur Trainerfrage und bekannte sich erneut zur Bundesliga.


Herbert Hainer brachte frischen Wind in die Geschäftsstelle des FC Bayern. Der frühere Adidas-Chef, der am 15. November einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt wurde, bezog das Büro von Uli Hoeneß, gestaltete die vier Wände nach seinem Belieben und verbringt Heim- und Auswärtsspielen wie Hoeneß neben Karl-Heinz Rummenigge. Der erste Schritt der Wachablösung beim Rekordmeister wurde vollzogen, das erste Fazit von Rummenigge fällt äußerst positiv aus: "Herbert Hainer hat seinen eigenen Stil, und ich kann jetzt schon nach kurzer Zeit sagen, dass wir sehr gut und sehr konstruktiv zusammenarbeiten. Wir sprechen oft miteinander und tauschen uns über alle wichtigen Themen rund um den FC Bayern aus", sagte der Vorstandsvorsitzende gegenüber Sport Bild (Print).

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        Hinterlässt einen guten Eindruck: Klubpräsident Herbert Hainer.


Das operative Geschäft sei künftig wieder Sache des Vorstandes, Hainer selbst kündigte mehrfach an, das Präsidentenamt zurückhaltender ausüben zu wollen als Vorgänger Hoeneß, der insbesondere medial in den Vordergrund trat. Der Vorstand erhält zum ersten Januar ein neues Mitglied, Oliver Kahn wird dann auf seine künftige Rolle als Vorstandsboss vorbereitet. "Oliver muss den FC Bayern jetzt noch einmal von der Pike auf kennenlernen", erklärt Rummenigge, der den 50-Jährigen in seine neuen Aufgabenfelder "einarbeiten" werde, ehe er zum ersten Januar 2021 vom Ex-Torhüter abgelöst wird. "Dafür wird er alle Abteilungen für jeweils einen gewissen Zeitraum durchlaufen und neu kennenlernen", so Rummenigge weiter. 


Trainerfrage: Rummenigge sucht "die beste Lösung für den FC Bayern"


Das Vertrauen in Kahn sei groß, versichert der 64-Jährige, der im Juli auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic im Vorstand begrüßen darf. Der Bosnier wird zur neuen Saison zum Sportvorstand befördert, eine Entscheidung, die Hoeneß und Rummenigge öffentlich begrüßten. Gemeinsam mit Salihamidzic kümmert sich Rummenigge um die Trainerfrage, die womöglich erst in einigen Monaten beantwortet wird. Regelmäßig spricht sich die Mannschaft für Übergangstrainer Hans-Dieter Flick aus, der den Rekordmeister womöglich bis Saisonende betreuen wird. 

Hansi Flick

Die erfolgreiche Arbeit von Hansi Flick verschafft den Münchnern Zeit, um einen geeigneten Nachfolger zu finden


Druck verspüren die Verantwortlichen nicht, vielmehr nehmen sie sich bewusst viel Zeit, um dem Aufsichtsrat in naher Zukunft den bestmöglichen Kandidaten für den vakanten Posten vorzuschlagen. "Es geht ausschließlich darum, die beste Lösung für den FC Bayern zu finden", erklärt Rummenigge, gesucht werde ein Trainer, der zur Vereinsphilosophie passt: "Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren Top-Trainer wie [Louis] van Gaal, [Jupp] Heynckes oder [Pep] Guardiola. Das waren Trainer-Meilensteine,die ihre Fußspuren hinterlassen haben. Was wir brauchen, ist ein Trainer, der für Ballbesitzfußball auf dem Niveau eines van Gaal, Heynckes oder Pep Guardiola steht."


Dass Flick selbst zur Dauerlösung aufsteigen könnte, wäre ebenso denkbar. Man müsse "die Handschrift eines Trainers sehen", so Rummenigge - dies sei beim langjährigen Assistenten von Bundestrainer Joachim Löw der Fall. "So, wie wir jetzt Fußball spielen, ist es ein Stil, der nicht nur uns, sondern auch den Fans gefällt. [...] Ich finde, er macht einen guten Job."


Lob für die Konkurrenz - Nein zur Europapokal-Reform


Dabei liegen die Bayern vor dem Bundesligaspiel gegen den SC Freiburg am Mittwoch (20.30 Uhr) mit sieben Punkten Rückstand auf Tabellenführer RB Leipzig auf Platz fünf. Die Niederlagen gegen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach bedeuteten einen herben Dämpfer, auch beim 6:1-Erfolg über Werder Bremen tat sich die Mannschaft über weite Strecken des ersten Durchganges schwer. Der aktuelle Tabellenplatz hänge allerdings auch mit der Qualität der Liga zusammen: "Ich finde, die Bundesliga ist in der Spitze besser geworden", so Rummenigge, "von der individuellen Qualität sind Dortmund und Bayern München den anderen vielleicht ein Stück voraus. Ich finde die Entwicklung von Leipzig, Gladbach, Schalke und auch Leverkusen gut, die Liga wird so spannender und emotionaler."


Auch in Zukunft wollen die Bayern in jeder Saison die Meisterschaft anstreben, angesprochen auf eine mögliche Europapokal-Reform oder der Gründung einer Superliga sprach Rummenigge, ​genau wie Herbert Hainer, Klartext: "Ich mache keinen Hehl aus meiner Meinung, dass mir die Champions League in ihrer heutigen Form sehr gut gefällt. Der FC Bayern steht ohne Wenn und Aber zur Bundesliga und zur Champions League."