Es ist wie so häufig in diesem Sport: Eine Szene wird gezeigt, drei Leute sollen sie beurteilen und dreimal fällt das Urteil anders aus. So auch bei dem Foul des Schalke-Keepers Alexander Nübel gegen Eintracht-Stürmer ​Mijat Gacinovic.


Mittlerweile haben sich Gott und die Welt zu der Szene geäußert. Von einer einstimmigen Einschätzung des Ganzen sind wir aber weit entfernt. Das Sportgericht des DFB verurteilte Nübel mittlerweile zu einer Sperre von vier Spielen.


Magath forderte lange Sperre - für Wiese gehört es dazu


Während Felix Magath "die Gesundheit des Gegenspielers (...) in Gefahr" sah und eine drastische Strafe von sechs Wochen forderte (Quelle: sky90 via t-online.de), beurteilte der frühere Werder-Keeper Tim Wiese das ganze etwas unaufgeregter. "Mir gefällt es", sagte Wiese gegenüber der Bild. "Als Torwart musst du deinen Kasten eben mit aller Macht verteidigen. Und wenn du keine Pussy bist, kracht es dann auch mal! Da muss ein Angreifer mal einstecken. Es gehört dazu, auch wenn es solche Szenen heute kaum noch gibt."


Eine der letzten dieser Art, an die ich mich erinnern kann, wurde damals von Tim Wiese höchstselbst protagonisiert. Dem armen Ivica Olic dürfte der Brustkorb heute noch schmerzen, ob des Brutalo-Tritts des Bremer Torhüters im Jahr 2008. Ganz ähnlich sah es am Sonntag in jener 67. Spielminute des Spiels zwischen Schalke 04 und Eintracht Frankfurt aus. Eine fifty-fifty-Szene. Wäre Nübel einen Bruchteil einer Sekunde eher gestartet, hätte er den Ball vielleicht sogar ohne Körperkontakt klären können. 


So aber kam er die entscheidenden Augenblicke zu spät. 

Das ausgestreckte Bein sollte man indes eher als Selbstschutz werten, denn als vorsätzlichen Versuch, dem Gegenspieler die Knochen kaputtzutreten. 

So schätze ich Alexander Nübel schlichtweg nicht ein. Was auch an Nübels unmittelbarer Reaktion auf dem Platz abzulesen war, als er sich, offenbar selbst erschrocken, bei Gacinovic sofort nach dessen Befinden erkundigte und sich entschuldigte. 


Vergleich mit Schumacher-Foul an Battiston


In dieser Linie scheint auch Harald "Toni" Schumacher zu argumentieren, dessen berühmt-berüchtigter Check gegen Patrick Battiston im WM-Halbfinale 1982 natürlich sofort mit der Nübel-Szene in einen Topf geworfen wurde.


"Man kann die Situation nicht mit der Battiston-Geschichte vergleichen", wehrt sich Schumacher gegen diese Vergleiche. "Nübel geht frontal und mit gestrecktem Bein raus. Bei mir passierte es damals eher aus der Bewegung – ich hatte ihn beim Abdrehen mit dem Becken getroffen. Man darf jetzt nicht den Stab über Nübel brechen. Vielleicht war er etwas übermotiviert. Kein Torhüter stürmt absichtlich raus und denkt sich: Jetzt hau ich einen um." (Quelle: bild.de)


Und deshalb sollte diese Debatte auch jetzt beendet sein. 

Zumal das "Opfer" selbst seinem "Übeltäter" längst verziehen hat. 

"Leider passieren solche Zusammenstöße manchmal im Kampf um den Ball. Danke, dass du dich sofort entschuldigst hast. Das kann im Fußball vorkommen", postete Gacinovic auf seinem Instagram-Account.