​5, 3 und 0 - hinter diesen unspektakulären Zahlen verbirgt sich ebenso Unspektakuläres. Nämlich die Torausbeute der drei nominellen Stürmer im Kader des ​HSV


Mit acht Toren hat die als "Sturm" deklarierte Offensiv-Abteilung der Hamburger weniger Treffer erzielt als Sonny Kittel (neun). Nachdem nun der Aufsichtsrat der Hanseaten zugestimmt hat, auf dem Winter-Transfermarkt tätig zu werden, waren in Hamburg eigentlich alle davon ausgegangen, dass zumindest ein Stürmer geholt werden würde. 


Doch die Worte von Dieter Hecking bei seinem gestrigen Auftritt im NDR Sportclub (via mopo.de) lassen durchaus auch andere Szenarien möglich erscheinen. Denn mehr als die Torflaute (trotz des gestrigen Hinterseer-Tores) treibt den Übungsleiter die durch Verletzungen dezimierte Außenbahn, vor allem rechts, um. 


Hecking fokussiert sich auf die Außenbahnen


"Es wäre gut, wenn wir noch einen Außenverteidiger verpflichten könnten, weil wir da mit Vagnoman und Gyamerah zwei Spieler haben, die beide wirklich fantastisch unterwegs waren, aber uns beide mit schwersten Verletzungen wahrscheinlich noch länger ausfallen", sagte Hecking. 


Auch die Tatsache, dass die Notlösung Khaled Narey seinen neuen Job auf der ungewohnten Position recht gut versieht, ändert nichts an der grundsätzlichen Misere. Zumal ein ​Tim Leibold auf der linken Seite - mangels Alternativen - kaum rotationsbedingte Erholungszeiten bekommt. 

Auf den defensiven Außenbahnen verortet der Coach entsprechend das Hauptproblem. 


"Da haben wir mit Khaled Narey nur einen gelernten Offensivspieler auf der rechten Seite und mit Tim Leibold die einzige richtige Konstante bei uns im Kader im Moment. Er muss jede Minute spielen, weil wir sehr wenig Alternativen haben. Da müssen wir uns auf jeden Fall umschauen."


Mit seinem folgenden Statement ließ Hecking dann aufhorchen: "Jonas Boldt hat vollkommen zurecht gesagt: Wir werden nichts machen, wovon man nicht hundertprozentig überzeugt ist, nur weil von außen gerufen wird, man müsse auf irgendeiner Position noch was verändern. Vielleicht denken wir auch ganz anders als die Öffentlichkeit. Wir haben viele, viele Torchancen und haben Anfang der Saison sehr viele Tore gemacht. Und ich glaube, dass wir auch wieder Tore machen werden - auch mit den Spielern, die wir jetzt zur Verfügung haben."


Sturm-Misere durch vorhandenen Kader auffangen?


Das könnte so interpretiert werden, dass Hecking glaubt, der Tormisere mit den jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln begegnen zu können. Man kann es auch einfach das Pfeifen im Walde nennen.


Klar ist jedoch auch: Ein Torjäger, der dir auf einer Strecke von 17 Spielen neun bis zehn Tore garantiert, ist, wenn überhaupt auf dem Markt, nur über viel Geld zu bekommen. Das der HSV bekanntlicherweise nicht hat. 


Also versucht man, das vorhandene Potential stark zu reden. Das hat mit Bobby Wood aber auch nach einem halben Jahr unter Hecking nicht geklappt. Und daran, dass aus Hinterseer und Harnik noch ausgeprägte Torjäger werden, glauben rund um den Volkspark auch nicht mehr allzu viele. 


Natürlich hat Hecking recht, wenn er auf die vielen Tore zu Saisonbeginn verweist. Doch spätestens nach den ersten zehn bis zwölf Spielen haben sich die Gegner auf die große Variabilität der Hamburger offensichtlich immer besser einstellen können. Von seinen neun Treffern hat z.B. Sonny Kittel nur noch zwei nach dem elften Spieltag erzielen können. 


Natürlich kann auch ein Außenverteidiger, zumal wenn er modern geprägt ist, die Statik einer ganzen Mannschaft verändern. Der HSV selbst hatte so einen Spieler in der letzten Saison in der Person des Douglas Santos, der im Grunde genommen das Spiel der Hamburger von hinten links organisierte. Ein Tim Leibold interpretiert diese Rolle ähnlich dominant.

Tim Leibold

Der Dauerbrenner des HSV: Tim Leibold verpasste bisher keine Spielminute


Aber ohne Erholungspausen kann man die Uhr danach stellen, dass sich der ehemalige Nürnberger verletzten oder einfach mal einen Formeinbruch erleiden wird. Einen auch nur annähernd gleichwertigen Back-up für Leibold hat der HSV nicht in seinen Reihen. 


Von daher würde die Verpflichtung auch zweier Außenverteidiger Sinn machen. Doch da sind wir wieder am Ausgangspunkt angelangt: Dem fehlenden Geld. Denn auf den Flügeln beheimatete Defensivspieler, die auch offensive Akzente setzen können, sind in den letzten Jahren immer teurer geworden. Vor allem auf links, weil Linksfüßer statistisch seltener vorkommen als Rechtsfüßer. 


Was also plant der HSV im kommenden Transfer-Fenster? Diese Frage dürfte er selbst noch nicht mal abschließend beantwortet haben. Schließlich kommt es im Winter auch zu einem nicht unerheblichen Teil darauf an, was überhaupt auf dem Markt angeboten wird. Traditionell ist das weitaus überschaubarer als im Sommer. Und meist auch von geringerer Qualität, denn die guten Spieler werden im Winter - in der Regel - nicht abgegeben.


Doch dass der HSV etwas tun muss, darin sind sich nach den Eindrücken der letzten Wochen  so ziemlich alle in Hamburg einig. Geld hin oder her.