Nach drei Anläufen beim ​FC Bayern München entschied sich Renato Sanches für eine Veränderung. Der portugiesische Mittelfeldspieler wechselte Ende August zu OSC Lille, nach Anlaufschwierigkeiten konnte er sich in den vergangenen Spielen steigern und mit einem Torerfolg belohnen.


Viel von dem, was Renato Sanches vor der Verpflichtung der Münchner Bayern auszeichnete, war bei seinem Abschied nicht mehr übrig. Der heute 22-Jährige glänzte als Teenager bei Benfica Lissabon und im Dress der portugiesischen Nationalmannschaft, mit der er vor über drei Jahren überraschend den EM-Titel feiern durfte. Die Ablösesumme in Höhe von 35 Millionen Euro wurde fast schon als Schnäppchen gefeiert, am Ende aber galt Sanches als Missverständnis, das mit einem Verlustgeschäft nach Lille transferiert wurde.


Nach einem enttäuschenden Jahr unter Carlo Ancelotti, einer glücklosen Leihe zu Swansea City und zwei Anläufen unter Niko Kovac, der es sich selbst zur Aufgabe gemacht hatte, Sanches wieder aufzubauen - und ihn die meiste Zeit über doch auf der Bank ließ -, war die Zeit beim Rekordmeister im August zu Ende. Mehrfach hatte er den Wunsch nach mehr Spielpraxis geäußert, für den FC Bayern aber hat es schlicht und ergreifend nicht gereicht.


Fehlender Rhythmus und Verletzungspech


Auch in Lille tat sich der Mittelfeldspieler zunächst schwer. Nach drei turbulenten Jahren war es ohnehin nicht zu erwarten, dass seine Leistungen ad hoc explodieren, nicht umsonst erhielt er einen Vertrag bis 2023. Auch beim OSC wirkte Sanches verunsichert, Glanzmomente waren in nur zwei Liga-Einsätzen über 90 Minuten kaum zu sehen. Im Oktober kam der erneute Rückschlag, eine Quetschung der Achillessehne setzte ihn für knapp zwei Monate außer Gefecht. 


Ende November kehrte Sanches zurück, und Trainer Christophe Galtier, der dies bereits in der Champions League testete, versetzte ihn ihm 4-2-3-1 respektive 4-4-2 vom zentralen ins rechte Mittelfeld. Dort hat Sanches die letzten drei Partien in der Ligue 1 von Beginn an bestritten, kann von seiner Wucht, Dynamik und seinen Stärken im Dribbling Gebrauch machen und sich wieder durchtanken - so wie im Viertelfinale der EM 2016, als er gegen Polen sein bisher einziges Tor für Portugal erzielte. 


Erstes Tor für Lille: Sanches belohnt sich


Am Freitagabend empfing Lille den HSC Montpellier, und Sanches belohnte sich für seine Leistungssteigerung in den vergangenen Spielen. Dabei kam er immer wieder über links statt rechts, ließ seine Qualitäten aber auch auf der gegenüberliegenden Seite nicht vermissen. Im Eins-gegen-eins spielte er mit Außenverteidiger Arnaud Souquet zwischenzeitlich Katz und Maus und erzielte obendrein in der 84. Minute das Siegtor zum 2:1.

In Manier eines modernen Flügelspielers zog er von außen nach innen, marschierte in den Strafraum und ließ Gästekeeper Gerónimo Rulli mit seinem wuchtigen Schuss ins kurze Eck keine Chance. Nach seiner Verletzung ist Sanches schon früh wieder im Rhythmus, das Tor besiegelt den Aufwärtstrend des jungen Portugiesen. Wenn er diese Leistung in den letzten Spielen des Jahres und darüber hinaus bestätigen kann, wird er eines Tages womöglich wieder bei einem Top-Klub unterkommen.