Die Champions-League-Gruppe G (mit Olympique Lyon, Benfica Lissabon und Zenit St.Petersburg) haben ​RB Leipzig und sein Trainer Julian Nagelsmann schlussendlich souveräner als erwartet bewältigt - und als Erster abgeschlossen. Eigentlich ein Grund zur Freude. Nagelsmann holte nach der schwachen Partie in Lyon trotzdem zur Generalkritik aus.


Wer Julian Nagelsmann kennt, weiß: Für ihn ist das Bessere der Feind des Guten. 

Sich mit irgendeinem erreichten Status zufriedenzugeben und sich genüsslich nach hinten zu lehnen, ist die Sache des 32-jährigen gebürtigen Landsbergers nicht. 


Das bekam jetzt auch seine neue Mannschaft zu spüren. Denn nach dem 2:2 im Groupama-Stadium zu Lyon war der Übungsleiter der Sachsen mehr als angefressen. Zur Pause hatten die Seinen noch mit 2:0 geführt.


Nagelsmann will Entwicklung und Verbesserung


"Ich will nicht zu kritisch sein, bisher ist die Saison in Ordnung", begann Nagelsmann seine Aufarbeitung des gestrigen Spiels. "Nur muss man sich die Frage stellen, ob es künftig in Ordnung sein soll oder ob wir besser werden wollen". Vor allem die etwas lustlose Vorstellung in Durchgang zwei nervte den Coach:  "Das war träge und schlampig im Spielvortrag. Es wurde nicht einmal meine taktische Vorgabe umgesetzt. Wir dürfen nicht anfangen, mit dem zufrieden zu sein, was man gerade erreicht hat. Es geht um Entwicklung – und da haben wir ein paar Baustellen." (Quelle: transfermarkt.de)


Mit Marcelo Sarracchi, Amadou Haidara, Matheus Cunha und Ethan Ampadu erhielten gestern vier Spieler eine Chance, auf die Nagelsmann zuletzt nicht unbedingt setzte. Richtig nutzen konnte sie keiner der vier. Was ihren Chef wiederum zu einer allgemeinen Bestandsaufnahme seines Kaders veranlasste - in dem er vor allem eine zu große Kluft zwischen den Stammkräften und den Ersatzspielern ausgemacht hat.


Nagelsmann-Ansage an die zweite Garde


"Grundsätzlich haben wir aktuell ein zu großes Gefälle in den Leistungen zwischen denen, die mehr Rhythmus haben und denen, die weniger Rhythmus haben", analysierte Nagelsmann schonungslos. "Wir hatten zwei, drei Spieler auf dem Acker, die viel Freestyle unterwegs waren. Freestyle kann man im Weihnachtsurlaub auf dem Snowboard machen. Auf dem Fußballplatz ist es wichtig, dass wir Dinge, die wir gemeinsam besprechen auch umsetzen."


Klare Worte, die auch durchaus als Warnung an die betreffenden Spieler verstanden werden können. Schließlich ist das winterliche Transfer-Fenster nicht mehr weit. 


Haaland und Henrichs im Gespräch


Und in Zeiten, in denen der Name Haaland immer öfter mit RB in Verbindung gebracht wird, sollten sich die momentan hintanstehenden Stürmer durchaus Sorgen über ihre weitere Zukunft in der Messestadt machen.


Auch der Name Benjamin Henrichs wird mittlerweile ziemlich offensiv von den Verantwortlichen genannt: "Benni hat schon bewiesen, dass er mit der Art und Weise unseres Fußballs zurechtkommt. Er ist ein sehr interessanter Spieler", sagte Sportdirektor Markus Krösche ungewohnt forsch. 


An ihm, im Verbund mit dem Trainer, wird es in der Winterpause liegen, ob, und wenn ja, in welchem Umfang und mit welchen Spielern sich die Bullen verstärken werden. Und welche Akteure des aktuellen Kaders abgegeben werden. Krösche dazu: "Wir werden uns mit denen zusammensetzen, die mehr Spielzeit wollen und müssen dann sehen, ob das bei uns möglich ist." Für die, die gestern enttäuschten, dürfte diese Möglichkeit kleiner geworden sein.