Der ​BVB räumte unlängst den Fehler ein, im Sommer keinen zweiten Stürmer verpflichtet zu haben. Im Winter-Transferfenster will der Vizemeister nun aktiv werden. Die Aussichten auf eine Sofortlösung sind allerdings verschwindend gering. Und auch die Notwendigkeit dieses Aktionismus muss hinterfragt werden.


Als Ausrede benutzten die Verantwortlichen beim BVB in dieser Saison gerne, dass fehlende Tore kein Problem seien. Die ständige Absenz von Torjäger Paco Alcacer rückte dann aber doch deutlich ins Rampenlicht, was der Borussia zu häufig fehlte. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ​gestand daher auf der Mitgliederversammlung den Fehler ein, im Sommer keinen weiteren Stürmer verpflichtet zu haben. Im Hinblick auf das Transferfenster im Januar sondiert der BVB nun zumindest den Markt.


BVB vertraut auf Alcacer 


Ein Blick auf die Tatsachen zeigt aber, dass die Borussia mit dem Fehler leben muss - und das auch kann. Paco Alcacer ist aktuell wieder gesundend und unter Lucien Favre auch gesetzt, sofern er fit ist. Diesen Status rechtfertigt der Spanier mit seiner Kaltschnäuzigkeit und Effizienz, sowie dem passenden Fit in Favres Offensivsystem. Dass der Schweizer zwei Stürmer gleichzeitig aufbietet, ist nahezu ausgeschlossen; die Spielzeit für einen Neuzugang im Januar wäre daher gestaffelt, wenn nicht sogar abhängig von einem Ausfall Alcacers. Wenn Dortmunds Stoßstürmer nämlich fit ist (und das auch halbwegs konstant bleibt), erübrigt sich die Notwendigkeit eines weiteren Torjägers. 

Paco Alcacer

Falls der BVB dennoch über eine Alternative zu Alcacer nachdenkt, bieten sich dem Laien drei Optionen: Eine Verpflichtung mit Perspektive - sprich: ein junger, entwicklungsfähiger Stürmer, der noch keine ausgeprägten Ansprüche auf Spielzeit äußert -, die Akquise eines erfahrenen Top-Stürmers oder die halbjährige Leihe eines solchen, mit der Aussicht, im Sommer die Situation neu sondieren zu können. Auf dem Papier würde lediglich die letzte Option Sinn für den BVB machen.


Haaland hilft dem BVB erst im Sommer - Stürmer mit internationalem Format machen nur bedingt Sinn


Die Verpflichtung mit Perspektive hat natürlich einen Namen: Erling Haaland. Der Norweger wird mit dem BVB in Verbindung gebracht und wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit ein echter Glücksgriff für Schwarz-Gelb; einen Spieler dieses Kalibers würde die Borussia nicht ausschlagen, Stürmer-Debatte hin oder her. Dass der 19-jährige Wunderknabe aber mitten in der Saison und ohne Not den Verein wechselt und sich auf Anhieb in neuem Terrain durchschlagen muss, ​darf stark bezweifelt werden. Die beste Option - sofern möglich - wäre es für den BVB, Haaland im Winter zu verpflichten, ihm aber noch auf Leihbasis die Rückrunde bei RB Salzburg zu ermöglichen.


Auch die Gedankenspiele über einen erfahrenen Stürmer mit internationalem Format werden mit Namen gefüllt: Mario Mandzukic, Olivier Giroud und ​Edinson Cavani. Das Trio befindet sich (aus unterschiedlichen Gründen) im Winter auf der Suche nach einem neuen Verein. Ein jeder von ihnen würde den BVB zwar qualitativ verstärken, sich aber keinesfalls mit einem Platz auf der Bank oder in der Rotation begnügen. Außerdem würden Spieler dieses Formats sich gehaltstechnisch im obersten Regal beim BVB einordnen. In Summe würde das nur bedingt Sinn machen - sofern Dortmund überhaupt einen der drei Spieler von einem Wechsel überzeugen könnte. Immerhin ist der BVB im europäischen Vergleich ​sicher nicht die allererste Adresse​Mario Mandzukic soll der Borussia daher bereits auch abgesagt haben.

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Profitieren könnten der BVB und einer der drei genannten Stürmer jedoch von einem halbjährigen Leihgeschäft. In der Bundesliga-Rückrunde könnten sich Edinson Cavani, Mario Mandzukic oder Olivier Giroud (die zuletzt allesamt wenig Spielzeit bekamen) auf hohem Niveau ins Schaufenster stellen und für einen höher dotierten Wechsel im Sommer empfehlen. Der BVB könnte im Gegenzug Paco Alcacer entlasten und den Fehler aus dem Transfer-Sommer notgedrungen korrigieren. Eine optimale Lösung wäre das nicht, aber zumindest eine Lösung. Dafür, dass der BVB solche Lösungen anstrebt, ist er allerdings nicht gerade bekannt. 


Im neuen BVB-System läuft es wieder!


Die Quintessenz dieser Überlegungen ist die Tatsache, dass der Wintermarkt ein schwieriger ist - und dem BVB nur wenig Perspektive bietet. Wenn sich entgegen der Wahrscheinlichkeiten die optimale Lösung für die Borussia bietet - wunderbar. Planen sollte der BVB allerdings ohne einen zweiten Stürmer. Mit dem Fehler, den die Verantwortlichen im Sommer begingen, muss man in Dortmund jetzt bis zum Sommer leben. Und die letzten drei Spiele zeigen: das kann er auch! Im neuen System von Lucien Favre kommt die Offensive der Schwarz-Gelben wieder deutlich besser zur Geltung; der BVB findet wieder Räume und erarbeitet sich wieder Großchancen. Neun Tore in diesem Zeitraum untermauern das. 


Bei Spielern des Kalibers Marco Reus, Jadon Sancho und Thorgan Hazard braucht es dann auch nicht unbedingt einen weiteren Stürmer, um diese Großchancen auch zu nutzen. Denn wie die BVB-Verantwortlichen schon predigten: An Toren mangelt es dem BVB nicht. Und deswegen ist die zwingende Notwendigkeit für einen weiteren Stürmer im Winter auch gar nicht gegeben.