​Mit 20 Punkte nach 13 Bundesligaspieltagen steht der ​VfL Wolfsburg auf einem soliden neunten Platz der Tabelle. Zwar wäre mit Sicherheit auch eine bessere Platzierung möglich gewesen, allerdings ist der Anschluss an die Spitzengruppe immer noch gewährt. Aktuell besorgniserregend ist vielmehr die offensive Power der Wölfe.


Defensiv steht der VfL wie eine Eins. Nur 13 Gegentore sind Spitzenwert in der Bundesliga. Doch die beste Defensive hilft dir kaum, wenn offensiv nichts geht. Mit nur 15 eigenen Treffern stellt das Team von Trainer Oliver Glasner die zweitschlechteste Offensive der Liga, lediglich der Tabellenvorletzte ​Köln ist schlechter (zwölf Treffer).


Die fehlende Gefahr vor dem gegnerischen Strafraum ist sowohl überraschend wie auch katastrophal für den Verein. Nicht nur kann der VfL wenige Tore aufweisen, auch spielen sich die Wölfe kaum Chancen heraus. Lediglich 160 Mal schoss Wolfsburg in dieser Saison auf das gegnerische Tor - ​nur Platz 13​ im Ligavergleich. Aus der oberen Tabellenhälfte ist lediglich der ​FC Schalke 04 knapp schlechter (159 Torschüsse)


Die Ursachenforschung gestaltet sich schwierig


Die große Frage nach dem 'Warum' steht nun im Raum. Warum ist ein Team, welches über die sommerliche Transferperiode kaum verändert wurde und vergangene Saison noch für eine ordentliche Statistik sorgte (62 Tore, sechstbester Wert), auf einmal so ungefährlich?


Nicht selten ist dafür die Qualität des Personals eines Vereins verantwortlich. Allerdings dürfte der VfL auf dem Papier dieses Problem nicht haben. Nicht nur hat Wolfsburg mit Wout Weghorst einen der besten Bundesligastürmer in den eigenen Reihen, auch die restlichen Offensivleute haben Klasse. Ob Admir Mehmedi, Felix Klaus oder Josip Brekalo - Offensivpower besitzt der VfL grundsätzlich.

Oliver Glasner


Auch am Spielsystem dürfte es eigentlich nicht liegen. Glasner lässt den VfL in einem defensiv sicheren und theoretisch auch offensivem 3-4-3 auflaufen. Die flexiblen Außenpositionen im Mittelfeld nehmen dabei meistens William und Jerome Roussillon ein. In der breiten Viererkette sollen die beiden Spieler für Geschwindigkeit auf den Außen sorgen und gingen in der vergangenen Saison dort auch sehr erfolgreich ihren Aufgaben nach. Gefährliche Flanken und daraus resultierende Torvorlagen waren meist die Folge aus den Leistungen der offensiven Außenverteidiger. In dieser Saison konnte bisher allerdings nur William ein Tor vorbereiten...


Formlos und ohne Ersatz - dem VfL fehlen das letzte Stück Qualität und die Alternativen


Und genau hier liegt der Punkt. Die offensive Ungefährlichkeit ist unter anderem auch durch die individuellen Leistungen der Spieler bedingt. So funktionieren wichtige Rädchen im Team, verglichen mit der vergangenen Saison, noch nicht gut genug. Zudem fehlen dem VfL die Alternativen, falls ein Offensivspieler mal ausfallen sollte. Gerade für Stürmer Weghorst gibt es keinen ebenbürtigen Ersatz im Kader. Zwar gibt es nominell mit Lukas Nmecha und ​Daniel Ginczek zwei Ersatzmänner für den Niederländer, allerdings sind diese entweder verletzt oder aus sportlicher Hinsicht (noch) keine Alternativen. Beide kommen in der Liga zusammengerechnet gerade einmal auf sieben Einsätze und konnten dabei kein einziges Mal treffen.


Offensiv ist der VfL also vor allem von Weghorst abhängig. Der 27-Jährige schoss sieben der 15 Wolfsburger Tore selber und bereitete zwei weitere vor. No Weghorst - no Party! Bisher hatten die Wölfe Glück, dass ihre Nummer Neun von Verletzungen verschont blieb. Einen Ausfall des Stürmers würde der Verein - Stand jetzt - nicht kompensieren können.


Im Grunde stellt die Tatsache der wenigen eigenen Tore den Analytiker vor eine Herausforderung. Vom Spielsystem und dem Spielermaterial ist der VfL eigentlich gut genug aufgestellt und auch die Punkteausbeute ist in Ordnung. Doch anscheinend stellen die individuellen Formtiefs und die Abhängigkeit von Tormaschine Weghorst den Verein vor eine Herausforderung. Denn auf Dauer muss der VfL Wolfsburg dringend wieder für moffensive Power sorgen!