​Irgendwie scheint ​Borussia Dortmund in den letzten Jahren Probleme im Handling seiner Stars zu haben. Wie schon Ousmane Dembélé und später Pierre-Emerick Aubameyang macht jetzt auch Youngster ​Jadon Sancho Probleme. Da stellt sich schon die Frage: verkauft man den Engländer am besten schon in diesem Winter - oder schleppt man ihn bis zum nächsten Sommer durch?


Nach einer tollen ersten Saison mit den Borussen, in der sich Sancho zu einer spielprägenden Figur beim BVB entwickelte, zeigt der Stürmer nun ein ganz anderes Gesicht. Im Oktober kam er bereits verspätetet von einer Länderspielreise zurück - und wurde dafür für das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach aus dem Kader gestrichen. 


Erneute Disziplinlosigkeit in Barcelona


Diese Maßnahme scheint allerdings nicht gefruchtet zu haben, denn jetzt wurde bekannt, dass Sancho auch während des Aufenthalts in Barcelona unangenehm aufgefallen ist. Laut Angaben der Bild-Zeitung soll er ​bei der letzten Mannschaftsbesprechung vor dem Spiel zu spät erschienen sein.


Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass da jemand seinen vorzeitigen Abgang provozieren will. Dabei hatte er von den Bossen vor dieser Saison bereits die Zusage erhalten, im Sommer 2020 auf die Transferliste gesetzt zu werden. Sein Vertrag beim BVB gilt noch bis 2022.


Das Problem der BVB-Verantwortlichen: Stand heute ist noch kein potentieller Nachfolger für den 19-jährigen auserkoren. Ihn also schon im kommenden Januar ziehen zu lassen, ohne gleichzeitig einen adäquaten Ersatz in den eigenen Reihen zu wissen, wäre sportlicher Selbstmord. Zumal die restlichen Spieler aus dem Offensivbereich (Reus, Alcácer, Brandt) zur Zeit ihrer Form deutlich hinterherlaufen. 


Andererseits kann man sich als Klub natürlich nicht permanent auf der Nase herumtanzen lassen, ohne irgendwann seine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Zumal Sancho mit seinen letzten Verfehlungen sich auch innerhalb der Mannschaft ins Abseits befördert hat. 


Interessenten für den Shooting-Star gibt es freilich zuhauf. Manchester City, Real Madrid und der FC Liverpool sollen dem Independent zufolge stark an einer Verpflichtung des Angreifers interessiert sein. 


Borussia verlangt 140 Millionen!


An seinen finanziellen Bedingungen für einen Wechsel des Spielers wird der BVB indes auf jeden Fall festhalten. Zwar sind es nicht mehr die im Frühjahr kolportierten 180 Millionen Euro, die der BVB als Ablöseentschädigung fordern würde, sondern "nur" noch 140 Millionen Euro - doch auch das wäre eine absolute Rekordsumme in der Historie des Vereins und würde somit die Verkäufe von Dembélé (125 Millionen) und Aubameyang (64 Millionen) locker in den Schatten stellen.


Der Klub ist jetzt gefordert, das Gespräch mit Sancho zu suchen. Sollte man ihn davon überzeugen können, sein Wechsel-Interesse bis zum Sommer hintanzustellen, hätte man zumindest sportlich bis dahin eine gewisse Sicherheit. 


Denn was Sancho für die Mannschaft bedeutet, wenn er sich voll in deren Dienst stellt, hat der Engländer bereits seit über einem Jahr in schöner Regelmäßigkeit gezeigt. Auch beim Spiel im Nou Camp am vergangenen Mittwoch, bei dem er in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, demonstrierte er mit einem tollen Tor (und einer weiteren verpassten Großchance) seine sportliche Wertigkeit für den Klub. 


Sollte sich jedoch erweisen, dass der Spieler gedanklich schon mit dem BVB und der Bundesliga abgeschlossen hat, wäre die Aufnahme von Verhandlungen mit den genannten Klubs im Winter-Transferfenster die einzig vernünftige Handlungsweise.