Bei den Verantwortlichen des ​FC Bayern München stand im Sommer auch ein neuer defensiver Mittelfeldspieler auf dem Zettel. Als heißer Kandidat ​wurde lange Zeit Marc Roca vom spanischen Erstligisten Espanyol Barcelona gehandelt. Die Bayern entschieden sich letztendlich jedoch gegen eine Verpflichtung, weil man vom 23-Jährigen angeblich nicht vollends überzeugt war. Im Nachhinein stellte sich diese Entscheidung als goldrichtig heraus, zumal beim deutschen Rekordmeister auch kein Bedarf an einem neuen Sechser besteht.


Anfang Juni kamen bereits erste Gerüchte auf, wonach sich der FC Bayern mit dem Espanyol-Eigengewächs beschäftigt. In den folgenden Wochen verdichteten sich die Anzeichen, dass der Spanier in die bayerische Landeshauptstadt wechseln wird. Eine Woche vor dem Ende des Transferfensters berichtete die renommierte französische Sportzeitung L‘Équipe, dass der Doublegewinner die Ausstiegsklausel bei Roca (40 Millionen Euro) ziehen wird. Auch der 23-Jährige selbst stand einem Wechsel nach München angeblich offen gegenüber. 


Der FC Bayern verzichtete allerdings auf einen Transfer. Laut Informationen der Sport Bild vermisste man beim U21-Europameister die defensive Robustheit eines Javi Martinez. Mit dieser Entscheidung dürften die Bayern ein ähnliches Szenario wie bei Renato Sanches verhindert haben. Das portugiesische Top-Talent wurde im Sommer 2016 für stolze 35 Millionen Euro verpflichtet, kam beim deutschen Rekordmeister allerdings auf keinen grünen Zweig und brach seine Zelte an der Säbener Straße im August (Wechsel zu OSC Lille) endgültig ab. 


Joshua Kimmich als Ideallösung

Roca verfügt sicherlich über viel Potenzial. Ob das ausgereicht hätte, um beim FC Bayern dauerhaft Fuß zu fassen, darf jedoch bezweifelt werden, zumal der deutsche Rekordmeister im defensiven Mittelfeld auch ohne den Youngster sehr gut aufgestellt ist. Mit der Versetzung von Joshua Kimmich von der rechten Abwehrseite ins defensive Mittelfeld haben die Bayern für diese "Kaderbaustelle" eine interne und optimale Lösung gefunden, da sich der Nationalspieler auch selbst eher im Mittelfeld sieht. Kimmich gilt als robuster Zweikämpfer, der auch Stärken im Spielaufbau mitbringt. 


Neben dem 24-Jährigen steht mit Martinez auch ein erfahrener Sechser zur Verfügung, der aktuell in der Innenverteidigung aushelfen muss und dort einen sehr guten Job macht. Mit seinen 31 Jahren ist der Publikumsliebling zwar nicht mehr der Jüngste, der Spanier ist jedoch dank seiner Zweikampfstärke der perfekte Abräumer, auf den man sich jederzeit verlassen kann. Thiago hat zudem auch bewiesen, dass er die Rolle des Sechsers ohne Probleme übernehmen und meistern kann.


FC Bayern hat Adrian Fein in der Hinterhand

Adrian Fein

Auch auf lange Sicht muss man sich beim aktuell Tabellendritten wohl keine Sorgen um das defensive Mittelfeld machen. Sommerneuzugang Michael Cuisance blieb bislang zwar ​weit hinter den Erwartungen zurück, beim FC Bayern ist man jedoch nach wie vor vom 20-Jährigen überzeugt. Seine Qualitäten hat der Mittelfeldspieler bereits in der vorletzten Saison bei ​Borussia Mönchengladbach unter Beweis gestellt. Neben dem französischen U20-Nationalspieler haben die Bayern mit Adrian Fein ein vielversprechendes Eigengewächs in der Hinterhand. 


Der gebürtige Münchner durchlief elf Jahre lang die Nachwuchsabteilung des deutschen Rekordmeisters und ist für die aktuelle Spielzeit an den ​Hamburger SV ausgeliehen. Beim Zweitligisten erkämpfte sich der 20-Jährige auf Anhieb einen Stammplatz und zählt zu den wichtigsten Leistungsträgern. Dem Vernehmen nach ist ​der beidfüßige Sechser bei seinem Ausbildungsklub fest eingeplant. Der Youngster könnte in den nächsten Jahren Schritt für Schritt aufgebaut werden. Fein ist zudem ein Eigengewächs, das beim FC Bayern besonders hoch im Kurs steht, da er ein waschechter Münchner ist und sich damit auch zu einer wichtigen Identifikationsfigur des Vereins entwickeln könnte. 


Sechser-Verpflichtung nicht nötig

Die Verantwortlichen des Doublegewinners können die Verpflichtung eines neuen defensiven Mittelfeldspielers getrost zu den Akten legen, da aktuell und voraussichtlich auch mittelfristig kein Bedarf besteht. Mit einem Transfer von Roca hätte sich der deutsche Rekordmeister, auch mit Blick auf die Höhe der Ausstiegsklausel, sicherlich keinen allzu großen Gefallen getan, da der U21-Europameister angesichts der starken Konkurrenz wohl nur selten zum Zug gekommen wäre.