Durch die Verletzungen von Benjamin Stambouli und Salif Sané befürchteten viele Fans von ​Schalke 04, die Innenverteidigung könne nun zusammenbrechen. Nicht zuletzt, weil Matija Nastasic noch verletzt und Ozan Kabak überhaupt nicht eingespielt war. Das hat sich jedoch schnell und drastisch verändert. Es wird spannend sein zu beobachten, welche Auswirkungen dies auf eine wieder fitte Innenverteidigung haben wird.


Wenn man es mit Schalke hält, dann konnte man sich am vergangenen Samstag für zwei Neuzugänge besonders freuen. Benito Raman, der seinen ersten ​Bundesliga-Treffer für S04 feiern und mit einem zusätzlichen Assist zelebrieren konnte, und Ozan Kabak, der nach nur drei Spielen schon fest im Sattel der königsblauen Defensive sitzt. 


Kabaks Talent ist unbestritten - starke und souveräne Auftritte sprechen für ihn


Dass man Kabak von einem Wechsel zu S04 überzeugen konnte, war zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Transfers schon etwas überraschend, schließlich wurden u. a. ​Bayern München und der AC Mailand als Mitinteressenten gehandelt. Mit 15 Millionen Euro war er für Schalke im letzten Sommer zwar alles andere als ein Schnäppchen, doch sollte der 19-Jährige seine Entwicklung wie über das letzte Jahr - und wie in den letzten drei Spielen in der Liga - halten können, wird er dem Verein nicht nur sportlich durch tolle Leistungen, sondern auch finanziell (bei einem Weiterverkauf) weiterhelfen können. 


Kabak spielt für sein noch sehr junges Alter, vor allem auf die Komplexität der Defensive bezogen, enorm abgeklärt und sicher. Trotz des Talents, das er ohne Zweifel hat, gab es die Befürchtungen, dass der Abschwung zu einem sich in Topform befindenden Stambouli fatal wäre. Nach drei Startelfeinsätzen infolge lässt sich schon jetzt sagen: Weit gefehlt. Seine Passquote zeugt von Stabilität, sein Aufbauspiel ist ebenfalls gut und wird immer besser (immer häufiger sucht er das Spiel zwischen den Linien), und auch Torgefahr strahlt er aus (zwei Tore). Auch gegen ​Werder Bremen konnte er ​eine sehr gute Partie abliefern


Früher oder später: Wettkampf um die zwei Plätze in der Innenverteidigung - Kabak/Sané als beste Option?


Auch wenn es noch viele Wochen sind, bis Stambouli und Sané zurückkehren, wird man sich in absehbarer Zeit die Frage stellen können bzw. müssen, wie die beste Abwehr-Konstellation aussehen könnte. Natürlich muss man auch den erfahrenen S04-Veteran Nastasic (am längsten im Kader) miteinbeziehen, doch Kabak scheint auch ihm in nichts nachzustehen. Stambouli wird er mittel- und langfristig nur ersetzen können, wenn sein Aufbauspiel mindestens das gleiche Niveau erreicht, wie das des Franzosen. Ein enorm wichtiger Aspekt, den der Vize-Kapitän getragen hat. Sané glänzte in seinen Spielen besonders durch seine starke Zweikampfquote, und sein Stellungsspiel zu unterschätzen, sowie seine Grätschen und Balleroberungen, wäre ein grober Fehler. 


Vermutlich wird die S04-Innenverteidigung ab der Mitte der Rückrunde - sollten alle fit bleiben - aus Sané und Kabak bestehen. Beide bringen enorm viel Klasse mit und scheinen taktisch gesehen als Duo gut funktionieren zu können. Dass beide zusammen noch nicht gespielt haben (bis auf fünf Minuten gegen den ​FC Augsburg) ist dabei augenscheinlich die einzige, noch bestehende Unsicherheit. Mit Stambouli und Nastasic hat man zwei erstklassige Optionen, wobei "Benji" auch im defensiven Mittelfeld auflaufen und helfen kann, zum Beispiel auf der Doppelsechs neben Omar Mascarell im 4-2-3-1-System.

Ozan Kabak

Ozan Kabak wusste zuletzt mit starken Leistungen zu überzeugen


Ein "Luxusproblem", wie derartige Situationen oft betitelt werden, wird Trainer David Wagner dennoch nicht sehen, das hat er schon öfter (auch vor den Verletzungen) betont. Viel mehr sieht er in der qualitativ hochwertigen Auswahl eine tolle Möglichkeit, eine starke und im Spielaufbau souveräne Defensive aufzubauen. Etwas, das für Schalke schon häufig enorm wichtig war und auch langfristig zum Erfolg geführt hat - Stichwort Vizemeister-Saison.