Am Sonntagmorgen begann die Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund. Gut eine Stunde nach Veranstaltungsbeginn traf auch die Mannschaft in der Westfalenhalle ein. Von den anwesenden Mitgliedern wurden die Spieler mit Pfiffen empfangen.


Die Wut der Fans über die Leistungen auf dem Platz hält seit Wochen an. In der ​Bundesliga gewann der BVB nur zwei der letzten acht Partien, mit der 0:4-Blamage beim FC Bayern München kochte die Stimmung endgültig hoch. Nach der Länderspielpause war die Mannschaft auf Wiedergutmachung aus, doch die rund 81.000 Zuschauer wurden am Freitagabend erneut bitter enttäuscht.


Zur Pause führte der SC Paderborn überraschend mit 3:0, mit einfachen Kontern entblößte der Aufsteiger die eigentlich heimstarken Dortmunder. Nach dem Seitenwechsel zeigte der BVB ein anderes Gesicht und rettete in der Nachspielzeit einen Punkt - doch wie nach dem Pausenpfiff herrschte auch nach Schlusspfiff ein Pfeifkonzert auf den Rängen. 


Die Kritik an den Spielern, besonders aber an Trainer Lucien Favre, wird immer größer. Dortmund muss am Mittwoch liefern, in der Champions League geht die Reise zum FC Barcelona. Eine schwache Leistung könnte das Ende der Ära Favre bedeuten, wieder wären die Verantwortlichen zu einem Neuanfang gezwungen.


Mit Blick auf die Jahreshauptversammlung war noch am Freitagabend klar, dass am Sonntag ein ungemütlicher Wind wehen würde. Um 11:14 Uhr eröffnete Klubpräsident Dr. Reinhard Rauball die Veranstaltung, erklärte unter anderem: "Auch zwei Tage nach dem katastrophalen Spiel gegen Paderborn gibt es erhöhten Redebedarf" (Quelle: ​Ruhr Nachrichten). 


Mannschaft wird mit Pfiffen empfangen


Fast exakt eine Stunde später betrat die Mannschaft, angeführt von Kapitän Marco Reus, die Westfalenhalle. Empfangen wurden die Akteure mit Applaus, der allerdings von zahlreichen Pfiffen und Buhrufen überschattet wurde. Wenig später stellte sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke geschlossen vor die Mannschaft: "Borussia Dortmund ist mehr als das letzte Bundesliga-Spiel", sagte der 60-Jährige. Zu der zuvor von Jakob Scholz angeführten Kritik, dass einige Fans die Tore des SC Paderborn höhnisch gefeiert hätten, fügte er an: "Wer Tore des Gegners bejubelt, sollte unsere Gemeinschaft verlassen. Die Solidarität dürfen wir als Borussia Dortmund niemals verlieren."

Watzke: "Wir analysieren kritisch"


Trotz der überwiegend enttäuschenden Leistungen in dieser Saison wolle man weiterhin die Ruhe bewahren und keine vorschnellen Entscheidungen treffen. Watzke: "Die letzten beiden Spiele waren ganz und gar nicht gut. Ich leide da wie ein Hund drunter. Abrechnen ist nicht der Stil von Borussia Dortmund. Wir analysieren kritisch." 


Die vor der Saison als Ziel auserkorene Meisterschaft habe man sich in den vergangenen Monaten "erarbeitet", dennoch ist er sich bewusst: "Nur vom Reden bekommen wir nicht die Ergebnisse, die wir wollen. Man kann immer ein Spiel verlieren, aber man muss vorher alles getan haben."