​Lucien Favre sitzt beim BVB nicht mehr fest im Sattel. ​Nur eine überzeugende Leistung gegen den FC Barcelona und ein klarer Sieg im darauffolgenden Ligaspiel bei Hertha BSC können den Schweizer retten. Die Bild bringt bereits vier Nachfolgekandidaten ins Spiel - ​Niko Kovac scheint derzeit die wahrscheinlichste Option zu sein.


Der Deutsch-Kroate wurde erst vor drei Wochen beim FC Bayern entlassen, zeitnah könnte er also in Dortmund aufschlagen. Was würde für Kovac sprechen? Und was dagegen?


Das spricht für Niko Kovac:

Das Spielsystem

Niko Kovac

Unter Lucien Favre setzt der BVB auf Ballbesitz - doch um diesen auch in Tore umzumünzen, benötigt man zündende Ideen. Und die fehlen den Schwarz-Gelben derzeit. Zu häufig ist man auf Zufälle oder Einzelaktionen angewiesen. Zudem ist man unfassbar anfällig in der Defensive, was dem BVB ebenfalls regelmäßig das Genick bricht.


Spötter könnten sagen: Das traf auch auf den ​FC Bayern unter Kovac zu. Stimmt! Zumindest wenn man die aktuelle Saison als Maßstab nimmt. In seiner ersten Saison beim FC Bayern - und vor allem während seines Engagements bei Eintracht Frankfurt - zeichneten sich Teams von Niko Kovac dagegen durch starkes Gegenpressing und eine stabile Defensive aus. Der 48-Jährige setzte darauf, dass seine Elf den Gegner in Grund und Boden rannte; damit kommen ein paar (durchaus gewagte) Parallelen zum Fußball unter Jürgen Klopp auf.


Sollte Kovac den Fußball, den er vor allem bei der Eintracht zelebrieren ließ, auch beim BVB einführen, könnte er die Fans wohl schnell auf seine Seite ziehen.


Sein Wesen

Daran anschließend passt auch der Charakter des 48-Jährigen auf den ersten Blick ziemlich gut zum Ruhrpott: Im Gegensatz zum (zu) sachlichen und häufig emotionslosen Favre ist Kovac dafür bekannt, auch einmal aus sich herauszugehen. Zudem trägt er das Herz auf der Zunge, wie man so schön sagt. Eigenschaften, die man beim ​BVB ohne Wenn und Aber willkommen heißen würde.


Das Spielermaterial

Beim FC Bayern ließ Kovac hin und wieder durchblicken, dass das dort vorhandene Spielermaterial nicht ganz seinen eigenen Vorstellungen entspräche - das wurde am deutlichsten, ​als er während einer PK auf einen Vergleich mit dem FC Liverpool und dessen Powerfußball angesprochen wurde.


"Man muss auch die Spielertypen haben. Man kann nicht versuchen, 200 km/h auf der Autobahn zu fahren, wenn sie nur 100 schaffen. Man muss das anpassen, was man hat. Und wir haben andere Spielertypen", hatte Kovac damals als Erklärung aufgeführt. 


Beim BVB hätte er die perfekten Spielertypen für diese Spielidee - ohnehin fordern viele Dortmund-Anhänger, dass Favre seine Schützlinge doch endlich mal von der Leine lassen sollte. Unter Kovac wäre das der Fall. 


Bundesliga-Erfahrung

Dank seiner Stationen bei Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern hat Kovac genügend Erfahrungen (gute wie schlechte) im deutschen Oberhaus gesammelt. Da der gebürtige Berliner einen sehr smarten Eindruck macht, darf man auch davon ausgehen, dass er vor allem aus seiner Zeit in München die richtigen Rückschlüsse gezogen hat, um gestärkt daraus hervorzugehen.


Dass es wichtig ist, einen Coach mit Bundesliga-Erfahrung zu holen, verdeutlicht das Beispiel Peter Bosz wohl am besten. Der Niederländer war mit seiner Idee beim BVB nur nach wenigen Monaten gescheitert - im Grunde war Bosz kein schlechter Trainer, nur hatte man zwischenzeitlich das Gefühl, dass er die Bundesliga falsch eingeschätzt hatte.


Das spricht gegen Niko Kovac:

Die Hummels-Problematik

Niko Kovac,Mats Hummels

Schon bevor Kovac sein Amt beim FC Bayern angetreten hatte, gab es zahlreiche Spekulationen, ob er in München mit Mats Hummels zurechtkäme. Im DFB-Pokalfinal 2018 hatte Kovac - damals noch als SGE-Trainer - schließlich sein Team angewiesen, über den langsamen Hummels anzugreifen. Ein Plan, der am Ende vollends aufging, Hummels aber nicht geschmeckt haben dürfte.


Unter Kovac genoß Hummels dann auch nicht das komplette Vertrauen, weshalb er sich im Sommer 2019 für einen Wechsel zum BVB entschied. Sollten die beiden in Dortmund erneut aufeinander treffen, würde zumindest starkes Konfliktpotenzial herrschen.


Kovacs Umgang mit Stars

Hummels war nicht der einzige Star, zu dem Kovac angeblich (!) nicht das beste Verhältnis gehabt haben soll. Beim FC Bayern wurde Kovac am Ende auch sein Umgang mit Thomas Müller zum Verhängnis, zudem wurde James Rodriguez vom Deutsch-Kroaten verjagt.


Nach seiner Entlassung berichtete die Bild, ​dass auch Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Robert Lewandowski als Kovac-Gegner galten - kurzum: er hatte die größten Stars gegen sich. Bei einem Topklub - der der BVB ja sein will - ist es aber das höchste Gut, die Stars bei Laune zu halten. Kann Kovac das?