Vom Meisterkandidaten zum ständigen Unruheherd - bei Dortmunds Borussia nahm die Saison bisher einen eher unerwarteten Verlauf. Der BVB hat bis zur Winterpause noch acht Partien vor sich und ist dazu gezwungen, alsbald wieder in die Spur zu finden. Allerdings müssen dazu einige Baustellen aus dem Weg geschafft werden.


Nach elf Spieltagen steht ​Borussia Dortmund mit 19 Punkten auf Tabellenplatz sechs der Bundesliga. Zwei Punkte trennen den BVB von Platz zwei, sechs Punkte von Platz eins. Im Grunde mag es schlechtere Tabellenkonstellationen geben. Doch die Leistungen der Borussen wirken wie Tag und Nacht - mal überzeugend, mal ernüchternd. Nach den ehrgeizigen Aussagen im Sommer, in denen man öffentlich die Meisterschaft anpeilte, wird der BVB mit einem anderen Maß gemessen, an das Dortmund aktuell nicht herankommt. ​Zudem brodelt es auch innerhalb des Teams. Um wieder das Dortmund zu sein, mit dem man sich identifizieren kann, muss die Borussia folgende Probleme lösen:


Den Status von Lucien Favre wieder sichern

Lucien Favre

Der Trainer des BVB ist unangefochten ein Genie, was Fußball und dessen System angeht. Lucien Favre versteht die Art und Weise, wie erfolgreich gespielt werden muss, wie kein Zweiter. Den Trainer mangels der Punkte also abzusägen, ist aus diesem Grund keine Option.


Dennoch muss der BVB am Standing von Favre arbeiten, der zuletzt massiv von den Medien beschossen wurde. Ruhe, Sicherheit und allen voran Stabilität müssen von den Führungspersonen der Dortmunder öffentlich signalisiert werden. Der Schweizer muss die volle Rückendeckung des Vereins spüren, um wieder Schwung in die Mannschaft zu bekommen. Dies wäre ein erster Schritt Richtung Erfolg.


Jadon Sancho in die Spur bringen

Jadon Sancho

Ousmane Dembele, Pierre-Emerick Aubameyang - ​jetzt Jadon Sancho? Mit dem erst 19-jährigen Engländer fängt ein weitere (Stamm-)Spieler an, dem BVB auf der Nase herum zu tanzen. Warum gerade Borussia Dortmund immer wieder Probleme mit Leistungsträgern hat, ist mysteriös.


Nichtsdestotrotz ist Sancho de facto einer der wichtigsten Personalien Dortmunds, der Offensivspieler ist im Grunde unersetzlich auf dem rechten Flügel. Da Dortmund trotz Unruhe seitens des Spielers wohl wenig gewillt sein wird, Sancho abzugeben, müssen die Bosse der Borussia den Shootingstar schnellstens wieder auf das Spiel fokussieren. Ansonsten ist man nicht nur personell geschwächt, man würde auch ständig neben dem Platz unnötigen Wirbel haben.


Reus & Brandt müssen zueinander finden

Julian Brandt,Marco Reus

Auch wenn die Leistungen zuletzt anstiegen, hat man sich von der Verpflichtung Julian Brandts doch mehr erhofft. Der 23-Jährige konnte bislang noch längst nicht an seine Leverkusener Leistungen aus der vergangenen Saison anknüpfen. Ein Grund dafür könnte auch ​Marco Reus sein. Der Dreh- und Angelpunkt des Dortmunder Offensivspiels ist, wie viele andere BVB-Spieler auch, kaum in Form.


Teamkollege Brandt ist die Rolle als wichtige Stütze jedoch auch durchaus zuzutrauen. Dazu braucht es aber ebenso einen Reus in Topform, der den immer noch jungen Brandt auf dem Platz leitet und ihn in der Angriffsspiel der Borussia einbindet. Harmoniert dieses Duo, könnte dies die ganze Mannschaft beflügeln.


Neuzugang Schulz muss liefern

Nico Schulz

Ebenso wie Brandt wurde Nico Schulz mit viel Vorschusslorbeeren nach Dortmund geholt. Obwohl man mit Raphael Guerreiro und auch Achraf Hakimi hochwertige Alternativen auf der Linksverteidigerposition besitzt, ging man davon aus, dass Schulz grundsätzlich gesetzt sein sollte. Mit Rückblick auf die bisherige Saison, in der Schulz zwischenzeitlich gar verletzt fehlte, ist der 25-Jährige umstrittener als man erwarten durfte.


Der ehemalige Hoffenheimer muss nun liefern, denn die Konkurrenz schläft nicht. Dass ein Schulz in Topform perfekt auf das Spiel des BVB zutrifft, ist bekannt, schließlich wurde er genau aus diesem Grund nach Dortmund geholt. Der Verteidiger kann letztlich zu einer echten Waffe werden - wenn er die Form findet.


Innenverteidigung muss neu gebildet werden

Manuel Akanji,Mats Hummels

Nachdem man durch eine grandiose Rückholaktion im vergangenen Sommer Mats Hummels wieder nach Dortmund holte, schien die Innenverteidigung fertig gebildet zu sein. An Hummels Seite sollte Manuel Akanji spielen. Während Hummels seine Rolle im Team mit Bravour annahm und eine der wenigen konstanten Stützen im Team ist, fiel Akanji in ein Loch.


Der Schweizer Nationalspieler entwickelte sich in der Abwehr teilweise zu einem echten Unsicherheitsfaktor. Der BVB tut gut daran, Akanji etwas Ruhe zu geben und ihn - zumindest mittelfristig - zu ersetzen. Zuletzt nahm Mittelfeldmann Julian Weigl die Position von Akanji ein, allerdings sollte dies keine Dauerlösung sein. Vielmehr bieten sich mit Dan-Axel Zagadou und Leonardo Balerdi zwei junge und talentierte Alternativen an, die zudem viel frischen Wind in die Mannschaft bringen würden.